EU-Forschungsförderung Wer wird Millionär?

Im Geschacher um EU-Fördergelder für die Forschung ringen viele Interessengruppen um Einfluss. Die Embedded-Branche, vertreten durch die ARTEMIS Industry Association, fühlt sich durch die Lobby der Halbleiterindustrie benachteiligt.

Im Zeitraum von 2014 bis 2020 möchte die EU Forschungsprojekte aus dem Bereich Embedded Systems mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro fördern. Das ist so viel wie nie zuvor. »Die Digitale Agenda hatte auf der politischen Tagesordnung noch nie eine so hohe Priorität wie heute,« sagte Khalil Rouhana, Direktor für »Components & Systems« in der Abteilung CONNECT (Communication Networks, Content and Technology) im EU-Kommissariat von Günther Oettinger. Von dort wird die Digitale Agenda gesteuert. Und im gleichen Atemzug kündigte Rouhana auf dem Co-Summit der EU-Förderinstrumente ITEA und ARTEMIS an, dass die EU den Etat für Embedded-Systeme verdoppeln werde. Doch die Reaktion der ITEA- und ARTEMIS-Vertreter war verhalten: »Wir müssen diese Aussage erst analysieren und herausfinden was damit eigentlich gemeint ist – ob es sich dabei wirklich um mehr Geld handelt oder ob damit eine Umverteilung existierender Mittel gemeint ist,« sagte der ARTEMIS-IA-Präsident Prof. Heinrich Daembkes.

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EU-Forschungsförderung: Wer sagt was

Statements zu den EU-Forschungsförderungsinitativen ARTEMIS und ITEA.

Historisch bedingt hat sich die Forschungsförderung der EU zu einem äußerst undurchsichtigen Dschungel entwickelt, und im vergangenen Jahr ist es durch den Versuch einer „Vereinfachung“ noch komplizierter geworden. Der Treiber für diese Entwicklung sind die nationalstaatlichen Egoismen, denen die EU-Kommission versucht, mit ihrem Einfluss gegenzusteuern.

Doppelarbeit vermeiden

Eigentlich ist es eine gute Idee, staatenübergreifende Forschungsprojekte zu fördern. Damit soll einerseits die internationale Zusammenarbeit gefördert werden, andererseits soll durch Koordination teure Doppelarbeit verhindert werden, bei der in mehreren Ländern parallel an der gleichen Sache gearbeitet würde. Als Förderinstrumente wurden zwei Initiativen auf die Beine gestellt: ITEA und ARTEMIS. Bei ITEA wird an softwareintensiven Systemen gearbeitet und bei ARTEMIS sind Embedded-Systeme der Gegenstand der Forschung. Dieser kleine verbale Unterschied ist in den Projekten kaum sichtbar: Bei beiden Initiativen geht es um Embedded-Systeme und die sind in der Regel sehr softwareintensiv. Der eigentliche Unterschied ist ein anderer: ITEA wird ausschließlich von den Nationalstaaten finanziert und ARTEMIS auch von der EU-Kommission (Tabelle).

 ARTEMIS (bis 2013) ITEA 3 
Themenbereich Embedded Systemssoftwareintensive Systeme und Services
Finanzierung Industrie 50 %60 %
Finanzierung Nationalstaaten33,3 %40 %
Finanzierung EU-Kommission16,7 %
Themen und Finanzierung bei ARTEMIS und ITEA.

ITEA selbst vergibt keine Fördermittel sondern lediglich ein „Label“ für förderungswürdige Projekte. Mit dieser Bescheinigung wenden sich die Projektleiter an die nationalen Behörden – in Deutschland das BMBF – und beantragen hier die Förderung. Die Länder melden dann zurück, welche Projekte gefördert werden. Trotz EU-Finanzkrise klappt das gut. Außer Spanien haben alle Länder eine Förderung gemeldet. Deutschland hat in den vergangenen Jahren immer sechs bis acht Millionen Euro bereitgestellt und damit zwei bis drei Projekte gefördert. Dass einzelne Projektpartner in ihren Heimatländern keine Förderung bekommen, kommt immer wieder vor und gehört für ITEA zur Routine. Die Projekte werden dann in einem zweiten Schritt nachverhandelt und man versucht, die aufgetretenen Lücken zu füllen, sei es durch die Gewinnung neuer Projektpartner oder zusätzlicher Mittel von den Nationalstaaten.