Vorstands-Rausschmiss bei Kontron Was in der Pressemitteilung zwischen den Zeilen steht

Kontron-Hauptsitz in Augsburg
Kontron-Hauptsitz in Augsburg

Pressemeldungen zu Personalangelegenheiten sind meist sehr diplomatisch formuliert. Als diese Woche der Vorstand von Kontron gehen musste, da gab es nicht mehr viel zu beschönigen. Auch wenn die Pressemitteilung von Kontron relativ deutlich war – es gibt noch einiges, was zwischen den Zeilen steht.

Wir berichteten vor kurzem über die Auswechslung des Kontron-Vorstands. Pressemeldungen, die Firmen aus solchen Anlässen verschicken, verraten meistens nicht viel über die wirklichen Umstände eines Personalwechsels. Da heißt es dann „verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch“, „möchte mehr Zeit mit der Familie verbringen“ oder „aus gesundheitlichen Gründen“. Da ist es schon erstaunlich, wenn offen kommuniziert wird, dass die Betroffenen nicht aus freien Stücken gegangen sind – so wie es bei der Pressemitteilung von Kontron der Fall war. Der Wechsel im Vorstand war begleitet von einer zweiten Pressemitteilung, dem Bericht zum 2. Quartal des Jahres 2016. Die Zahlen sind desaströs.

Die Fakten:

  • Mit 90,9 Mio. Euro ist der Umsatz im 2. Quartal 2016 im Vergleich zum 2. Quartal 2015 um 16,2 Prozent zurückgegangen, ebenso der Auftragsbestand.
  • Die Bruttomarge, die in den letzten sechs Quartalen zwischen 25 und 27 Prozent schwankte, ist auf 18,6 % eingebrochen.
  • Wertminderung von 60,9 Mio. (Firmenwert) + 6,0 Mio. (Sachanlagen) aufgrund der gesunkenen Umsatz- und Gewinnerwartungen.
  • Operatives Ergebnis (EBIT) ohne Zinsen und Steuern: -10,0 Mio. Euro (Q2/2015: -1,8 Mio.), Aufgrund der Wertminderung musste allerdings ein Ergebnis von -75,5 Mio. Euro berichtet werden.

Zu den negativen Aussichten für das gesamte Geschäftsjahr kommt die massive Wertminderung, die dem Vorstand das Genick gebrochen haben dürfte.

Kommentierte Pressemitteilung

In der Quartalsmitteilung heißt es: Zum einen haben die teilweise erschwerten Marktbedingungen, mit denen Kunden sich konfrontiert sehen, indirekte Auswirkungen auf Kontron. Die Nachfrage fiel schwächer aus als prognostiziert. Das hat unmittelbare Konsequenzen sowohl auf Kontrons Umsatz, weil existierende Rahmenverträge niedriger als erwartet ausgeschöpft werden, als auch auf den Auftragseingang.

Obwohl das Marktumfeld doch eigentlich ganz gut ist und die Konjunktur in Deutschland und den USA rund läuft, hat die Nachfrage bei Kontron nachgelassen. Dabei sind die Auswirkungen des Umzugs nach Augsburg mit einem massiven Aderlass an Know-how bei der Entwicklung und die Schließung des Standorts Roding noch gar nicht richtig spürbar, weil sich F&E erst langfristig auswirkt.

Weiter in der Quartalsmitteilung: Zudem hat Kontron seine Vertriebsstruktur und Teile des Produktportfolios über die vergangenen Monate angepasst, um insbesondere mittelgroße und kleinere Kunden verstärkt mit Standardprodukten zu versorgen, auch mithilfe von Vertriebspartnern. Allerdings zeigen die durch die Reorganisation eingeleiteten Maßnahmen noch nicht die volle Wirkung. 

Mit anderen Worten: Beim Vertrieb wurde zu viel eingespart. Für mittelgroße und kleine Kunden gibt es keine kundenspezifischen Produkte mehr. Ihnen werden nur noch Standardprodukte angeboten. Dadurch geht aber die Kundenbindung verloren, denn Standardprodukte bekommt man auch bei anderen Anbietern.