Interview Einfachere Installation, volle Kompatibilität

Tom Fatan, Channel Manager Central Europe, Microsoft OEM Embedded Devices

War der Abschied vom erfolgreichen Windows XP Embedded wirklich nötig? Und was ist an Windows 7 so toll, dass man es wirklich in seine Geräte integrieren sollte? Ein Gespräch mit Tom Fatan, Channel Manager Central Europe, Microsoft OEM Embedded Devices.

Die Unterschiede zwischen Embedded- und anderen Versionen sind bei Windows 7 viel kleiner als bei Windows XP. Speicher ist ebenfalls sehr billig geworden. Wäre es da nicht viel einfacher, wenn Microsoft nur ein einziges Windows anbieten würde, vielleicht mit einer Art Embedded-Plug-in?

Tom Fatan: Es gibt durchaus noch große Unterschiede zwischen beiden Versionen. Es stimmt, dass Windows Embedded Standard 7 weniger stark komponentisiert ist. Das ist vor allem für die Kunden eine Erleichterung, denn das Setup und die Installation von Windows Embedded 7 gehen viel schneller und einfacher. Die Komponentisierung ist dabei immer noch so gezielt, dass der OEM genau die Teile aussuchen kann, die er braucht. Es ist von den Geräteherstellern meist nicht erwünscht, dass der gesamte Windows-Funktionsumfang in ein Gerät gepackt wird, das einen dedizierten Funktionsumfang hat. Auf einem Kassensystem braucht man kein Minesweeper oder Solitär. Die Bausteine unseres Baukastens sind jetzt zwar etwas größer geworden, aber man hat immer noch die Möglichkeit, eine eigene Betriebssystem-Version für eine dedizierte Anwendung zusammenzustellen.

Außerdem hat Windows Embedded Standard 7 einige Funktionen, die das Standard-Windows-7 nicht hat, z.B. headless use, also den Betrieb ohne Bildschirm und Tastatur. Eine andere Sache, die dazu gehört, sind die "Enhanced Write Filters": Man kann eine Partition, eine Applikation oder ganze Registry-Zweige dadurch vor Veränderungen schützen.

Wie wichtig ist die Embedded-Version von Windows 7 für Microsoft im Vergleich zu den Versionen für die IT-Industrie?

Fatan: Genaue Zahlen habe ich da nicht, aber natürlich ist "Embedded" für Microsoft immer noch ein relativ kleiner Teil seines Geschäfts. Aber Microsoft hat das Potential erkannt, das hinter Embedded steckt, z.B. auch mit den ganzen Cloud-Services, die jetzt kommen.

In vielen Bereichen der Industrie, Hausautomatisierung und im Consumer-Bereich nutzt man heute viel stärker Standard-Technologie anstelle von eigenen In-House-Betriebssystemen. Und wenn man bedenkt, dass Bill Gates einmal die Vision von einem PC in jedem Haushalt hatte, dann sehen wir heute, dass der Trend zu einem PC pro Bewohner geht und zu vielen Embedded-Geräten in jedem Haushalt, die bald alle vernetzt sind. Das ist für Windows Embedded ein riesiges Potential.

Was können Entwickler mit Windows 7 einfacher oder besser realisieren als mit Windows XP?

Fatan: Das ganze Zusammenstellen des Betriebssystems ist mit der neuen Version viel einfacher geworden. Die Entwicklungszeit wird dadurch stark verkürzt. Außerdem ist es für unsere Kunden wichtig, dass ihr Embedded-Betriebssystem mit den neuesten Technologien kompatibel ist. Das bedeutet: Jede Applikation und jeder Treiber, der für Windows 7 geschrieben wird, läuft auch unter Windows Embedded 7. Das ist besonders wichtig für Grafik- und andere Chips, die in der Zukunft vorgestellt werden. Viele Hersteller werden keine Treiber für Windows XP mehr liefern. Mit einem Betriebssystem auf Basis von Windows 7 hat der Kunde die Gewähr, dass er stets auch die neueste Hardware nutzen kann.