Interview zur Parallelprogrammierung Steiniger Weg zur parallelen Software

James Reinders, Director Software Development Products bei Intel: »Parallelprogrammierung wird der Normalfall werden«.

»Parallelism is here to stay« ist das Motto von James Reinders, Director Software Development Products bei Intel. Deshalb unternimmt Intel große Anstrengungen, um Software-Werkzeuge zu entwickeln, die die Parallel-Programmierung erleichtern. Die Frage ist nur: Warum erst jetzt?

Woran liegt es, dass »native« Parallelprogrammierung so langsam in die Gänge kommt?

Wir haben uns daran gewöhnt, mit mehreren Programmen gleichzeitig zu arbeiten: Mail, Textverarbeitung, Bilder ansehen, mehrere Tabs im Browser und der Virenscanner im Hintergrund. Für dieses Nutzungsszenario ist sind Multicore-Prozessoren auch ohne parallelisierte Anwendungen schon von großem Wert, so dass der Druck, die Anwendungen zu parallelisieren, bisher nicht allzu hoch war. Erst jetzt, wo wir Multcores mit vier und mehr Kernen bauen können, stellt sich die Frage, wie man diese Prozessoren auslastet.

In der Großrechnerwelt wird doch schon lange parallel gerechnet. Es kann doch eigentlich nicht so schwer sein, entsprechende Software auch für PCs zu schreiben.

Die Software, die in Rechenzentren läuft, dient zur Lösung anspruchsvoller wissenschaftlicher oder finanzieller Probleme. Das Ergebnis ist oft wichtiger als die Kosten. Die Kosten amortisieren sich durch den hohen Wert, den die Software bringt: Sie verhilft zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, zum Auffinden von Rohstoff-Lagerstätten oder zur Entwicklung neuer Medikamente. Aber was machen die Leute mit ihrem PC? Sie sehen sich Bilder und Filme an, spielen, kommunizieren auf verschiedenste Weise und unterhalten sich – triviale Dinge also, für die man nicht viel Geld ausgeben will.

Ich glaube, die größte Änderung, vor der wir stehen, ist, dass die Parallelität auch dazu genutzt werden muss, das Benutzerinterface zu verbessern. Genau darauf wird bei Großrechnerprogrammen nämlich kein Wert gelegt, weil ja nur Spezialisten damit arbeiten. Alle Innovationen, die wir auf dem PC hatten, hingen letztendlich mit der Art der Präsentation von Daten zusammen: Sei es der Browser oder die Fähgikeit, Daten so darzustellen, wie sie gedruckt werden.

Wird Software für Intel zu einer genauso wichtigen Prozessor-Zutat wie Chipsätze und Mainboards?

Definitiv ja. Prozessoren bedeuten für uns enorme Investitionen und wir wollen sicherstellen, dass nichts ihre Markteinführung verzögert. Wir möchten die Entwicklungen beschleunigen, achten aber auch darauf, dass das nicht auf Kosten anderer Software-Anbieter geht. Das bedeutet: Wir bringen nicht die Software-Tools auf den Markt, mit denen wir das meiste Geld verdienen, sondern solche, von denen wir glauben, dass kein anderer sie auf den Markt bringen würde.

Aber Intel wildert doch schon im Revier der Software-Firmen, mit dem Engagement in Mobilin/MeeGo und durch den Kauf von Wind River!

Es wird so laufen wie bei den Motherboards: wir beschleunigen die Entwicklungen und wir setzen vielleicht auch die Messlatte höher, aber wir wollen die Vielfalt der Anbieter erhalten, auch wenn wir selbst uns im Markt mitmischen.

Der Embedded-Markt ist ja ein sehr fragmentierter Markt. Da gibt es durchaus noch Potenzial, um Dinge zu optimieren. Der Open-Source-Gemeinde arbeitet nunmal mit einer bestimmten Geschwindigkeit und wir wollten eben eine Distribution zur Verfügung stellen, die gezielt auf den Embedded-Markt (in diesem Fall auf Netbooks, d. Red.) abgestimmt ist und so haben wir z.B. das Moblin-Projekt vorangetrieben, das jetzt zusammen mit Nokia als MeeGo weitergeführt wird.