Neue Ausrichtung CEO Gregg Lowe krempelt Freescale um

Gregg Lowe, Freescale Semiconductor: »Das gesamte Unternehmen verfolgt für die Zukunft zwei Ziele: überdurchschnittliches Wachstum und höhere Margen.«
CEO Gregg Lowe hat Freescales Führungstruktur neu organisiert.

Im Juni hatte der damals neue CEO Gregg Lowe angekündigt, Freescale »genau unter die Lupe« nehmen zu wollen. Jetzt liegt das Ergebnis seiner dreimonatigen Analyse vor: Ein neues Top-Management, Fokussierung auf Wachstumsmärkte in Asien, Mitarbeiterabbau und Ausstieg aus dem Geschäft mit diskreten DSPs.

Lowe zufolge will sich Freescale zukünftig bei seinen F&E-Investitionen auf Märkte konzentrieren, wo sowohl Umsatzwachstum als auch höhere Gewinnspannen zu erwarten sind. In diesem Rahmen werden bis zu 5 Prozent der derzeit weltweit 18.000 Mitarbeiter abgebaut. Zudem steigt Freescale aus dem Geschäft mit Stand-alone-DSPs aus, weil es keine Möglichkeit mehr sieht, zu Marktführer TI aufzuschließen.

Wurde Freescale unterhalb des CEOs bislang von den beiden Senior-Vice-Presidents Tom Deitrich (verantwortlich für die Networking & Multimedia Solutions Group (NMSG)) und Dr. Reza Kazerounian (Automotive & Industrial Solutions Group (AISG)) gemanagt, wird wird diese Führungsebene jetzt deutlich erweitert und die Zuständigkeiten aufgeteilt.

Während der u.a. bei der wichtigen Einführung der ARM-Kinetis-MCU-Familie unglücklich agierende Kazerounian (Silizium konnte erst 18 Monate nach der Ankündigung Mitte 2010 geliefert werden) Freescale verlässt (gemäß seines Arbeitsvertrages steht ihm eine Abfindung von mindestens 1,5 Jahresgehältern in Höhe von 787.500 Dollar plus Bonuszahlungen zu), wird der in der jüngeren Vergangenheit wesentlich erfolgreichere Deitrich zukünftig einen „Digital Networking“ genannten Bereich verantworten, in dem Netzwerk- und Wireless-Produkte zusammengefasst sind.

Der Bereich „HF“ wird HF-Leistungsverstärker beinhalten und zusätzliche Mitarbeiter bekommen, um das Wachstum zu beschleunigen. Geleitet wird der Bereich von Ritu Favre, die bislang als General Manager den HF-Bereich geleitet hat und nun ebenfalls in die Ebene der Senior-VPs befördert wurde.

Geoff Lees, bislang „nur“ als einfacher Vice-President für industrielle Mikrocontroller zuständig, wird zum Senior-VP befördert und wird mit Ausnahme der Automotive-MCUs zukünftig für alle Mikrocontroller verantwortlich sein, wofür ebenfalls ein neuer Geschäftsbereich geschaffen wurde. Allerdings soll Lees auch Produkte und Plattformen entwickeln, die später im Automotive-Geschäft Einzug halten können.

Der neue Geschäftsbereich „Automotive-MCUs“ wird von Bob Conrad, der von Fairchild kommt, geleitet und hat das Ziel, neue Kunden in Asien und Japan zu gewinnen, wo Freescale heute im Vergleich zu den USA und Europa noch einen vergleichsweise geringen Marktanteil aufweist.

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Freescales neue Führungsmannschaft

Vier Monate nach Amtsantritt hat CEO Gregg Lowe seine Ankündigung wahr gemacht und Freescale umstrukturiert - hier ist die neue, deutlich größere, Führungsmannschaft.

Wie fast nicht anders zu erwarten, hat Lowe, zuvor bei Texas Instruments für das gewinnträchtige Analog-Geschäft zuständig, auch einen Geschäftsbereich „Analog & Sensoren“ geschaffen, der neben den Analog-Produkten für Automotive auch Mixed-Signal- und Sensorprodukte enthalten wird. Freescales Ziel besteht darin, neben den Automotive-Produkten mehr Mixed-Signal-Produkte zu entwickeln, welche die Mikrocontroller ergänzen, und damit höhere Umsätze und vor allen Dingen Gewinnspannen zu erzielen.  Für das Management dieses Bereichs wurde mit James Bates ein erfahrener Analog-Manager von Mitbewerber Maxim Integrated abgeworben.

Last but not least hat Lowe einen eigenen Geschäftsbereich für die Fertigung aufgesetzt und diesen extrem hochkarätig besetzen können: David Reed wurde von GLOBALFOUNDRIES aus Dresden abgeworben, ein extrem erfahrener Manager, der dort die 28-nm-Fertigung geleitet hat. Reed soll die Fertigungskosten senken und die Freescale-Fabs zu einer höheren Effizienz führen. In der Tat ist es in der Chip-Industrie sehr unüblich, dass die Zuständigkeit für die Fertigung zwischen mehreren Produktgruppen aufgeteilt ist, wie dies in der Vergangenheit bei Freescale der Fall war.

Freescale wird zudem Sales-Aktivitäten in Richtung Asien verschieben, um das Geschäft in China, Korea, Taiwan und Japan anzukurbeln,  dort, wo Lowe die größten Wachstumschancen sieht.  Durch die Neuausrichtung im Bereich F&E und Sales sowie Abfindungen im Rahmen des Mitarbeiterabbaus erwartet Lowe primär im dritten Quartal 2013 Einmalkosten in Höhe von 35 bis 40 Mio. Dollar, die durch die Verschlankung des Unternehmens jedoch in gleicher Höhe pro Jahr wieder eingespart werden sollen.