Innotrans 2018 Stelldichein der Busse und Bahnen

Angesichts von Mega Cities, Abgas- und Platzproblemen in den Städten wird der öffentliche Verkehr mehr denn je gebraucht. Auf der Innotrans vom 18. bis 21. September zeigt die Branche in Berlin Fahrzeuge und Infrastruktur für die Kurz- und Langstrecke.

Angesichts des Dieselskandals wird häufig übersehen, dass es Elektromobilität in den Städten schon seit über 100 Jahren gibt – auf Schienen. 1902 ging in Berlin die erste U-Bahn-Linie in Betrieb, elektrische Straßenbahnstrecken gab es sogar schon im 19. Jahrhundert. Auf der Innotrans zeigt die Verkehrstechnik-Branche ihre Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig ist die Messe ein Branchenbarometer, das seit Jahren Hochdruck anzeigt.

Denn der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) legt seit Jahren im In- und Ausland deutlich zu. Allein in Deutschland nutzten im Jahr 2017 laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) rund 10,4 Milliarden Fahrgäste öffentliche Verkehrsmittel – 140 Millionen mehr als in 2016, Tendenz weiter steigend. Insgesamt präsentieren sich vom 18. bis 21. September annähernd 3000 Aussteller in Berlin.
Die Messe ist in fünf Segmente gegliedert:

  • Railway Technology
  • Railway Infrastructure
  • Public Transport
  • Interiors und
  • Tunnel Construction.


Im Bereich Public Transport bzw. ÖPNV zeigen über 400 Aussteller ihre neuesten Produkte in den Bereichen Informationstechnik und Fahrgeldmanagement, Funk- und Telekommunikation sowie Software, Ticketing und Verkehrsmanagement. Dieses Segment ist damit das drittgrößte auf der InnoTrans.

Aufruf zum Hackathon

Der öffentliche Verkehr hat noch ein großes Potenzial zur Weiterentwicklung, insbesondere was die Software betrifft. Zusammen mit dem Veranstalter Hack Partners hat die Messe Berlin einen »Hackathon« ausgeschrieben. Das ist ein Wettbewerb, zu dem Designer, Entwickler und Unternehmensgründer zusammenkommen, um gemeinsam Proto­typen zu erschaffen, die mithilfe von Daten, APIs und Hardware definierte Probleme lösen. Die Teilnehmer werden zwar »Hacker« genannt, aber es sind keine Hacker im Sinne von Rechtsbrechern. Sie sind vielmehr Urheber kreativer und neuartiger Prototypen. Nicht selten arbeiten die Innovatoren die ganze Nacht durch, um ihren »Hack« fertigzustellen und anschließend den Preisrichtern zu präsentieren.

Zum Hackathon sind 80 »Innovatoren« eingeladen, die sich im Mai 2018 bewerben konnten. Themen werden sein: Kundenerlebnis, Betriebs- und Fahrzeugoptimierung sowie Infrastruktur. Die vertätige Veranstaltung beginnt mit Brainstorming und Teambildung (jeweils drei bis vier Teilnehmer), dann einer zweitätigen Arbeitsphase und am Schluss präsentieren die Teams ihre Ergebnisse vor einer Jury.

Freigelände mit Bus-Display

Ein großer Anziehungspunkt für die Besucher ist stets das Freigelände. Auf 3500 m Gleisen werden dieses Jahr 140 Fahrzeuge ausgestellt, vom Hochgeschwindigkeitszug bis zur Straßenbahn. Eine Weltpremiere wird dort eine erstmals öffentlich ausgestellte Garnitur der zukünftigen Berliner S-Bahn-Züge feiern (Bild 1). Die als Baureihe 484 vom Herstellerkonsortium Siemens/Stadler gebaute vierteilige Einheit soll ab 2021 in der Hauptstadt zum Einsatz kommen.

Ein eigener Ausstellungsbereich für Busse, das »Bus Display«, hat 2016 zum ersten Mal stattgefunden. Dort gibt es eine 500 m lange Teststrecke zur Demonstration der Fahrzeuge, womit die Innotrans die die einzige Messe mit einer Demo-Strecke ist.

Der französische Hersteller Alstom, eigentlich Spezialist für Schienenfahrzeuge, präsentiert auf dem Bus-Display der Weltöffentlichkeit erstmalig den »Aptis« (Bild 2). Der Elektro-Bus erinnert eher an eine Straßenbahn auf Rädern. Das liegt unter anderem an der Karrosserie und dem durchgehend niedrig liegenden Boden. Zudem ist das Fahrzeug sehr wendig, weil alle vier Räder gelenkt werden können.

Aus Finnland kommt der E-Bus-Se­rienhersteller Linkker mit dem Fahrzeugmodell Linkker 12+. Der Bus zeichnet sich durch seine Leichtbauweise und eine hohe Energieeffizienz aus. Eine besonders leistungsstarke Lithium-Titanatoxyd-Batterie und kurze Zwischenladungszeiten sollen Tagesumläufe von bis zu 350 Kilometer möglich machen.

Zum präsentierten Leistungsangebot des französischen Komponentenherstellers Faiveley Transport zählen Bordnetzumrichter und Klimaanlagen sowie Komponenten des gesamten Antriebsstranges für Busse und Züge. Technische Unterstützung bei Verkäufen von Handy-, Online- und Firmen-Tickets finden Fachbesucher beim vierten Debütanten LogPay Mobility Services.

Sileo aus Salzgitter, Solaris aus Polen und VDL aus den Niederlanden werden ebenfalls ihre Fahrzeuge vorführen. Sileo hat den emissionsfreien Doppelgelenkbus Sileo S25 angemeldet. Solaris bringt gleich zwei Busse aufs Messegelände: den Oberleitungsbus Trollino 12 sowie den rein elektrisch betriebenen Batterie-Linienbus in Niederflurbauweise Urbi­ no 12 electric. Neben dem Bus-Display auf dem Freigelände präsentiert die französische Firma SA Lohr Industrie ihr neuartiges Nahverkehrssystem ‚ i-Cristal‘, das über einen Selbstfahr-Modus verfügt.

Digitalisierte Ticketing-Systeme

Elektronik spielt auch im Bahnbereich eine immer größere Rolle. Neben der Fahrgastinformation ist dies besonders im Bereich des Ticketings der Fall. Die Fairtiq aus Bern (Halle 2.1, Stand 104) hat eine App entwickelt, die das Ticket
automatisch beim Einsteigen löst und die Fahrtkosten nach dem Aussteigen jeweils über GPS-Ortung berechnet. 21 Partner in der Schweiz sowie Abnehmer in Österreich, Deutschland und den Niederlanden haben sich bereits dem System angeschlossen.

Scheidt & Bachmann (Halle 2.1, Stand 203) stellt FareGo Suite vor, ein ID-
bezogenes Ticketsystem. Zu den Features zählen unter anderem Datenverarbeitung in Echtzeit für systemweite Prozesse wie Tarifanpassungen oder fahrgastfreundliches Ticketing für beispielsweise automatische Bestpreisfindung.

Mida Solutions aus Padua (Halle 7.1b, Stand 201) vereint Kommunikation, ob Durchsagen oder Zugfunk GSM-R, und verknüpft sie mit Voice-over-IP auf einer Wiedergabekonsole, auf die von allen Geräten aus zugegriffen werden kann.
Maßgeschneiderte Ansagen produziert die Firma Code Factory aus Barcelona (Halle 4.1, Stand 223). Mit dem neuen Programm Nuance zeigt sie ein System, das Texte in mehr als 40 Sprachen und 70 verschiedene, natürliche klingende Stimmen umwandelt.

Umfangreiche internationale Beteiligung

Traditionell stark ist die internationale Beteiligung an der Innotrans, denn der Verkehrsmarkt ist ebenso international. Schon 2016 machten chinesische Hersteller mit großen Ständen auf sich aufmerksam. Insgesamt 23 nationale und internationale Branchenverbände haben Stände angemeldet. Am stärksten dürfte dabei die Swissrail Industry Association vertreten sein. Aus der Schweiz präsentieren sich 46 von über 100 Mitgliedsfirmen, verteilt auf zwei Gemeinschaftsstände, mit insgesamt mehr als 1000 m2. Vom Spanischen Industrieverband MAFEX mit seinen 70 Mitglieds­unternehmen sind fast die Hälfte auf der Messe vertreten. Aus Japan kommen 13 Firmen des Dachverbands JORSA: Lieferanten, Betreiber und Institute stellen in Halle 7.2a »jede Art von japanischer Bahntechnik und Hardware vor«.