Interview mit Atmel-CEO Steven Laub »Bei 32 bit werden wir zukünftig primär in ARM investieren und 8 bit bleibt AVR«

Atmel-CEO Steven Laub (links) mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.
Atmel-CEO Steven Laub (links) mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.

Atmel hat unter seinem CEO Steven Laub einen Transformationsprozess durchlaufen: Weniger Speicher, weniger ASICs, dafür mehr Mikrocontroller und Touch-Lösungen. Im Exklusiv-Interview mit der Elektronik ging es u.a. um einen suboptimalen Fertigungs-Vertrag mit LFoundry, eine Klage von Infineon wegen vermeintlicher Patentverletzungen und die 32-bit-Migration zu ARM.

Elektronik: Herr Laub, Ihre Geschäftsentwicklung 2012 ist ja wenig erfreulich: Im Vergleich zu 2011 hat Atmel in den ersten 9 Monaten rund 350 Mio. Dollar oder fast 24 % weniger Umsatz erzielt. Was sind die Gründe?

Steven Laub: Abgesehen vom Smartphone- und Tablet-Geschäft erlebten wir ja einen weltweiten Rückgang der Nachfrage, wovon primär unser Speicher- und ASIC-Geschäft betroffen war. Letzteres machen wir ja primär mit der Industrie, wo alle Chip-Hersteller einen starken Einbruch verzeichnen mussten.

Elektronik: Deswegen bauen Sie Atmel zu einer reinen Mikrocontroller-Firma um?

Laub: Nicht zu einer reinen MCU-Firma, aber klar ist, dass dieser Geschäftsbereich am schnellsten wächst und wir im letzten Quartal schon 63 % unseres Umsatzes mit MCUs erzielt haben, nachdem es 2006 nur 24 % waren.

Elektronik: Ich nehme an, dass Sie damit auch besser fahren als mit sdem Speichergeschäft, das ja doch herausfordernd ist….

Laub: Das ist es definitiv auf vielen Ebenen, speziell in Bezug auf Differenzierung, und das wirkt sich dann natürlich auf den Preisdruck aus. Bei unseren MCUs können wir uns viel starker differenzieren über Low-Power oder Peripherie.

Elektronik: Ihre Akquisition von Quantum war da ja auch recht hilfreich, war es Atmels bester Zukauf aller Zeiten?

Laub: (lacht) Da war nicht nur für Atmel eine der besten Akquisitionen denke ich, als wir Quantum 2008 gekauft haben, hatten sie einen Umsatz von 20 Mio. Dollar und letztes Jahr haben wir mit der MaxTouch-Technologie 375 Mio. Dollar umgesetzt. Das ist doch irre oder?

Elektronik: Komisch nur, dass es 2012 auch hier rückläufige Umsätze gibt….

Laub: Das ist nicht komisch, sondern eine Folge der Integration. Die Anzahl der verkauften Geräte mit MaxTouch wächst ungebremst weiter. Für die großen Displays der Tablets und Smartphones brauchten Sie jedoch noch im letzten Jahr eine 4-Chip-Lösung, und jetzt liefern wir eine Ein-Chip-Lösung, die aber natürlich nicht 4x so teuer ist.

Elektronik: Das klingt bitter….

Laub: Ist es aber nicht, ich sage Ihnen warum: Weil wir mit der Ein-Chip-Lösung noch mehr Design-Wins erzielen und damit mittel- und langfristig natürlich mehr Geld einnehmen. Nehmen Sie mal Windows 8: Es ist ein touch-basiertes Betriebssystem, das uns riesige Wachstums-Möglichkeiten bietet. Wir sind mit MaxTouch schon jetzt der führende Lieferant für Windows-8-Geräte und in mehr als 20 Produkten eindesignt, u.a. in Microsofts Surface-Tablet.

Elektronik: Dafür kommen Sie mit Apple nicht ins Geschäft…

Laub: Ja, leider hat Apple seine eigene Touch-Technologie entwickelt.

Elektronik: Die Distribution ist ja für Atmel sehr wichtig…

Laub: Oh ja, das stimmt….

Elektronik:…weltweit generieren Sie mehr als 50 % Ihres Umsatzes über Distributoren, wie sieht es den in Europa aus?

Laub: Da ist der Anteil noch höher. Mit Arrow und Avnet und deren Tochtergesellschaften erzielten wir 2011 alleine 29 % unseres Gesamtumsatzes und diese Zahl steigt weiter an. Nebenbei bemerkt, obwohl wir ja die meisten Chips nach Asien liefern, werden die Design-Entscheidungen in dieser Reihenfolge in den USA, Europa getroffen und erst dann Asien getroffen, insofern ist Europa sehr, sehr wichtig für unser Geschäft. Allerdings wächst die Zahl der Designs in Asien am schnellsten.

Elektronik: Es gibt mittlerweile Experten, die den Kostenvorteil von Asien in Bezug auf Arbeitskosten zunehmend in Frage stellen, wie sehen Sie das?

Laub: Richtig ist, dass man bestimmte Expertise, die man in den USA und Europa findet, in Asien gar nicht oder nur rudimentär findet. Dies wirkt sich natürlich auf die zu zahlenden Gehälter aus. Insgesamt gibt es dennoch immer noch einen Kostenvorteil.

Elektronik: Mir sind Ihre Geheimpläne zugetragen worden, dass Sie in Europa Ihren Standort in München erheblich ausbauen wollen auf Kosten Ihrer französischen Standorts, was ja nach den Umsatzzahlen auch Sinn macht (Anmerkung: Atmels Umsatz in Deutschland war 2011 rund 7x größer als in Frankreich). Was haben Sie genau vor?

Laub: (lacht) So was, hat schon wieder einer geplaudert. Ja, Sie haben Recht, unsere Kundenbasis in Deutschland ist deutlich gewachsen und auch stabiler und dem werden wir Rechnung tragen. Abgesehen davon “outperformt” Deutschland ja auch alle anderen europäischen Länder.

Elektronik: US-Präsident Obama hat ja kürzlich eine sogenannte “Reindustrialisierungs-Policy” vorgestellt, die grob gesagt Subventionen für Firmen beinhaltet, welche ihre Fertigung wieder zurück in die USA verlagern um dort Arbeitsplätze zu schaffen. Denken Sie, dass das auch Auswirkungen auf die Chip-Industrie haben wird?

Laub: Das denke ich weniger. Ich glaube nicht, dass Fabs von Asien zurück in die USA verlagert werden, schon wegen des enormen Bedarfs an Wasser und Energie, aber auch wegen der fehlenden Skills. Natürlich gibt es eine große Ausnahme, Intel, die bauen immer noch Fabs in den USA. Für andere Industrien, deren Fertigung nicht diese extremen Anforderungen hat, ist diese Policy aber sicher hilfreich.

Elektronik: In Ihrem Geschäftsbericht steht, dass Sie Fördergelder von “diversen europäischen Forschungs-Organisationen” erhalten. Wer verbirgt sich den dahinter und warum werden diese Gelder gezahlt?

Laub: Das sind von den Regierungen finanzierte Organisationen und es geht um Technologieentwicklung z.B. im Bereich Luft- und Raumfahrt für Satelliten. Dies ist ja ein ganz kleiner Markt, in den wir ohne diese Fördergelder gar nicht investieren und dabei profitabel bleiben könnten. Für die Regierungen sind diese Aktivitäten aber extrem wichtig.

Elektronik: Ist das eine europäische Initiative?

Laub: Ja, und ich finde sie gut, denn damit werden europäische Arbeitsplätze geschaffen, die dazu dienen, europäische Interessen zu vertreten.