Blitzatlas 2018 Hier blitzte es am häufigsten

In Deutschland wurden 2018 rund 446.000 Bodenblitze registriert. Die meisten davon in Bayern.
In Deutschland wurden 2018 rund 446.000 Bodenblitze registriert. Die meisten davon in Bayern.

Seit 1991 analysiert Siemens die Blitzeinschläge in Deutschland und Teilen von Europa. Rund 160 Messstationen zeichnen die Einschläge bei Gewittern auf. Für das Jahr 2018 gibt es einen klaren Sieger.

Blitz-Hauptstadt Deutschlands 2018 ist Schweinfurt, damit löst die unterfränkische Stadt den Landkreis Garmisch-Partenkirchen ab. Ganze fünf Blitze pro Quadratkilometer registrierte der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS) dort. Rund 160 Messstationen nutzt der Dienst in Europa. Die Sensoren werden im Abstand von 350 Kilometern aufgestellt. »Mit der aktuellen Software können wir bis auf 50 Meter genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat«, sagt Stephan Thern, Leiter des BLIDS.

Hinter Schweinfurt folgen auf den Plätzen zwei und drei die Landkreise Rheinisch-Bergischer Kreis in Nordrhein-Westfalen mit 4,0 Erdblitzen pro Quadratkilometer und Weilheim-Schongau mit 3,7 Blitzen pro km2. Insgesamt ermittelte BLIDS mit 446.000 Einschlägen erneut einen vergleichsweise niedrigen Stand, wenngleich gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 3,2 Prozent erzielt wurde. 

Blitzdichte nach Bundesland

Nach Bundesländern betrachtet schlugen die meisten Erdblitze in Bayern ein. Mit 106.251 Einschlägen entfiel fast jeder fünfte Erdblitz in Deutschland auf den Freistaat, was sich mit dem Flächenanteil am Bundesgebiet deckt. Hier macht Bayern mit 70.476 km² rund ein Fünftel der Fläche aus.

Die höchste Blitzdichte entfällt in diesem Jahr im Bundesland-Ranking auf das Saarland, am untersten Ende liegt Mecklenburg-Vorpommern. Die Bilderstrecke zeigt die Platzierung der einzelnen Bundesländer.

Bilder: 16

Blitzatlas 2018

Die Bilderstrecke zeigt die Platzierungen der einzelnen Bundesländer im Blitzatlas 2018.

Überspannungsschäden nachweisen

»BLIDS hilft festzustellen, ob ein Blitzeinschlag einen Schaden oder Ausfall verursacht hat«, sagt Stephan Thern. Blitze sind der Grund für viele Schäden an elektrischen Geräten. Selbst wenn der Einschlag in größerer Entfernung erfolgt, kann die Elektronik in Fernsehern, Waschmaschinen oder Industriesteuerungen beschädigt werden. Für Verbraucher und Endkunden bedeutet der Nachweis eine Kostenersparnis, da Überspannungsschäden durch Naturereignisse in der Regel versichert sind. Dank der rasant gestiegenen Rechen- und Speicherkapazitäten gelingt BLIDS eine immer schnellere und präzisere Datenübertragung von unter zehn Sekunden nach einem Blitzeinschlag. Sogar über eine Cloud stellt Siemens die erfassten Daten mittlerweile zur Verfügung.

Deutschland im Mittelfeld

»Auch im Jahr 2018 verzeichneten wir relativ wenige Gewitter«, so Thern. »Der Jahrhundertsommer letztes Jahr war zu warm, die Wetterlagen waren sehr stabil und die Gewitterfronten fielen nicht so ausgeprägt aus«. Die Haupt-Gewittertätigkeit lag 2018 in den Monaten Mai und Juni. Der blitzreichste Tag war der 1. Juni 2018 mit gemessenen 34.785 Einschlägen. Die meisten gemessenen Erdblitze in einem Bundesland – über 11.000 – verzeichnete BLIDS am 31. Mai in Bayern. 2018 lag der Durchschnittswert für Deutschland bei 1,3 registrierten Einschlägen pro Quadratkilometer. Damit liegt Deutschland im Vergleich der Nachbarländer im Mittelfeld. Die gemessenen Blitzdichten in ganz Europa reichen von 0,04 in Irland bis 7,7 in Kroatien.