Computermodule ERNI geht unter die Modulhersteller

»WHITEspeed« nennt ERNI sein selbst entwickeltes Modulformat, das sich durch besonders robuste Steckverbindungen auszeichnet. Das ist auch der Grund dafür, warum ERNI sich nicht einem bestehenden Modulstandard angeschlossen hat.

Mit einem eigenen Modulformat steigt ERNI in das Geschäft mit Computermodulen ein. Die »WHITEspeed«-Module liegen mit ihren Abmessungen von 85 x 55 mm² noch unterhalb der Größe von COM Express compact (95 x 95 mm²) und haben etwa dieselbe Fläche wie das Qseven-Format. Die Schnittstelle zwischen Modul und Trägerboard nutzt vier MicroSpeed-Steckverbinder, die aus eigener Entwicklung von ERNI stammen. Diese Steckverbinder sind laut ERNI der Grund, warum man ein eigenes Modulformat entwickelt hat. »Die Edge-Card-Steckverbindungen, wie sie bei vielen existierenden Modulen eingesetzt werden, sind nach unserer Überzeugung nicht widerstandsfähig und störsicher genug für viele Anwendungen,« sagt Michael Singer von ERNI. Denn Card-Edge-Steckverbindungen haben nur einen Kontaktpunkt, während die MicroSpeed-Steckverbinder durch doppelschenklige Kontakte eine hohe Kontaktsicherheit und zuverlässige Fangsicherheit beim Stecken gewährleisten.

Auf der embedded world stellt ERNI ein erstes Modul mit i.MX537-Prozessor von Freescale vor. Diese ARM-Cortex-A8-CPU (bis zu 800 MHz bei -40°C bis 85°C) zielt auf industrielle Anwendungen wie Transport, Schwerindustrie oder Automatisierung. Nach und nach will ERNI WHITEspeed zu einer Familie von pin-kompatiblen ARM-Modulen ausbauen, die sich durch die CPU-Performance (Taktfrequenz, Anzahl der Cores, Coprozessoren) und I/Os bzw. Speicher unterscheiden. Auf der electronica im Herbst sollen weitere Module folgen.

Sind modulare Computersysteme auf dem Rückzug? – So will Michael Singer den Eintritt von ERNI in das Modulgeschäft nicht verstanden wissen. Er sagt: »Auch modulare Backplane-Systeme werden kompakter. Von was wir mit den Modulen profitieren wollen, ist der Trend zum Outsourcing der Elektronik-Entwicklung.« Um die Kunden hier mit einsatzreifen Lösungen zu unterstützen, bietet ERNI auch ein passendes Baseboard mit an, das auch mit einem Display lieferbar ist.

Über die Whitespeed-Schnittstelle können folgende Signale übertragen werden:

  • Ethernet 10MB/100MB/1GB,
  • Serial-ATA,
  • PCI Express x1/x4,
  • Express Card,
  • UART,
  • USB 2.0,
  • CAN,
  • I2C,
  • SMB (System Management Bus),
  • SPI (Serial Peripheral Interface),
  • LVDS und SDVO für Displays,
  • HDA (High Definition Audio),
  • SecureDigital-Speicherkarten-Interface,
  • GPIOs,
  • Reset, Watchdog,
  • PWM
  • und optional ein Kamera-Interface.

Die WHITEspeed-Spezifikation wurde von ERNI entwickelt, soll aber in ihrer Version 1.0 zur embedded world offengelegt werden. Derzeit befindet sich ERNI in Verhandlungen mit Partnern, um weitere Firmen und damit eine »second source« für das Konzept zu gewinnen.