Bosch Connected World 2020 KI braucht Grenzen

Die »Bosch Connected World 2020« (BWC) mit mehr als 3500 Teilnehmern und 170 Sprechern auf fünf Bühnen sieht sich selbst als führende Konferenz für IoT und digitale Transformation.
Die »Bosch Connected World 2020« (BWC) mit mehr als 3500 Teilnehmern und 170 Sprechern auf fünf Bühnen sieht sich selbst als führende Konferenz für IoT und digitale Transformation.

Beherrschendes Thema auf der »Bosch Connected World 2020« war das Thema KI, aber nicht von der technischen Seite. Bosch stellte in der »Station Berlin« seinen seinen neuen »KI-Codex« vor. Außerdem bündelt der Konzern seine IoT-Kompetenzen in der neuen Tochter »Bosch.IO« mit rund 900 Mitarbeitern.

Die »Bosch Connected World 2020« (BWC) sieht sich selbst als führende Konferenz für IoT und digitale Transformation. Mit mehr als 3500 Teilnehmern, mehr als 80 Ausstellern und 170 Sprechern auf fünf Bühnen ist dieser Anspruch durchaus nachvollziehbar. Zu den mehr als 170 Rednern zählen neben Bosch-Chef Dr. Volkmar Denner und Bosch CDO/CTO Dr. Michael Bolle auch Dr. Roland Busch (Deputy CEO Siemens), Axel Stepken (Chairman of the Board of Management TÜV Süd) und Scott Guthrie (Executive Vice President der Cloud- und AI-Gruppe von Microsoft). Den Kern der Veranstaltung bilden neben den Keynote-Vorträgen, eine Ausstellung von Bosch-Partnern und ein Hackathon. Die BWC findet in diesem Jahr zum siebten Mal statt.

KI-Kodex soll Vertrauen schaffen

Bosch-CEO Dr. Volkmar Denner eröffnete den Reigen der insgesamt 12 Keynotes mit einer Einordnung, von welchen Werten Bosch sich leiten lässt: Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit gehören ebenso dazu, wie der Anspruch an Technologie: Diese muss funktional (safe) und datentechnisch (secure) sicher sein, aber auch vertrauenswürdig. Außerdem seien die Menschen im Unternehmen wichtig, in deren Weiterbildung der Stuttgarter Konzern jährlich 250 Mio. Euro investiere.

Ein weiterer Schritt in dieser Richtung der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und den Mitarbeitern ist der neue »KI-Kodex«, mit dem Bosch sich Leitlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz gibt. »Unser Ziel ist, dass die Menschen unseren KI-Produkten vertrauen«, erklärte Denner dazu. Der Leitgedanke sei, KI soll sicher, robust und nachvollziehbar sein und der Mensch die Kontrolle über die KI behalten. »Wir müssen beides entwickeln, KI und Vertrauen in KI«, erläuterte Denner.

Bosch setzt der künstlichen Intelligenz (KI) nun also ethische Grenzen. Die Maxime des KI-Kodex von Bosch lautet: Der Mensch soll bei allen Entscheidungen der KI die Kontrollinstanz sein. »Künstliche Intelligenz soll den Menschen dienen. Mit dem KI-Kodex geben wir unseren Mitarbeitern klare Leitlinien für die Entwicklung von intelligenten Produkten an die Hand«, sagte Denner »Unser Ziel ist, dass die Menschen unseren KI-Produkten vertrauen.«

KI ist für Bosch eine Schlüsseltechnologie. Ab 2025 sollen alle Bosch-Produkte über KI verfügen oder mit ihrer Hilfe entwickelt oder hergestellt werden. Das Unternehmen hat den Anspruch, dass seine KI-Produkte sicher, robust und nachvollziehbar sind. »Wenn KI für den Menschen keine Blackbox ist, entsteht Vertrauen, das in einer vernetzten Welt zum wesentlichen Qualitätsmerkmal wird«, ergänzte Dr. Michael Bolle, CDO und CTO von Bosch. Anspruch von Bosch ist es, vertrauenswürdige KI-Produkte herzustellen. Der Kodex basiert auf dem Bosch-Leitmotiv »Technik fürs Leben«, das Innovationsstreben mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Innerhalb der kommenden zwei Jahre will Bosch 20.000 Mitarbeiter fit für den Umgang mit KI machen. Das schließe den KI-Kodex für den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie ein.

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Impressionen von der Bosch Connected World 2020

Die »Bosch Connected World 2020« (BWC) sieht sich selbst als führende Konferenz für IoT und digitale Transformation. Mit mehr als 3500 Teilnehmern, mehr als 80 Ausstellern und 170 Sprechern auf fünf Bühnen ist dieser Anspruch durchaus nachvollziehba

KI bietet großes Potenzial

Künstliche Intelligenz ist weltweit ein Motor für Fortschritt und Wachstum. So erwartet zum Beispiel die Beratungsgesellschaft PwC bis 2030 in China eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts durch KI um 26 Prozent, in Nordamerika um 14 Prozent und in Europa um rund zehn Prozent. Ob in der Mobilität, in der Medizin oder in der Landwirtschaft – in fast allen Bereichen des Lebens kann die Technologie helfen, Herausforderungen wie beispielsweise den Klimaschutz zu meistern und Ergebnisse zu optimieren. Dafür werden große Mengen an Daten ausgewertet, Algorithmen ziehen Schlüsse daraus und sind in der Lage, Entscheidungen zu treffen. Bosch stellt sich schon vor Einführung eines bindenden EU-Standards bewusst den ethischen Fragen, die der Einsatz der neuen Technologie aufwirft. Werte, wie sie in der »Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte« festgehalten sind, bilden dafür das moralische Fundament.

Der Mensch soll die Kontrolle behalten

Gemäß dem KI-Kodex von Bosch soll künstliche Intelligenz nicht ohne menschliche Kontrollinstanz über Menschen entscheiden. Vielmehr soll sie den Menschen als Werkzeug dienen. Drei Szenarien sind dabei möglich. Ihr gemeinsamer Nenner: Der Mensch soll bei den Entscheidungen der von Bosch entwickelten KI-Produkte die Kontrolle behalten. Im ersten Szenario ist künstliche Intelligenz reines Hilfsmittel – etwa bei entscheidungsunterstützenden Anwendungen, bei denen der Mensch bei der Klassifikation von Gegenständen oder Lebewesen unterstützt wird (Human-in-command). Im zweiten Szenario trifft ein intelligentes System selbst Entscheidungen, die der Mensch aber jederzeit übersteuern kann (Human-in-the-loop). Ein Beispiel dafür ist das teilautomatisierte Fahren: In die Entscheidung eines Einparkassistenten etwa kann der Mensch direkt eingreifen. Im dritten Szenario, beispielsweise bei einem Notbremsassistenten, legen Experten während der Entwicklung des intelligenten Produkts bestimmte Parameter als Grundlage für die Entscheidung der KI fest, in die Entscheidung selbst können sie nicht eingreifen. Im Nachhinein überprüft der Entwickler, ob sich die Maschine an die vom Menschen gegebenen Vorgaben gehalten hat. Falls nötig, kann er die Parameter verändern (Human-on-the-loop).

KI durchdringt alle Lebensbereiche

Bosch will mit seinem KI-Kodex auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte um künstliche Intelligenz leisten. »KI wird alle Lebensbereiche verändern«, sagte Denner. »Eine breite gesellschaftliche Diskussion ist deshalb notwendig. « Um Vertrauen in intelligente Systeme zu schaffen, ist neben technischem Know-how der enge Austausch mit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft wichtig. Bosch ist daher in der High-Level-Expert-Group der Europäischen Kommission in Brüssel vertreten, die sich ebenfalls mit der ethischen Dimension der künstlichen Intelligenz beschäftigt. In einem globalen Netzwerk mit derzeit sieben Standorten und in Zusammenarbeit mit der Universität Amsterdam und der Carnegie Mellon University in Pittsburgh/USA forscht das Unternehmen zudem an sicherer, vertrauenswürdiger KI. Im Forschungsverbund Cyber Valley in Baden-Württemberg ist Bosch Gründungsmitglied und investiert 100 Mio. Euro in den Bau des »AI Campus«. Dort arbeiten in naher Zukunft rund 700 Bosch-Experten, externe Forscher und Mitarbeiter von Start-ups zusammen. Um den engen Austausch von Fachleuten führender internationaler Verbände und Organisationen geht es auch bei dem von Bosch ins Leben gerufenen Digital Trust Forum, dessen elf Teilnehmer sich auf der BWC 2020 erneut treffen.

Die Leitlinien des KI-Kodex von Bosch

  • Jedes KI-Produkt von Bosch soll unserem Leitmotiv Technik fürs Leben, das Innovationsstreben mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet, entsprechen.
  • KI soll nicht ohne eine menschliche Kontrollinstanz über den Menschen entscheiden, sondern dem Menschen als Werkzeug dienen.
  • Wir wollen sichere, robuste und nachvollziehbare KI-Produkte entwickeln.
  • Vertrauen gehört zu den Grundwerten unseres Unternehmens. Wir haben den Anspruch, vertrauenswürdige KI-Produkte zu entwickeln.
  • Bei der Entwicklung von KI-Produkten beachten wir rechtliche Vorgaben und orientieren uns an ethischen Grundsätzen.