CompactPCI Serial Kompakt und seriell

Nachdem die PICMG die Spezifikationen für CompactPCI PlusIO und CompactPCI Serial verabschiedet hat, bieten bereits vier Hersteller Produkte dazu an. Damit ist ein vielfältiges Ökosystem entstanden, das die Grundlage für gesundes Wachstum in zukunftssichere Investitionen legt.

Die Industrie legt Wert auf langfristig stabile Plattformen und sichere Investitionen. Da wäre es zu schön gewesen, wenn es mit CompactPCI ewig so weiter gegangen wäre wie bisher. Aber die Chip-Industrie macht beständige Fortschritte und so müssen sich auch die elektromechanischen und peripheren Komponenten dieser Entwicklung anpassen, um die Leistungsfähigkeit der Halbleiter voll auszuschöpfen.

Seit der Einführung von CompactPCI sind nicht nur der PCI-Bus selbst, sondern auch viele Peripheriebusse serialisiert worden. Die PICMG als Wächterin über die PCI- und CompactPCI-Standards hat mit der Verabschiedung der Standards CompactPCI PlusIO (PICMG 2.30) und CompactPCI Serial (CompactPCI-S.0) den weiteren Weg vorgezeichnet und dabei auch die Abwärtskompabibilität berücksichtigt.

CompactPCI PlusIO definiert ein hybrides System mit einem System-Slot in der Mitte und parallelen Compact- PCI-Steckplätzen auf der linken Seite der Backplane sowie seriellen CompactPCI- Serial-Steckplätzen auf der rechten Seite (Bild 1).

In Zukunft wird es auch reine CompactPCI-Serial- Systeme geben, doch eine komplette Produktpalette an seriellen Peripheriekarten entsteht nicht über Nacht und auch nicht binnen sechs Monaten. Mit dem Konzept von CompactPCI PlusIO haben die Kunden die volle Flexibilität, sowohl parallele als aus serielle Peripherie in einem System einzusetzen.

Komplettsysteme mit parallelen und seriellen Peripherie-Slots

Gehäuse und Backplanes für CompactPCI PlusIO und Serial bieten EKF und Schroff an. Schroff arbeitet mit MEN zusammen. Die Gehäuse mit Backplanes von Schroff erhält man auch als Komplettsystem von MEN. Das 19-Zoll-Hybrid-System von Schroff hat acht Steckplätze, davon sind drei CompactPCI-Slots, vier Serial- Slots und ein PlusIO-System- Slot. Das Netzteil ist im System enthalten, eine zusätzliche 1-HE-Lüfterschublade befindet sich darunter.

Im gleichen Gehäuse bietet Schroff auch ein reines CompactPCI-Serial-System an. Dieses hat dann insgesamt neun Slots mit dem System-Slot auf der linken Seite und acht Peripherie-Slots. In das CompactPCI-Serial-System können Backplanes mit unterschiedlicher, spezifikationsgemäßer Verdrahtung eingebaut werden: die Ethernet- Anschlüsse sind entweder in Single-Star- oder Full-Mesh-Topologie vernetzt. Beide Varianten gibt es mit und ohne Rear-IO.

EKF verwendet für seine Komplettsysteme die Backplanes von Schroff (und von Hartmann für CompactPCI Express, eine völlig andere Spezifikation). Das EKF-System zeichnet sich durch besonders viele Steckplätze aus: sechs CompactPCI, acht CompactPCI Serial sowie zwei Steckplätze für den System-Slot. Die enorme Zahl von Steckplätzen resultiert daraus, dass EKF zwei Backplanes verwendet, eine für klassisches CompactPCI, eine für CompactPCI Serial (Bild 2).

Auf den Seiten von EKF taucht auch ein kompaktes „BlueLine“-System mit fünf Slots auf. Allerdings ist dieses mangels Backplane noch nicht in einer CompactPCI-PlusIO-Version verfügbar.

Die CPU- und Peripheriekarten eines seriellen CompactPCI-Systems lassen sich mit Komponenten von EKF, EMTrust und MEN bestücken. EKF verbindet zwei Backplanes über einen doppelten System-Slot. Im parallelen CompactPCI-System-Slot steckt eine gewöhnliche CompactPCI-Karte. Im seriellen System-Slot befindet sich die PCJ-JAM, eine CompactPCI-Serial- Karte, die als Bindeglied zwischen CPU-Karte und seriellem CompactPCI dient (Bild 3). Die PCJ-JAM hat keine eigene CPU, sondern ist als Mezzaninkarte mit der CompactPCI-CPU verbunden. Für das 2. Quartal 2010 hat EKF eine CompactPCI-PlusIO-Karte mit Intel Core i7 angekündigt.

Eine solche Core-i7-CPU im Compact- PCI-PlusIO-Format gibt es auch von EMTrust. Die CP85 von EMTrust kann auch mit einem Core i5 bestückt werden, ist mit dem Notebook-Chipsatz QM57 ausgerüstet, hat bis zu 8 Gbyte RAM und zur Erweiterung einen PCIExpress- Mini-Card-Steckplatz. Der DVI-I-Stecker an der Frontseite überträgt analoge und digitale Bildsignale.

MEN als Initiator der CompactPCIPlusIO- und -Serial-Standards hat selbstverständlich ebenfalls CPU-Karten im Programm. Während EKF und EMTrust auf den leistungsstarken Core i7 setzen, liefert MEN eine Karte mit dem Intel-Core-2-Duo mit 2,26 GHz.

Als bisher einziger Anbieter hat MEN auch eine PowerPC-CPU entwickelt, auf der ein Freescale-Prozessor MPC8548 aufgelötet ist.