Digital Signage Großbildanzeigen werden interaktiv

Das interaktive Großbild-Display, das Intel und Microsoft gemeinsam entwickelt haben, erkennt Geschlechter und zeigt passende Werbung an.

Die neuesten Generationen von Prozessoren und Software eröffnen neue Möglichkeiten bei der Konzeption digitaler Großbildschirme. Intel und Microsoft haben sich bei der Entwicklung eines Prototyps zusammengetan. Die Zutaten: ein Intel-Core-Prozessor und Windows Embedded 7. Der Demonstrator zeigt, was damit möglich ist.

Digitale Großbildanzeigen haben sich auf Bahnhöfen und Flughäfen etabliert, um die Reisenden mit Informationen zu versorgen. Mit dem Preisverfall der Displays tauchen die Flachbildschirme auch immer häufiger als Werbetafeln in Geschäften und Schaufenstern auf. Statt eines statischen Plakats kann das digitale Display verschiedene Motive, eine Abfolge von Bildern oder Videos darstellen. Der Digital-Signage-Prototyp von Intel und Microsoft geht noch einen Schritt weiter und bringt nun Interaktivität mit dem Nutzer mit ins Spiel.

Die Interaktivität entsteht auf zwei Arten: durch eine Videokamera, die das Geschlecht des Betrachters erkennen und die Inhalte darauf abstimmen kann, sowie durch Berührung des bzw. der Bildschirme. In beiden Fällen möchte der Betreiber keinen klassischen Computer-Desktop mit seinen üblichen Bedien- und Infoelementen anzeigen lassen. Windows Embedded Standard 7 bietet hier die Möglichkeit, eine kundenspezifische Oberfläche anzuzeigen, die nur wenige, auf die Anwendung abgestimmte Interaktionselemente enthält. Dadurch wird auch verhindert, dass die Nutzer gewollt oder ungewollt Systemeinstellungen verändern oder etwa Dateien löschen.

Zielgruppe: Frau oder Mann?

Die Prototyp-Installation, die Intel und Microsoft schon auf verschiedenen Messen zeigten, bestehen aus zwei beinahe menschengroßen 70-Zoll-Displays. Beide sind berührungsempflindlich und mit einer Videokamera im oberen Rahmen ausgestattet, die das Geschlecht der betrachtenden Person erkennen soll. Dazu ist allerdings die Rechenleistung neuester Core-i7-Prozessoren von Intel erforderlich. Die Entwickler des Prototyps betonen, dass die Erkennung anonymisiert erfolgt und nur zum Zweck des Anzeigens passender Werbung dient. Später, im Laufe des Jahres, soll die Software um eine Alterserkennung erweitert werden. Das intelligente Display soll dann das Alter der erfassten Person in einen von sechs Altersbereichen einordnen können.

Einer der beiden Bildschirme zeigt klassische Plakatwerbung, ggf. angereichert durch Videos. Auf der Anzeigefläche befinden sich etwa in Lichtschalter-Höhe kleine Auswahlfelder, über die der Betrachter die angezeigte Werbung steuern bzw. auswählen kann.

Das andere Display nutzt Holografie, d.h., das Bild wird auf einer leicht getönten, transparenten Glasscheibe angezeigt. In der Demonstration wird diese Anzeige dazu verwendet, die hinter dem Glas sichtbaren Verkaufsflächen zu »beschriften«. In Zusammenhang mit der Gesichtserkennung könnte diese Technik z.B. dazu genutzt werden, anzuzeigen, wo im Laden sich Damen- oder Herrenkonfektion befindet, und auf mögliche Sonderangebote aufmerksam zu machen. Dank drahtloser Übertragung könnten auch gleich Bilder, Warennummern oder Etiketten von Artikeln, die der Kunde als interessant markiert, auf ein Mobiltelefon übertragen werden. Der Kunde zeigt die Bilder oder Daten dann in der entsprechenden Abteilung vor und erhält vom Verkäufer sofort die gewünschte Ware.

So viel »Intelligenz« verlangt natürlich nach einem leistungsfähigen Prozessor. Im Digital-Signage-Prototyp sind beide Displays mit einem eigenen Core-i7-Prozessor ausgestattet. Während dieser noch erschwinglich ist, dürfte ein 70-Zoll-Display, noch dazu mit holografischem Glas, eher als Demonstrator denn als kommerziell sinnvolle Installation einzustufen sein. Doch der Preisverfall bei Displays ist enorm – insofern ist es sicher sinnvoll, schon heute darüber nachzudenken, wie sich solche Großdisplays verwenden lassen.