Zukunft der Embedded Systeme Deutschland und das »Over-Engineering«

Siemens-Forschungsdirektor Reinhold Achatz hat in seiner Keynote auf der embedded world die Zukunft der Software-Entwicklung skizziert und vor zu viel Perfektionismus gewarnt.

Die Keynote der embedded world stand dieses Jahr im Zeichen der Software-Entwicklung. Dr. Reinhold Achatz, der die zentrale Forschung und Entwicklung bei Siemens leitet, bezeichnete Siemens als einen Softwarekonzern. Siemens beschäftigt 20.000 Software-Entwickler. »Wir verkaufen Software - in Hardware-Boxen verpackt«, sagte Achatz.

Achatz schilderte die Entwicklung von isoliert arbeitenden Embedded-Systemen der Vergangenheit zu vernetzten Systemen der heutigen Generation. Der nächste Schritt sind nach seiner Darstellung »Cyber-Physical Systems«, die nicht nur vernetzt sind, sondern auch autonom agieren. Während heutige Systeme eine hierarchische Organisation haben, bilden Cyber-Physical Systems ein Geflecht von eigenständig arbeitenden Systemen, die in Echtzeit und interaktiv die reale, physikalische mit der digitalen Welt verbinden. Als Beispiele nannte Achatz das Zusammenwirken von Straßen und Autos in der Zukunft oder das im Entstehen befindliche »Smart Grid«, ein Stromnetz, das selbständig regenerative Energiequellen und Grundlastkraftwerke mit dem Strombedarf abstimmt.

Um die Software für solche Systeme auch in Zukunft erfolgreich zu entwickeln, müssen laut Dr. Achatz allgemeingültige Metriken entwickelt und verwendet werden, mit denen sich Dinge wie Wiederverwendungsgrad, Qualität und Kosten messen lassen.

Ein Schlüssel zu erfolgreicher Software, die nicht bei jedem Projekt von Grund auf neu entwickelt werden muss, sind »Plattformen«, d.h. standardisierte Blöcke, die als Grundbausteine der Entwicklung verwendet werden können. Hier sei es wichtig, in Europa entsprechende Standards zu setzen.

Zum Thema Auslagerung von Software-Engineering in Niedriglohnländer sagte Achatz, dass eine solche Verlagerung nicht nur Kosten spare, sondern auch zusätzliche Komplexität ins Projekt bringe. Die dadurch verursachten Zusatzkosten müssten sorgfältig gegen die eingesparten Kosten abgewogen werden.

Am Ende seines Vortrags warnte er vor zu viel Perfektionismus: »Wir Deutschen tendieren zum Overengineering«. Dies werde weder in den USA und noch viel weniger in Asien wertgeschätzt. »Mehr Features machen nicht immer ein besseres Produkt«. Sein dringender Appell: »Nur Anforderungen, für die der Kunde zahlt, sind gute Anforderungen«.