Start-up-Szene im Halbleiterkonzern Analog Garage lockt Erfinder und Tüftler

Patrick O’Doherty, Vicepresident für Emerging Business & Technology bei Analog Devices, ist für die Erforschung und Entwicklung neuer Geschäfte und Techniken  verantwortlich.
Patrick O’Doherty, Vicepresident für Emerging Business & Technology bei Analog Devices, ist für die Erforschung und Entwicklung neuer Geschäfte und Techniken verantwortlich.

Um den Erfindergeist und die Kreativität der Mitarbeiter zu fördern und zu nutzen, hat Analog Devices eine »Garage« geschaffen. Pat O‘Doherty, bei Analog Devices verantwortlich für die »Analog Garage«, erklärt das Konezpt und die Idee, die dahintersteckt.

Weltweit sind Hightech-Unternehmen auf der Suche nach Ideen und klugen Köpfen. Viele große Konzerne haben Programme aufgelegt oder Tochterunternehmen gegründet, die Jungunternehmer finanziell unterstützen und fördern.

Das Potenzial der eigenen Mitarbeiter wird dagegen seltener gezielt gefördert. Analog Devices hat für seine Mitarbeiter eine Start-up-Infrastruktur geschaffen, eine »Garage«  zum Tüfteln, Experimentieren und Erfinden.

 

?   Herr O’Doherty, was genau ist die »Analog Garage«?

!   Pat O’Doherty: Die Analog Garage ist ein unternehmensweiter Inkubator, der externen Unternehmern und ADI-»Intrapreneuren« die Möglichkeit gibt, neue bahnbrechende Techniken und Geschäftsmodelle vorzuschlagen, zu erforschen und zur Serienreife für die industrielle Produktion zu entwickeln. Gewählt wurde die Bezeichnung Analog Garage, um den Stellenwert von Analog-Know-how in vielen Anwendungen anzuerkennen, mit denen reale Welt sensorisch erfasst wird.

Mit der Bezeichnung Analog Garage möchte Analog Devices außerdem alle Garagen, Kellerräume und andere unscheinbare Quartiere wertschätzen, die als Heimat für zahllose Anfänge in der Geschichte technischer Innovation dienten.

Durch die Analog Garage erhalten Start-ups, Universitäten, Forschungszentren und Teams unserer eigenen Mitarbeiter die Unterstützung, die sie brauchen, um die Ärmel hochzukrempeln und schwierige Probleme in einer risikotoleranten Umgebung gemeinsam und rasend schnell zu lösen.

Die Analog Garage startet vor drei Jahren in Cambridge, Massachusetts, USA, mit rund 20 Ingenieuren und ist vor einem Jahr nach Boston in größere Räumlichkeiten umgezogen. Am Standort Boston arbeiten heute rund 70 Ingenieure mit Kompetenzen in den Bereichen Signalverarbeitung, maschinelles Lernen (ML) und künstliche Intelligenz (KI) sowie Materialwissenschaftler, Systemingenieure, Sicherheitsexperten bzw. Software- und Cloud-Entwickler. Für ein typisches Halbleiterunternehmen sind dies nicht-traditionelle Qualifikationen.

 

?   Wer kann in der Analog Garage mitarbeiten?

!   O’Doherty: Obwohl sich der Hauptsitz der Analog Garage unter einem Dach in Boston befindet, ist sie keinesfalls an nur einem Ort angesiedelt. Die Analog Garage ist mit aktiven Vorhaben über den gesamten Globus verteilt und konzentriert sich darauf, bahnbrechende neue Techniken und Geschäftsmodelle zu identifizieren, die helfen werden, unsere Zukunft zu gestalten.

Jeder Mitarbeiter von Analog Devices, ob er in Indien, China, Irland, Deutschland oder USA arbeitet, kann eine neue Idee einbringen. Ein Team innerhalb der Analog Garage arbeitet dann mit dem Ideengeber zusammen, um sein Projekt zu präzisieren. Falls die Idee den Anforderungen von Analog Devices entspricht, wird sie einem Venture Board vorgestellt.

Das Board entscheidet dann über die Finanzierung. Steht die Finanzierung, kann das Projektteam in Teil- oder Vollzeit am Projekt arbeiten und ist für die Dauer des Projekts von ihren bisherigen Funktionen im Unternehmen entbunden. Alle Projekte werden genau wie extern VC-finanzierte Start-ups gehandhabt, einschließlich Unternehmensengel, Startphase und die Finanzierungsrunden (Serie A, Serie B) mit strengem Fokus auf dem Erreichen von Projektmeilensteinen, der Finanzierung und der Geschwindigkeit.

 

?   Wie ist die Analog Garage innerhalb des Unternehmens organisiert?

!   O’Doherty: Die Analog Garage ist Teil der Emerging Business & Technology Group von Analog Devices und berichtet an den CTO (Chief Technology Officer). Sie wird separat geführt und befindet sich physisch getrennt von den Geschäftsbereichen, die den Kern des 6-Mrd.-US-Dollar-Unternehmens bilden.

Die Analog Garage konzentriert sich komplett auf Chancen und Möglichkeiten mit hohen Risiken und hoher Rentabilität, die das Potenzial haben, innerhalb von zehn Jahren signifikante Umsätze zu generieren.

Die F&E-Gruppen in den Geschäftsbereichen von Analog Devices hingegen konzentrieren sich normalerweise auf Technik, von der man erwartet, dass sie innerhalb von fünf Jahren Produktumsätze hervorbringt. Die Geschäftsbereiche und die Analog Garage arbeiten jedoch intensiv an vielen Projekten zusammen, die höchste Prioritäten im Unternehmen genießen.

 

?   Wie werden Projekte und Mitarbeiter für die Analog Garage ausgewählt?

!   O’Doherty: Viele der Mitarbeiter in der Analog Garage haben in Bereichen wie Signalverarbeitung, maschinelles Lernen oder Materialwissenschaft promoviert und kommen tendenziell von den führenden Forschungsuniversitäten in der ganzen Welt und einer Vielzahl von High-Tech-Start-ups.

Sie sind motiviert durch das breite technische Spektrum über das Analog Devices verfügt und schätzen die enormen Möglichkeiten, neue richtungsweisende Techniken zu erschaffen. Dazu zählen die Bereiche Messwerterfassung, Signalaufbereitung und Interpretation, mit denen es möglich ist, mit Messsignalen der realen Welt zu arbeiten und sie zu analysieren.

 

?   Wie werden die Arbeiten der Analog Garage kommuniziert?

!   O’Doherty: Die Kommunikation mit den Geschäftsbereichen und der Fertigung von Analog Devices erfolgt in persönlichen Managementgesprächen, technischen Besprechungen, Projektbesprechungen etc., die regelmäßig stattfinden.

Die Informationen werden auch über eine interne Webseite geteilt, sodass jeder Mitarbeiter sehen kann, welche Projekte bereits vorgestellt, finanziert, gestoppt oder in die Geschäftsbereiche zurückgeführt wurden, um den Grundstein für neue Geschäfte zu legen.

 

?   Wie profitieren die Mitarbeiter und das Unternehmen von den Arbeiten der Analog Garage?

!   O’Doherty: Abgeschlossene Analog-Garage-Programme werden typischerweise in einen Geschäftsbereich integriert, um die Basis für neue Geschäfte zu bilden. Alternativ können Analog-Garage-Programme als neuer Geschäftsbereich aufgebaut oder ausgelagert werden, damit sie sich völlig unabhängig von Analog Devices entwickeln. Diese Festlegung erfolgt durch die Geschäftsbereiche entsprechend der strategischen Ausrichtung und Eignung.

Die Mitarbeiter der Analog Garage und die an der Analog Garage teilnehmenden Mitarbeiter von ADI aus aller Welt erhalten die Möglichkeit, an für sie spannenden Projekten zu arbeiten. Dies hat sich als großer Gewinn für die Mitarbeiter und Analog Devices erwiesen, was sich auch positiv auf die Fähigkeit des Unternehmens auswirkt, die besten Kräfte einzustellen und zu halten.

 

?   Welche erfolgreichen Projekte wurden in der Analog Garage entwickelt?

!   O’Doherty: Die Projekte, die aus der Analog Garage hervorgegangen sind, befinden sich größtenteils noch in der Vorproduktion innerhalb der Geschäftsbereiche, sodass Einzelheiten derzeit nicht erläutert werden können.

 

?   Welche Erwartungen stellt Analog Devices an die Analog Garage?

!   O’Doherty: Wir gehen davon aus, das weitere Wachstum der Analog Garage mit großem Engagement fortzuführen, damit Mitarbeiter von Analog Devices noch mehr zukunftsträchtige Techniken erfinden und entwickeln können, die wesentlich zum langfristigen Wachstum und der Diversität des Unternehmens beitragen.

 

 

Patrick O’Doherty

ist als Vicepresident für Emerging Business & Technology für die Erforschung und Entwicklung neuer Geschäfte und Techniken innerhalb und außerhalb von Analog Devices verantwortlich, incl. der Start-up-Förderung und der universitären Forschung. Er arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der Halbleiterindustrie. O’Doherty hat einen Bachelor-Abschluss in Elektrotechnik (BSEE) vom University College Cork, Irland, und einen Master-Abschluss (MBA) in Betriebswirtschaft von der Northeastern University in Boston, USA.