Anzeigegeräte Smartes Display für den »Kleinanzeigenmarkt«

GeBE packt einen ARM-Prozessor hinter das Display und ersetzt damit Messgeräte und Kleinanzeigen. Doch der Clou ist die Entwicklungsoberfläche für den Displayinhalt.

Schicke TFT-Displays sind Alleskönner, vom Türschild am Konferenzraum bis zum Verkaufsdisplay mit Videoanzeige ist alles möglich. Oft sind grenzenlose Multimedia-Möglichkeiten aber überhaupt nicht gefordert – gerade im industriellen Bereich liegt das Potenzial der Anzeigen ganz woanders. Zum Beispiel in der Ablösung analoger Anzeigeinstrumente durch digitale, softwarekonfigurierbare Anzeigen. Mit den Indico-Geräten wollte GeBE eben keinen Industrie-PC hinter ein Display kleben, sondern zunächst nur ein Messgerät ersetzen: ein paar universelle Eingänge, dazu einen Mikrocontroller, der die Messwerte verarbeitet und auf einem Display visualisiert.

Für drinnen und draußen

Bei der Entwicklung der Geräteserie hat sich GeBE an den DIN-Ausschnitten für Schaltschränke orientiert: Das Gerät mit 3,5-Zoll-Display passt in einen 96 × 96 mm² großen Ausschnitt. Demnächst soll noch ein 7-Zoll-Gerät erscheinen, das in einen Ausschnitt von 192 × 144 mm² passt – auch das ein DIN-Maß. Die gesamte Gerätefamilie ist für industriellen Betrieb ausgelegt: es kann bei –20 ° bis +75 °C (optional auch bis 85 °C) eingesetzt werden, ist resistent gegen Vibration und Schock bis 5/30 g und das Gehäuse ist beständig gegen UV-Strahlung, Alterung, Chemikalien und Salzwasser. Beim Display bietet GeBE bei gleicher Größe die Wahl zwischen vier Varianten, die sich durch Kontrast, Sonnenlichttauglichkeit und Blickwinkel unterscheiden. Auf Wunsch kann das Display auch mit einem Touch-Sensor ausgestattet werden. Als Eingangssignale verarbeitet das Gerät CAN, USB und seriell sowie – je nach Ausführung – eine unterschiedliche Anzahl von analogen (0 – 10 V) und digitalen Eingängen. Dank zweier Ethernet-Anschlüsse können mehrere Geräte in Daisy-Chain-Topologie verschaltet werden.

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Die vielen Gesichter der Indico-Displays

Das Indico von GeBE ersetzt Einbauinstrumente, kann aber auch einfache Industrie-PC-Aufgaben wahrnehmen. Über das Enwicklungswerkzeug können der Anzeige viele Erscheinungsformen eingepflanzt werden.

Die eigentliche Arbeit versieht ein mit 454 MHz getakteter ARM9-Prozessor von Freescale. Den bezieht GeBE auf einem Modul komplett mit 128 MB Arbeitsspeicher von TQ. Was das GeBE-System von anderen Industrie-PC- und Displaysystemen unterscheidet ist die Software. GeBE hat dem ARM-Prozessor ein Echtzeit-Linux eingepflanzt, das so stark abgespeckt ist, dass es in fünf Sekunden bootet. Neben den Peripherietreibern wurde noch die Grafikbibliothek SDL integriert, über die das Display angesteuert wird.

Displaykonfiguration in Java

Für die Konfiguration der Anzeigefunktionen hat GeBE ein Java-Tool geschrieben, mit dem der Displayinhalt grafisch entworfen wird. Hier wird ähnlich wie in den „Visual“-Tools von Microsoft der Bildschirminhalt „zusammengeklickt“. Über Drop-down-Menüs werden die physikalischen Eingänge des Geräts mit Variablen bzw. Zeigern, Balken oder anderen Anzeigeelementen verknüpft. GeBE liefert zahlreiche Formen von Skalen und Zeigern mit, der Anwender kann sich aber auch eigene Elemente entwerfen, als Bitmap abspeichern und in das Tool einbinden. Per USB werden die Daten auf das Indico-Gerät hochgeladen und nach einem Reset angezeigt.

Mit dieser Software-konfigurierten Anzeige sind interessante Anwendungen möglich: so hat das Gerät z.B. einen Helligkeitssensor, über den ein Tag-/Nachtmodus konfiguriert werden kann. Bei heller Umgebung erscheint eine kontrastreiche Anzeige und bei Nacht eine mit dunklem Hintergrund, die nicht blendet.

Auch einen Audio-Ein-/Ausgang haben die Geräte auf der Rückseite. Damit kann z.B. eine Wechselsprechanlage realisiert werden oder es können Audioausgaben erfolgen. Mit der Touch-Option besteht auch die Möglichkeit, einfache Eingaben über das Display zu tätigen. So stellt sich am Ende heraus: das Indico ist zwar kein »richtiger« Industrie-PC, kann aber kleinere Industrie-PCs durchaus ersetzen – solange eben die 2D-Grafik des ARM-Prozessors ausreicht. Das kann eine kleines HMI für eine Maschine sein oder ein Instrument in einem (Nutz-)Fahrzeug oder einem Zug. In Verbindung mit einem Ticketdrucker sind aber z.B. auch Anwendungen an einer Parkhausschranke oder im öffentlichen Nahverkehr möglich.