Embedded Computer Kontron muss sparen

Dr. Jürgen Kaiser-Gerwens, Finanzvorstand und Ulrich Gehrmann, Vorstandsvorsitzender von Kontron
Dr. Jürgen Kaiser-Gerwens, Finanzvorstand und Ulrich Gehrmann, Vorstandsvorsitzender von Kontron

Die Schuldenkrise geht auch am Wachstumssegment Embedded Computer nicht vorbei. Das bekommt Kontron zu spüren und reagiert u.a. mit der Schließung eines Standorts in Europa.

Die klammen Kassen in europäischen Schuldenstaaten und die damit verbundene Zurückhaltung öffentlicher Auftraggeber kommt in der Bilanz von Kontron an. Bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen Ende vergangener Woche berichtete das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 131 Mio. Euro für das abgeschlossene dritte Quartal. In den ersten drei Quartalen zusammen ging der Umsatz von 423,5 Mio. Euro (2011) auf 401 Mio. Euro zurück. Das Ergebnis (EBIT) belief sich in den ersten drei Quartalen auf -5,3 Mio. Euro (Vorjahreszeitraum 29,7 Mio. Euro).

Insgesamt erwartet Kontron für das Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz zwischen 540 und 555 Mio. Euro. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es noch 590 Mio. Euro.

Um die Verluste aufzufangen hat Kontron nun das Restrukturierungsprogramm SHAPE eingeleitet. Es zielt auf die Straffung von Produktlinien, die Optimierung der Organisation und die Investistion in strategische Geschäftsfelder. So will Kontron sein Geschäft in vier globale, vertikale Bereiche gliedern: Industry, Communication, Military/Aero/Rail und Multimarket.

Investitionen in ARM-Technik

Zusätzlich wird mit »Kontron Ventures« eine Einheit für Innovationsprojekte geschaffen, die ertragsstarke Märkte frühzeitig besetzen soll. Als Beispiel nennt Kontron Visualisierungsprodukte mit Multi-Touch und die Entwicklung neuer Computerboards und -module auf ARM-Basis.

Aufbau in China, Abbau in Europa und Amerika

Auch regional konzentriert sich Kontron auf Wachstumsregionen: So werden die Entwicklungskapazitäten im asiatischen Raum ausgebaut, um spezifische Produktlinien für dortige Märkte zu entwickeln. Beispielsweise bietet Kontron bereits einen »Rackmount PC« speziell für den chinesischen Markt an.

Zur »Konzentration auf das Kerngeschäft« hatte Kontron bereits Anfang 2012 eine Fertigung für Standardbauteile in Malaysia veräußert. Ferner wurde die Flugzeugbauteil-Fertigung AP Parpro in Mexiko abgestoßen. Bis Mitte 2013 ist geplant, jeweils einen Standort in Nordamerika und Europa zu schließen und eine Beteiligung in Tschechien zu verkaufen.

Bei der Standortschließung in Europa handelt es sich einem Bericht der Solothurner Zeitung zufolge um das Werk der ehemaligen Digital Logic, die Kontron erst Ende 2009 erworben hatte. Dieser Standort befindet sich etwa 60 km südlich von Basel und entwickelt und produziert robuste Industriecomputer von Bahn- und Fahrzeuganwendungen. Aufgrund des hohen Exportanteils und des starken Schweizer Frankens ist dieser Standort unter hohen Kostendruck geraten.