Empfehlungen aus der Trickkiste der Softwaretechnolgie Tipps für das Software-Testmanagement

Stephan Grünfelder ist im deutschsprachigen Raum wohl einer der bekanntesten Trainer für hochkarätige Seminare zum Thema Qualität und Testen von Software Eingebetteter Systeme. Er widmet uns diesen Artikel mit einer Reihe von persönlichen Empfehlungen für das Testmanagement und für die Verbesserung von Software-Qualität. Als langjähriger Autor der Elektronik umrahmt er seine Ausführungen mit einer Retrospektive auf eine Reihe in unserer Zeitschrift erschienener Fachartikel.

Zweifelsohne ist der Software-Test eines der wichtigsten Werkzeuge im Software-Qualitätsprozess. Als ich vor sieben Jahren eine Artikelserie über die Rollen von Modultest, Integrationstest und Software-Systemtest schrieb [1,2,3,4], war eine zentrale Behauptung im Pilotartikel die, dass dem Thema Software-Testing an Hochschulen im deutschsprachigen Raum zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Auch hatte ich angemerkt, dass es kaum brauchbare Literatur gibt. Aus meiner Sicht hat sich die Situation an den Hochschulen ein wenig gebessert, doch offensichtlich nicht in dem Maße, wie die Industrie es benötigt hätte. So ist in dieser Zeit die Anzahl der angebotenen Seminare privater Veranstalter zum Thema Test von Software - inklusive Test Eingebetteter Systeme - dramatisch gestiegen.   

Seminarinflation   

Die Qualität der angebotenen Seminare war und ist zum Teil immer noch so unterschiedlich, dass es dem Konsumenten schwer fiel und fällt zu entscheiden, ob sich die Investition der Kurskosten von bis zu 800 Euro pro Tag und Mitarbeiter lohnen. Aus dem dieser Art resultierenden Bedürfnis nach Sicherheit und Qualität der Ausbildung verbreitete sich rasch der ISTQB-Standard für Testseminare [5]. Ein Seminar nach diesem Standard vermittelt wohl definierte Kernkompetenzen des Berufsbilds des Software-Testers und schließt optional mit einer genormten und international anerkannten Prüfung ab.

Mit dem Vorteil des geprüften Inhalts von ISTQB-Seminaren geht der Nachteil einher, dass die Inhalte dieser Ausbildung nicht perfekt zu den Erfordernissen des Tests von Software Eingebetteter Systeme passen. Wohl wird auf Eingebettete Systeme Bezug genommen, doch liegt der Schwerpunkt der in der begleitenden Literatur präsentierten Testtechniken eindeutig bei denen für Multicore-Systeme und -Client/Server-Architekturen [6]. Wenn man also eine embedded-spezifische Testschulung sucht, bleiben nach wie vor der Preis und Referenzen die besten Hinweise auf Qualität.

Trotzdem: Es hat noch nie jemandem geschadet, sich helfen zu lassen. Ein gutes Buch öffnet die Augen für Dinge, an die man sonst nicht gedacht hätte, und ein Seminar vermittelt nicht nur in kompakter Form viel Stoff, sondern erlaubt Einblicke links und rechts des technischen Inhalts, weil man von Erfahrungswerten des Trainers und anderer Teilnehmer profitieren kann.

Empfehlung 1: Daher meine erste Empfehlung: Investieren Sie in die technische Fortbildung von Mitarbeitern im Testbereich. Ich habe absichtlich das Wort technisch in die Empfehlung aufgenommen, weil ich schon so viel (schlechte) Fachliteratur gelesen habe, die ausschließlich über organisatorische Maßnahmen und soziale Aspekte beim Testen erzählt, aber nicht das Handwerk des Testens selbst erklärt und schon gar nicht für Eingebettete Systeme. Nun - auch dieser Artikel behandelt nur organisatorische Fragen und für technische Fragen ist der Leser auf die hier zitierte Literatur verwiesen bzw. auf [1], wo eine große Menge von Testliteratur kritisiert wird.

Der Sprung ins kalte Wasser

Wenn für Ihr Unternehmen der Software-Test noch eine große Baustelle ist, d.h. Prozesse etabliert werden müssen, Werkzeuge angeschafft werden müssen und die Produktqualität nicht zufriedenstellend ist, dann möchte ich meine erste Empfehlung verstärken auf: 

Empfehlung 2: Lassen Sie sich helfen.  In meiner Karriere habe ich gesehen, welch Sprungbrett eine gute und unabhängige externe Beratung für ein Unternehmen sein kann. Interne Diskussionen werden verkürzt, die Werkzeuganschaffung objektiviert, durch Erfahrungswerte des Beraters so manche Fehler erst gar nicht gemacht.  Wenn Sie Prozesse in Ihrem Unternehmen neu definieren und dokumentieren, dann gilt 

Empfehlung 3: Verwenden Sie die moderne, genormte Nomenklatur des ISTQB in Ihren Arbeitsanweisungen.  Ich habe schon öfters bei Beratungsgesprächen oder Trainings Aussagen gehört wie „das, was Sie Systemtest nennen, heißt bei uns Integrationstest“. Und im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde ebenso oft festgestellt, dass unübliche Bezeichner für Abläufe im Unternehmen die Wurzel für fundamentale Missverständnisse bei Kundengesprächen waren. Es ist nicht unüblich, dass Kunden Testnachweise verlangen oder sich die Prozesslandschaft ansehen. Wenn dann bei Ihnen alles anders benannt wird als sonst üblich, dann ist das ein schlechtes Zeugnis. Die Nomenklatur des ISTQB ist im „Glossary of Terms used for Software Testing“ definiert und auf Englisch [5] und Deutsch [13] elektronisch verfügbar.