Produktlebenszyklus-Management Bauteilabkündigungen "im Griff behalten"

Bei der Lebenszyklusanalyse von Bauelementen wird die „Lebensdauer“ eines Bauteils in mehrere Phasen unterteilt.
Bei der Lebenszyklusanalyse von Bauelementen wird die „Lebensdauer“ eines Bauteils in mehrere Phasen unterteilt.

Abgekündigte Bauteile in einem Neudesign oder nicht erkannte Abkündigungen während des Produktlebenszyklus gefährden Projekte und können extreme Kosten, beispielsweise durch ungeplante Re-Designs, verursachen. Auswege aus diesem Dilemma bietet productware, ein auf „High Mix/Low-Middle Volume“ spezialisierter Electronic-Manufacturing-Services-Dienstleister (EMS), mit seinem Obsoleszenz-Managementprozess.

Elektronische Bauteile werden obsolet, weil sie nicht mehr hergestellt werden. Entweder, weil der Bedarf eine Produktion aus Sicht des Herstellers nicht mehr rechtfertigt oder weil eine neue Prozesstechnologie die bestehende überholt hat und eine günstigere Herstellung des Produktes möglich macht („Shrinks“). Das mag für die Konsumgüterindustrie kein größeres Problem darstellen, da die Herstellungszyklen in der Regel recht kurz sind, zum Teil nur wenige Monate. Anders sieht es aber bei Industrie-Produkten aus, wo Laufzeiten von vielen Jahren oder Jahrzehnten erreicht werden müssen.

Die Diskrepanz zwischen dem Lebenszyklus der eingesetzten Bauelemente und dem des Endproduktes erfordert es, dass bereits beim Design ein besonderes Augenmerk auf die verwendeten Technologien und die Hersteller gerichtet wird. Das gilt insbesondere für Militär-, Avionics- und Medizin-Anwendungen, wo Neufreigaben von Bauteilen zum Teil extrem kostspielige Requalifizierungs- und Neuzertifizierungsprozesse erfordern.

Sobald ein elektronisches Produkt für einen langen Lebenszyklus geplant ist, darf auf ein Obsoleszenz-Management nicht verzichtet werden. Der EMS-Dienstleister productware bietet seinen Kunden einen in iterativen Schritten entwickelten Bauteilabkündigungs-Prozess an. Dieser stellt die Produktverfügbarkeit sicher, minimiert Qualitätsprobleme, reduziert Zusatzkosten im Bereich der Bauteilbeschaffung aus dem Brokermarkt und vermeidet Kosten durch ungeplante Re-Designs. Rechtzeitige Bedarfsanalysen und langfristige Bedarfsplanungen in engster Zusammenarbeit mit dem Kunden und Lieferanten gewährleisten zudem eine zuverlässige Versorgung.

Prävention durch Bauteil-Lebenszyklus-Analyse

Ein wichtiger Baustein des (Management)-Prozesses ist die Lebenszyklusanalyse von Bauelementen. Dabei wird die „Lebensdauer“ eines Bauteils in mehrere Phasen unterteilt. Hierzu werden verschiedene Aspekte berücksichtigt, in einem Rechenmodell verarbeitet und der Lebenszyklusstatus ermittelt. Diese sind unter anderem: aktuelles Absatzvolumen, Bauteileart und –alter und Abkündigungspolitik des Herstellers. Daneben gibt es fixe Größen wie Last-time-Buy-Meldung (LTB) und End-of-Life-Status (EoL) des Bauteils.

Bereits bei der Angebotserstellung wird die Kundenstückliste des Produktes einer Bauteil-Lebenszyklus-Analyse unterzogen. Das heißt, schon in diesem frühen Stadium erhält der Kunde eine Einschätzung der voraussichtlichen Verfügbarkeit der eingesetzten Komponenten. Dies geschieht in Form eines Reports, der die Lebenszyklus-Faktoren sowohl der von productware beschafften als auch der vom Kunden beigestellten Teile beinhaltet. So können zum Beispiel schon in der Angebotsphase LTB- und EoL-Bauteile identifiziert und mögliche Re-Designs vermieden werden. Sind Bauteile bereits abgekündigt, werden durch die Arbeitsvorbereitung mögliche Alternativen ermittelt und im Angebot aufgezeigt.

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt das Beispiel eines im Raum Frankfurt ansässigen Unternehmens, das Geräte und Systeme zur HF-Signalübertragung entwickelt und fertigt. Das Unternehmen verwendete in einer neuen Produktionsanfrage bzw. für ein neues Produkt Bauteile mit End-of-Live-Status. Dies wurde jedoch rechtzeitig erkannt. Die Arbeitsvorbereitung des EMS-Partners identifizierte daraufhin freigegebene Alternativ-Bauteile und informierte den Kunden darüber. Durch diese Vorgehensweise war auf Kundenseite eine schnellere Prüfung und Entscheidung zur Freigabe möglich und es konnten zusätzliche Kosten durch Zukauf auf dem Brokermarkt vermieden werden.

Da der Fehler auf eine unzureichend aktualisierte Bauteilbibliothek beziehungsweise auf das Verwenden von bereits vorhandenen Schaltungsteilen/Blöcken zurückzuführen war, überlegt der Kunde nun, seine Bauteilbibliothek durch productware „bereinigen“ zu lassen.

Kundenvorteile des EoL-Managements

Die Baugruppen-Stückliste der Kunden wird kontinuierlich auf PCN (Product Change Notifications) überwacht. Bei LTB- oder EoL-Mitteilungen seitens der Bauteilhersteller erhält der Kunde alle entscheidungsrelevanten Informationen. Beispielsweise wird er über die davon betroffenen Baugruppe(n), laufende Aufträge, durchschnittliche historische Abflüsse etc. informiert. Desweiteren bietet der Dienstleister seinen Kunden verschiedene Entscheidungsmöglichkeiten hinsichtlich alternativer Bauteile, Bevorratung, etc. an.

So wurde zum Beispiel ein internationaler Hersteller von Machine-Vision-Lösungen für die Automatisierung hochkomplexer Aufgabenstellungen während eines laufenden Projekts über eine LTB/EoL-Mitteilung benachrichtigt, dass die möglichen alternativen Bauteile nicht Bauform-kompatibel sind. Als Folge wäre ein Re-Design notwendig gewesen. Das Unternehmen entschied sich jedoch für eine Bauteilbestellung und Einlagerung bzw. Lagerresteindeckung bei dem erwähnten EMS-Partner. Auf diese Weise konnten Re-Design-Kosten oder auch die Beschaffung aus dem grauen Markt vermieden werden.