Expertendiskussion zur Digitalisierung Datensicherheit macht nur europäisch Sinn

Von links: Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE, Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, und Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, bei der Expertendiskussion in Brüssel.
Von links: Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE, Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, und Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon, bei der Expertendiskussion in Brüssel.

Bei einem von VDE und Infineon organisierten Treffen diskutierten Vertreter aus Politik und Wirtschaft, wie sich Cyber-Sicherheit realisieren lässt. Die Gesprächsteilnehmer forderten eine starke europäische Initiative, damit Europa eine Vorreiterrolle beim Setzen von Standards einnehmen kann.

Europas Industrie ist gut aufgestellt, um sich der wachsenden Herausforderung der Cyber-Sicherheit zu stellen. Dies erklärte EU-Kommissar Günther Oettinger anlässlich einer von VDE und Infineon organisierten Expertendiskussion in der EU-Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Brüssel. Doch nur in enger europäischer Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltungen sei die enorme Herausforderung auch im Alltag des wachsenden Datenverkehrs zu bewältigen: „Wir brauchen Teamwork auf europäischer Ebene, wenn wir in der großen und wachsenden Weltmarktkonkurrenz eine Rolle spielen wollen“, sagte der für digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissar.

Bei der von Europa angestrebten Schaffung einer digitalen Wirtschaft sei neben der fünften Mobilfunkgeneration, dem Kommunikationsstandard 5G, kein Thema so wichtig wie das Gewährleisten der Cyber-Security. Datenschutz sei laut Oettinger immer wichtig gewesen, man müsse ihn jedoch rational und nicht emotional diskutieren. Angesichts des gewaltigen Anstiegs der Datenmengen spiele die Sicherheit eine entscheidende Rolle für das Funktionieren des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens.

Eile ist geboten!

Zeitverzug beim Handeln könne sich Europa nicht erlauben. Denn in den Unternehmen und bei den Bürgern sei das Internet der Dinge längst Realität, sagte Oettinger. Darauf müsse Europa mit einer neugeschaffenen, europäischen „Kultur der Datensicherheit“ antworten und verwies darauf, dass die Kommission bereits vor mehr als drei Jahren eine Cyber-Sicherheitsstrategie sowie einen Richtlinienvorschlag zur Netz- und Informationssicherheit (NIS) veröffentlicht habe, der nun in Kraft tritt.

Oettinger zeigte sich erfreut, dass die für die Umsetzung des Regelwerks wichtige EU-Agentur für Netz- und Informationssicherheit (ENISA) auf Expertise aus der Privatwirtschaft zurückgreifen könne. Auch im Hinblick auf das wichtige Thema der Zertifizierung von Cyber-Security-Systemen sei eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft geboten.

Infineon-Chef Dr. Reinhard Ploss teilte Oettingers Haltung und begrüßte die eingeleiteten Initiativen. Europa habe grundsätzlich die Kompetenzen, Datensicherheit zu schaffen. Entscheidend sei jetzt jedoch die Implementierung. „Wir brauchen eine vertrauenswürdige Architektur, um ein europäisches System der Datensicherheit zu entwickeln.“

Europa müsse dafür die Gesetzgebung schaffen und Programme auflegen. „Wir brauchen die Unterstützung der Kommission“, forderte Ploss. Geboten sei ein einfach nutzbares europäisches System mit verschiedenen Sicherheitsebenen. Ebenfalls sinnvoll wären von möglichst vielen Nutzern angewandte europäische Standards, an denen sich auch die Welthandelspartner orientieren könnten. „Europa kann im Zeitalter der Digitalisierung eine enorme Rolle bei der Standardsetzung zur Datensicherheit spielen.“