Feldversuch KIT-Forscher helfen Polizei bei Durchleuchtung des Darknets

Im Fokus steht dabei die Aufdeckung krimineller Transaktionen mit Kryptowährungen. Herausforderung ist, dass die Software der Ermittler rechtskonform ist.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beteiligt sich am EU-Projekt TITANIUM (kurz für: Tools for the Investigation of Transactions in Underground Markets), das jetzt in eine Feldphase geht. Das heißt, dass die polizeilichen Ermittlungsbehörden Software zur besseren Bekämpfung von Kriminalität im Darknet bekommen und diese mehrere Monate erproben. Ansatzpunkt sind die Kryptowährungen als das gängige Zahlungsmittel bei anonymisierten illegalen Cyberaktivitäten. Zu den 15 Partnern des Projekts gehört das Karlsruher Institut für Technologie (KIT); sein Zentrum für Angewandte Rechtswissenschaft (ZAR) steht für die Rechtskonformität der in TITANIUM entwickelten Instrumente.

Das Darknet – jener Teil des Internets, in dem die Nutzer ihre Identität mittels spezieller Browser und Netzwerke wirksam verschleiern – gilt als eine Zone des Zwielichts: Einerseits kann es dort, wo öffentliche Debatten unterdrückt werden, ein Schutzraum für die freie Meinungsäußerung sein. Andererseits bietet es ideale Bedingungen für schwerwiegende kriminelle Aktivitäten, etwa Waffen- und Drogenhandel, Kinderpornografie und Auftragsstraftaten. Für Polizei und Justiz ist die Aufdeckung solcher Taten eine enorme Herausforderung.

Handfeste Beweise sichern

Am EU-Projekt TITANIUM wirken auf deutscher Seite das Bundeskriminalamt, das KIT sowie die dence GmbH mit. Sie wollen kriminelle Geschäfte aufdecken, die über Kryptowährungen wie Bitcoin, ZCash oder Monero abgewickelt werden. Ziel ist die Entwicklung von Software, mit der die Ermittlungsbehörden gerichtsfestes Beweismaterial generieren können.

Da die Verarbeitung von Darknet-Daten regelmäßig einen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen darstellt, ist es entscheidend, dass ein solcher nur in begründeten Fällen und auf Basis einer Rechtsgrundlage erfolgt, wie der Projektkoordinator am KIT Thilo Gottschalk erläutert. Die Forscher am KIT arbeiten interdisziplinär zusammen, um  rechtliche Vorgaben frühzeitig auf technischer Ebene umzusetzen, etwa in Form der »Privacy by Design«. »Die TITANIUM-Tools enthalten vielfältige Schutzmaßnahmen, um eine angemessene und rechtmäßige Datenverarbeitung zu garantieren,« sagt Gottschalk.

Erste Versionen der TITANIUM-Software wurden den Polizeibehörden ab dem 24. Januar 2019 zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. In mehrmonatigen »Field Labs« in Deutschland, Finnland, Österreich und Spanien sollen rund 60 Cybercrime-Experten über die Entwicklungen aus dem Projekt informiert und in den Umgang mit den neuen Programmen eingeführt werden. Das Projektteam stellt dabei in rechtlich kritischen Bereichen auch synthetische, das heißt künstlich generierte, Daten zur Verfügung, sodass es keinesfalls zu ungerechtfertigten Eingriffen in die Grundrechte der Betroffenen kommen kann. Von der polizeilichen Erprobung erhoffen sich die TITANIUM-Partner wertvolle Rückmeldungen zur Bedienbarkeit, Funktionalität und Effizienz der Software.