Fraunhofer SIT Expertengespräch Krypto-Standards sind unabdingbar

Systeme, die Kryptografie für Verschlüsselung und digitale Unterschriften nutzen, müssen ständig nachgerüstet und verbessert werden, um aktuellen Angriffen standhalten zu können.
Systeme, die Kryptografie für Verschlüsselung und digitale Unterschriften nutzen, müssen ständig nachgerüstet und verbessert werden, um aktuellen Angriffen standhalten zu können.

Ob Online-Banking oder Blockchain – die meisten IT-Sicherheitsmechanismen beruhen auf Kryptografie. Quantencomputer bedrohen zahlreiche dieser Prozesse.

Das Fraunhofer SIT hat IT-Sicherheitsexperten aus Wirtschaft und Wissenschaft zu einem Eberbacher Gespräch über »Next Generation Cryptography« eingeladen, um die kommenden Herausforderungen für IT-Sicherheitstechnologien zu diskutieren. Das Fazit der Experten aus Wirtschaft, Forschung und Politik: Kryptografie muss dringend flexibler werden, um schnell auf technische Veränderungen reagieren zu können.

Quantencomputer verändern den Wettkampf um Sicherheit

Heute weit verbreitete kryptografische Verfahren sind einer ständigen Erosion ausgesetzt: Die Steigerung der Rechenleistung potenzieller Angreifer erzwingt eine regelmäßige Anpassung und Erhöhung von Schlüssellängen und Sicherheitsparametern. Zudem müssen veraltete Verfahren und Protokolle ersetzt werden, und in Extremfällen könnten einzelne kryptografische Verfahren über Nacht unsicher werden.

Dieser andauernde Wettlauf wird durch die Entwicklung von Quantencomputern entscheidend beeinflusst werden. Im Vergleich zu klassischen Computern werden Quantencomputer die erforderliche Zeit für Angriffe auf kryptografische Verfahren extrem verkürzen können.

Bislang sind Quantencomputer vorwiegend ein Forschungsobjekt und die ersten kommerziellen Prototypen stellen noch keine Bedrohung für die heutige Kryptografie dar. Doch es ist nur eine Frage der Zeit ist, bis ein ausreichend mächtiger Quantencomputer die heutige Kryptografie dramatisch verändern wird. Angreifer werden mit Hilfe eines Quantencomputers nicht nur einzelne Services oder Produkte unbrauchbar machen, sondern ganze kryptografische Algorithmen wie RSA, DSA, DH und ECC aushebeln können.

Sieben Empfehlungen für mehr Sicherheit

Die Experten empfehlen, Mindeststandards für IT-Sicherheitslösungen in Wirtschaft und Industrie zu entwickeln, um mehr Business-IT-Sicherheit zu gewährleisten. Darüber hinaus soll ein »Handbuch für Kryptografie-Lösungen« dabei helfen, schneller und leichter sichere IT-Produkte zu entwickeln. Die USA sind bereits dabei, alternative kryptografische Verfahren zu standardisieren.

Desweiteren appellieren die Experten an EU-Entscheidungsträger, rechtzeitig in die Entwicklung neuer Kryptografie-Alternativen zu investieren und die Förderung von agiler Kryptografie strategisch anzugehen, um die zukünftige technologische Weltkarte aktiv mitzugestalten. Auch die Europäische Union sollte Standards für Kryptografie entwickeln.

Zudem soll ein Rat von Krypto-Weisen ins Leben gerufen werden, der Empfehlungen entwickelt und politische Vertreter in Fragen zu Entwicklung und Standardisierung beraten kann. Darüber hinaus soll die breite Öffentlichkeit für IT-Sicherheitsfragen sensibilisiert und in Kryptografie ausgebildet werden.