Embedded-Software Dassault Systèmes schluckt Geensoft

Mit dem Geensoft-Werkzeugen verfügt Dassault Systèmes über eine umfassende Product-Lifecyle-Lösung

Für 5,5 Millionen Euro hat Dassault Systèmes den Tool-Hersteller Geensoft gekauft. Erst im März 2010 war Geensoft durch ein Management-Buy-out unabhängig geworden.

Eigentlich war die kurze Phase der Unabhängigkeit von Geensoft eher eine Umstrukturierung, denn das Management wollte sich von verlustbringenden Geschäftsbestandteilen trennen, kaufte die eigene Firma und machte aus der früheren Geensys eine Geensoft. Der Finanzinvestor Ouest Ventures steuerte einen Anteil von 25% des Gesellschaftskapitals bei, die restlichen 75% hielt das Management.

In dieser Konstellation und mit 59 Mitarbeitern verkaufte sich Geensoft nun an Dassault Systèmes. Damit wird der Name Geensoft verschwinden, denn Dassault wird die Geensoft-Entwicklungswerkzeuge in seine eigenen Produkte integrieren. Dassault Systèmes ist bekannt geworden durch sein CAD-Programm CATIA und nicht zu verwechseln mit Dassault Aviation, wiewohl beide zum gleichen Konzern gehören.

Geensoft stellt Werkzeuge für die Software-Modellierung und das Anforderungsmanagement her. Dieses Geschäft war in den letzten drei Jahren um 45 Prozent pro Jahr gewachsen und stets profitabel.

Zu kleine Firma für zu große Projekte

Anfoderungsmanagement sorgt dafür, dass bei einem Software-Projekt genau das entwickelt wird, was der Kunde in Auftrag gibt bzw. was in den Projektzielen definiert ist. Auch dann noch, wenn sich die Anforderungen im Laufe des Projekts ändern. Den Überblick zu behalten über das, was entwickelt wird, ist ein Problem, das typischerweise bei großen Projekten mit vielen Beteiligten auftritt. So sind die Geensoft-Produkte in der Automobil-, Medizin-, Bahn- und Luftfahrtindustrie in Gebrauch.

Große Firmen verlassen sich bei unternehmenskritischen Projekten jedoch nur ungern auf kleine Zulieferer, deren Existenz nicht langfristig gesichert ist. Deshalb war Geensoft schon in seiner Zeit als Geensoft Partnerschaften mit IBM Rational, LDRA, Mentor Graphics und National Instruments eingegangen, die das Requirements-Tracing »Reqtify« in ihre Produkte integrierten. Genau dasselbe wird nun auch Dassault Systèmes tun.

Konflikte mit IBM und LDRA vorprogrammiert

Dassault sieht in den Werkzeugen von Geensoft eine ideale Ergänzung für seine Product-Lifecycle-Management-Plattform V6. Dassault behauptet, dass die bestehenden Parterschaften von Geensys von der Akquisition nicht berührt seien, da es »keine Überschneidungen« zwischen Dassault und den Geensoft-Partnern gäbe. Das wird aber spätestens dann der Fall sein, wenn Dassault sein PLM V6 mit integrierten Geensoft-Tools fertigstellt, das sich einen Schwerpunkt auf die Automotive-Entwicklung legen soll. In genau diesem Bereich sind auch IBM Rational und LDRA sehr stark.

Für Dassault ist wichtig, dass sich mit der Geensoft-Akquisition der Kreis vom Entwurf über Simulation und virtuelle Prototypen bis zum realen Produkt schließt: »Mit dieser Akquisition unternehmen wir einen wichtigen Schritt, um den virtuellen Prototyp enger mit der realen Welt zu verbinden,« sagt Dominique Florack, Senior Executive Vice President bei Dassault Systèmes.