Interview mit Peter Marek, Advantech »Kundenspezifische Entwicklungen sind Teil unserer DNA«

Für Embedded-Spezialisten gewinnen kundenspezifische Produkte zunehmend an Bedeutung. Advantech etabliert deshalb ein lokales Entwicklungs- und Kompetenzzentrum. Was dahinter steckt, erklärt Peter Marek im Elektronik-Interview.

Herr Marek, Advantech ist als Anbieter von Industrie PCs und Anwendungen rund um Embedded Computing weltweit bekannt. Wie kommt es, dass Advantech plötzlich in kundenspezifische Komplett-Lösungen investiert?

Zunächst möchte ich betonen, dass Advantech schon seit langer Zeit kundenspezifische Anwendungen anbietet und hiermit sehr erfolgreich ist. Vielen ist das jedoch nicht bekannt, denn die Produktpalette – an der über 40 Abteilungen mitwirken – überdeckt das Thema »Customization« häufig. Überspitzt formuliert bieten wir kundenspezifisches Design schon lange an, wir sagen es jedoch nicht jedem.

Was sich jedoch geändert hat – wir suchen gezielt mehr Kundenähe. In Europa ging die Strategie vor über zwei Jahren mit dem Etablieren des Kompetenz- und Entwicklungszentrums in München an den Start. Mit dem Investment wollen wir dem Thema Customization – oder »Design and Manufacturing Services« (DMS) – wie wir es bei Advantech nennen, mehr Sichtbarkeit in Europa verleihen. Neu ist das Thema bei Advantech allerdings nicht.

Das war tatsächlich so nicht unbedingt transparent. Erzielen sie die Umsätze mit Customization in bestimmten Branchen oder horizontal über viele Märkte verteilt?

Analog zu unserem breiten Produktportfolio verteilen sich die Umsätze im DMS-Bereich über viele Branchen. Jedoch gibt es Bereiche, in denen kundenspezifische Angebote attraktiv oder gar erforderlich sind. Hierzu gehören klassischerweise die Bereiche Netzwerk/Telekommunikation sowie Medizintechnik. Hier treffen hohe Innovationskraft, ständig steigende Anforderungen und hoher Spezialisierungsgrad aufeinander. Die Branchen haben schon früh auf kundenspezifische Anwendungen und Outsourcing-Strategien gesetzt. Mittlerweile erfreuen sich maßgeschneiderte Produkte jedoch in allen Branchen zunehmender Beliebtheit.

Also ist der Geschäftsbereich DMS bei Advantech über alle Branchen hinweg aktiv. Entstehen daraus keine Konflikte mit den Standard-Produkten?

Im Gegenteil: Dem Bereich DMS steht das ganze Produkt-Portfolio von Advantech als Basis zur Verfügung. So können wir uns immer den besten “Startpunkt” für ein kundenspezifisches Design aussuchen. Somit können wir intern effizient arbeiten. Für den Kunden bedeutet das Vorteile in Bezug auf die Entwicklungszeiten, -kosten und -risiken.

Außerdem sind wir ein strategischer Partner vieler namhafter Siliziumhersteller für Prozessoren und System-on-Chips (SoCs). So können wir ebenso Leading-Edge-Technologien einbringen: Boards, Module oder Systeme in allen üblichen Formfaktoren mit und ohne Display. Wir beraten unsere Kunden neutral bei der Auswahl der CPU-Plattform und -Architektur. Hier differenzieren wir uns zu Wettbewerbern aus dem Embedded-Bereich, genauso zu Entwicklungsdienstleistern und Auftragsfertigern.

                                                                                                                          
»Wir schenken dem Thema Design and Manufacturing Services
in Europa mehr Aufmerksamkeit«

                                                                                                                          

Sehen sie reine Entwicklungs-Unternehmen und Auftragsfertiger als Konkurrenz?

Natürlich spielen solche Firmen im Bereich kundenspezifischer Anwendungen eine Rolle. Entwicklungsdienstleister sind oft näher am Kunden, auch geografisch gesehen – somit entsteht eine enge Bindung. Andererseits führt das Geschäftsmodell unweigerlich dazu, dass ein Dienstleister lediglich das entwickelt, was der Kunde fordert. Investitionen in neue Technologien und Plattformen müssen vom Kunden getrieben sein – und werden deshalb oft vernachlässigt. Ein Kunde profitiert also nicht von den Investitionen des Partners. Das limitiert die Innovationskraft. Im Gegensatz dazu sind viele Auftragsfertiger dazu übergegangen, ebenfalls Entwicklungsdienstleistungen anzubieten – einige entwickeln sogar eigene Referenz-Designs. Sie werden jedoch nicht in echten Anwendungsfällen in den Markt eingeführt und weiter unterstützt. So fehlt der Erfahrungsschatz, Produkte nicht bloß zu entwickeln und zu fertigen, sondern ebenfalls im Lebenszyklus zu betreuen.

Genau das ist der Vorteil von Advantech: Die Kombination aus Entwicklung, soliden Grundprodukten und der Betreuung des Produkts über den kompletten Lebenszyklus. Daher stammt der Begriff »Design and Manufacturing Services«. Wir bieten unseren Kunden einen nachhaltigen Mehrwert und unterstützen sie beim Ausbau ihrer Marktstellung – wovon letztlich ebenfalls wir profitieren.

Das schließt den Kreis zur Kundenorientierung. Welche Rolle spielt dabei das Kompetenzzentrum in München?

Einige der Standard Produkte entwickeln wir bereits seit geraumer Zeit in Europa. Mit dem Entwicklungszentrum in München haben wir nun ein eigenes Entwicklerteam für DMS. Zusammen mit über 20 Programm-Managern und Projektleitern in Europa, setzen unsere Entwickler die Anforderungen der Kunden in den Projekten lokal um – »gleiche Zeitzone, gleiche Sprache, gleiche Kultur« sind die Schlagworte.

In München bieten wir Hardware-Entwicklung inklusive BIOS und Firmware an. Außerdem Software-Entwicklung, speziell für Linux und Android. Ebenso kümmern wir um das komplette System-Design: Mit Spezialisten in den Bereichen Konstruktion, Wärmemanagement, Validierung und Zertifizierung.