Akquisition Sysgo verkauft sich an Thales

Der französische Rüstungskonzern Thales wird Sysgo übernehmen. Sysgo wird als Tochter von Thales weitergeführt und soll seine Firmen- und Markenidentität behalten.

Thales hat angekündigt, die Sysgo AG, einen Anbieter für sichere Software und Betriebssysteme zu übernehmen. Sysgo beschäftigt in Deutschland, Frankreich und Tschechien 80 Mitarbeiter.

Mit dem Kauf von Sysgo will Thales seine Position im Markt für sicherheitskritische Embedded-Software stärken. Dabei kann die Thales-Gruppe nun auf die zwei Kern-Produkte von Sysgo zugreifen: Die industrielle Linux-Distribution ELinOS und das »Meta-Betriebssystem« PikeOS, eine Virtualisierungssoftware für sicherheitskritische Anwendungen, die vorwiegend auf Systeme in Luftfahrt und Verteidigung zielt. So sagt denn auch Luc Vigneron, Chairman & Chief Executive Officer von Thales: »Durch die Akquisition holen wir neue Software-Spezialisten an Bord, die die Entwicklung der nächsten Generation von Betriebssystemen – insbesondere für den Luftfahrtbereich – beschleunigen«.

Die Führung von Sysgo, namentlich CEO Michael Tiedemann und Mitgründer Knut Degen, hebt den Hintergrund »einer Firma der Breite und dem Kaliber von Thales« hervor. Damit dürfte vor allem das finanzielle Fundament gemein sein, auf das sich Sysgo nun stützen kann. Immer wieder hatte Knut Degen über Schwierigkeiten bei der Finanzierung des Unternehmens geklagt, da sowohl Banken als auch institutionelle Anleger in einer Software-Firma keine verwertbaren »Assets« vermuten und damit keine Sicherheiten. Angesichts mittelfristig stagnierender oder schrumpfender Verteidigungsetats könnten diese Finanzierungsengpässe eine wichtige Motivation für Sysgo gewesen sein, sich der Thales-Gruppe anzuschließen. Gleichzeitig erhofft sich Sysgo dadurch einen besseren Zugang in neue Märkte wie z.B. Automotive.

Die französische Industrielandschaft ist weit weniger durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt als die deutsche, vielmehr bestehen enge Bindungen zwischen Großunternehmen und dem Staat. Insofern könnte Sysgo auch von anderen Thales-Geschäftsbereichen profitieren, so etwa Schienenverkehr oder andere Bereiche nationaler Infrastrukturen, in denen ebenfalls sicherheitskritische Software benötigt wird.

Sysgo wird als als Tochterunternehmen von Thales weitergeführt und soll seine Firmen- und Markenidentität behalten. PikeOS wird auch weiterhin auf dem freien Markt erhältlich sein.

[Update]

Zur Motivation der Übernahme sagt Knut Degen, Mitgründer und Chief Operating Officer von Sysgo: »Wir sind jetzt seit einigen Jahren im Security-Bereich tätig und wurden dadurch auch für Behörden und Ministerien sichtbar.« Und da, so spekuliert Degen, könnte man nun genauer hingeschaut haben, von wem man eigentlich seine Sicherheitstechnik beziehe. Denn in der letzten Dekade konnten die Franzosen nicht verhindern, wie mit Jaluna ein wichtiges Betriebssystem von einer US-Firma übernommen wurde. »Diese Erfahrung will man sicherlich nicht nochmal machen,« sagt Degen. Und so liegt die Vermutung nahe, das Thales mit der Übernahme sicherstellen will, dass eine auch für die nationale Sicherheit relevante Softwarekomponente in Europa bleibt.

Die Kontrolle über Sysgo lag bis zur Übernahme beim Management und den Mitarbeitern, die zusammen über 70 % der Anteile der Sysgo AG hielten. 28 % gehörten einem Finanzinvestor. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Was die Zukunft von Sysgo und seinen Produkten betrifft, sei vereinbart worden, dass Sysgo innerhalb des Thales-Konzerns unabhängig bleibt. »Wir haben vollen Handlungsspielraum, können unsere Produkte nach außen hin verkaufen an wen wir wollen und wir haben bessere Wachstumschancen,« ergänzt Knut Degen.