Embedded-Computer Kontron wuchs 2011 um 15 Prozent – trotz »Deinvestition«

Dr. Jürgen Kaiser-Gerwens, Finanzvorstand und Ulrich Gehrmann, Vorstandsvorsitzender von Kontron
Dr. Jürgen Kaiser-Gerwens, Finanzvorstand und Ulrich Gehrmann, Vorstandsvorsitzender von Kontron

Mit dem schönen Wort »Deinvestition« bezeichnet der Kontron-Vorstand den Verkauf der Fertigung in Malaysia. Umsatz und Gewinn hat das nicht geschadet – im Gegenteil.

Trotz des Verkaufs der eigenen Leiterplattenfertigung in Malaysia an Plexus hat Kontron seinen Umsatz in vergangenen Geschäftsjahr um 15 Prozent steigern können. Bei einem Umsatz von 590 Millionen Euro liegt der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) bei 34,1 Millionen Euro. »Die Massenfertigung hat nicht viel zum Ergebnis beigtragen,« sagt Kontron-Vorstand Ulrich Gehrmann. Deshalb sei es besser, diese an einen externen Dienstleister zu übergeben. Gleichwohl werde Kontron weiterhin Fertigung in Länder verlagern, »die das besser können« als die Hochlohnregionen Mitteleuropa und USA. Was Kontron weiterhin selbst fertigt, ist die Montage von Komplettsystemen.

Das Wachstum von 15% kann sich sehen lassen, ist doch der Markt insgesamt nur um durchschnittlich 10% gewachsen. Außerdem sind die 15% rein organisches Wachstum – ohne Zukäufe. Besonders gut entwickelte sich das Geschäft in Russland: hier konnte Kontron um 27% zulegen, vornehmlich durch Aufträge aus dem Bereich der Energieversorgung.

Dem Jahr 2012 blickt Gehrmann gelassen entgegen: »Wir sehen eine gewisse Vorsicht bei den Auftraggebern, aber trotz leichter Rückgänge bei der Größe der einzelnen Aufträge bewegen wir uns immer noch in einem sehr gesunden Bereich«. Die Zurückhaltung resultiert vor allem aus den klammen öffentlichen Kassen. Öffentliche Auftraggeber aus den Bereichen Infrastruktur und Verkehr stornieren zwar keine Aufträge, strecken diese jedoch zeitlich. Auch die Industrie plant mit etwas kleineren Losgrößen. Kontron kann diese etwas schwächeren Volumina jedoch durch zusätzliche Design-Wins ausgleichen.

Industrielle Automatisierung, Medizintechnik und den Energiesektor werden 2012 an Bedeutung gewinnen, während Branchen, die von öffentlichen Auftraggebern getragen werden, eher schwächer werden. Dazu zählen Militär, Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur, sagt Gehrmann.

Dank des guten Ergebnisses wird Kontron auch dieses Jahr wieder eine Dividende von 20 Cent pro Aktie zahlen. Das entspricht einer Rendite von 3,9% bezogen auf den Schlusskurs 2011 der Kontron-Aktie. Mit einer Eigenkaptialquote von 64% steht Kontron bestens da. »Damit bekommen wir bei den Banken problemlos Kapital, wenn wir Akquisitionen tätigen wollen,« sagt Kontrons Finanzvorstand Dr. Jürgen Kaiser-Gerwens. Und Akquisitionen will Kontron auch weiterhin tätigen, »wenn sie in unser Portfolio passen und uns Zugang zu einem neuen Markt oder einer neuen Technologie verschaffen,« ergänzt Ulrich Gehrmann.