Übernahme von Fujitsu Mainboards Coffee Lake für Kontrons Portfolio

Kontron stattet sein Portfolio mit Intel Prozessoren der neunten Generation aus.
Kontron stattet sein Portfolio mit Intel Prozessoren der neunten Generation aus.

Nach Übernahme des Motherboard-Geschäfts von Fujitsu stattet Kontron sein neues Portfolio im Rahmen des Coffee-Lake-Refresh mit Intel-Prozessoren der neunten Generation aus. Für Kunden hat das viele Vorteile. Aber auch neue Boards stehen im Fokus.

Für die bayerische Stadt Augsburg war es zunächst ein Schock: Fujitsu gibt seine Mainboard-Aktivitäten in Schwaben auf. Für Insider der Branche war es jedoch keine große Überraschung, als Kontron Ende Juli ankündigte, das Geschäft zu übernehmen. Die möglichen Synergie-Effekte waren aus Sicht von Hannes Niederhauser, CEO des Kontron Mutterkonzerns S&T, überzeugend genug. Bestandteil des Geschäfts war ein sogenannter Asset Deal, also der Erwerb von Rechten an Produkten, Engineering- und Produktionsanlagen sowie anderen Wirtschaftsgütern aus dem Original Equipment Manufacturer (OEM)-Mainboard-Bereich. Ziel von Kontron war es, sein Produktportfolio zu erweitern. Am 1. Oktober startete der Embedded-Experte dann nach Abschluss aller Übernahmeformalitäten das operative Geschäft. Sowohl für ehemalige Fujitsu-Kunden als auch für Kunden von Kontron bringt die Übernahme Vorteile mit sich. Doch die Zeit drängte, da Intel im Embedded- und OEM-Mainboard-Geschäft den Takt vorgibt. Es gelang jedoch, den Entwicklungsprozess von Fujitsu bis zum Start des operativen Geschäfts durch Kontron nahtlos weiterlaufen zu lassen. Deshalb kann Kontron heute unter seiner Marke gleich ein knappes Dutzend neuer Motherboards »Designed by Fujitsu« mit Intel-Prozessoren der neunten Generation vorstellen.

Refresh für alte Boards

Das Augsburger Unternehmen bleibt der Linie von Fujitsu treu, zwei Board-Varianten anzubieten: eine Extended-Lifecycle-Linie mit einer Verfügbarkeit von 36 Monaten und eine Industrial-Linie mit einer Verfügbarkeit von sieben Jahren. Die Extended-Lifecycle-Linie richtet sich vor allem an semi-industrielle Einsatzbereiche wie Kiosksysteme (Point-of-Sales), Ticketautomaten oder inter­aktive Displays. Dort ist der Grad der Robustheit in rauen Umgebungen eher nachrangig. Für den Einsatz unter harten Bedingungen und im erweiterten Temperaturbereich sowie bei Staub und
Vibrationen eignet sich die Industrial-Linie. Sie zeichnet sich mit der Verfügbarkeit von sieben Jahren aus, so­dass Anwender die Geräte für lange Zeit ohne ein Upgrade betreiben können.

Mit dem Coffee-Lake-Refresh der bisherigen Boards bietet Kontron die
Möglichkeit, bestehende Anwendungen zu erneuern oder mit neuen Funktionen zu ergänzen. Der Aufwand lohnt sich, denn mit dem Intel-Refresh beginnt der Lebenszyklus von Neuem. Zwar ist die Prozessorplattform bereits vier Jahre alt und entspringt ursprünglich der Skylake-Generation, der Refresh mit dem ersten Acht-Kern-Prozessor im LGA1151-Sockel bringt jedoch einen Leistungszuwachs bei voller Verfügbarkeit von sieben Jahren. Ermöglicht wird der Refresh mit einem nochmaligen Optimieren der Prozessortechnik und kratzt somit an der 5-GHz-Grenze. Das gilt
für das Flaggschiffprodukt mit Intels Core-i9-9900K-Prozessor.

Für Kunden aus dem Workstation- oder Grafikbereich und dem damit einhergehenden Einsatz von Grafikkarten via PCI-Express gibt es als weitere Neuerung Modelle ohne Grafik, wie Intels Core-i5-9400F. Preislich liegen
die Prozessoren unterhalb der Standard­modelle und ermöglichen somit ein günstiges Gesamtsystem.

Kundenspezifische Auswahl möglich

Bisher hat Kontron hauptsächlich gelötete Chips verwendet. Sie lassen kleinere Formfaktoren zu und besitzen eine reduzierte Leistungsaufnahme. Somit sind sie als Embedded Boards besonders geeignet. Mainboards mit Land Grid Array (LGA)-Sockel sind dagegen preislich günstiger und freier skalierbar, da sie mit denjenigen Prozessoren bestückbar sind, die dem tatsächlichen Bedarf entsprechen. Für Kunden ist hiermit eine breite, kundenspezifische Auswahl möglich. Somit sind die Produkte von Kontron und ehemals Fujitsu komplementär und ergänzen sich bei gleichen Formfaktoren. Hiermit wird das Portfolio noch differenzierter und eröffnet neue Anwendungsfelder.

Kontrons Motherboards »Designed by Fujitsu« basieren auf der Coffee-Lake-Plattform und ermöglichen aufgrund eines umfangreichen BIOS-Updates das Nutzen der neuen neunten Generation mit bewährtem Design. Somit haben Kunden, welche die alten Boards im Einsatz haben, den Vorteil, direkt ohne Hardware-Tausch die neuen Prozessoren einzusetzen. Die bewährten BIOS-Tools zum Anpassen der Boards und Systeme wie Anpassen der Lüfterdrehzahl oder der kundenspezifischen BIOS-Defaults sind ebenfalls verfügbar.

Für ausgewählte Modelle bietet Kontron zusätzlich Box-PCs, sogenannte »Smartcases«, an. Auf Kundenwunsch fertigt und liefert Kontron einen kompletten Mini-PC inklusive Kühlung und Gehäuse. Kontron bietet als Services ebenso ein kundenspezifisches „Kitting“ an. Folglich bestückt Kontron die Motherboards ab Werk mit den gewünschten Prozessoren und Speicherriegeln. Bei Bedarf wird das BIOS individuell konfiguriert, optional in ein Smartcase integriert und die komplette Einheit nach Kundenvor­gaben getestet. Die individuellen Konfigurationen erhalten eine spezifische Bestellnummer, die für den Kunden weltweit im SAP-System angelegt wird und ausschließlich vom Kunden und den von ihm freigegebenen Partnern bestellbar ist.

Industrie-Motherboards D3633/34/41/46-S von Fujitsu

  • für die 9. Generation Intel-Core-i-Prozessoren bis zu 98 W
  • 24-Stunden-Betrieb
  • Temperaturbereich: 0 bis 60 °C
  • DDR4 SDRAM
  • Intel UHD Graphics
  • 5.1 Multichannel Audio
  • PCI Express und M.2-M-Key
  • D3633-S und D3634-S Mini-ITX: Intel-300-Chipsatz, Grafikschnittstellen DVI-D, DP, LVDS und eDP
  • D3641-S µATX und D3646-S ATX (Bild 1): Intel-C246-Chipsatz, 6 x SATA, 2 x USB 3.1 Gen2, 4 x COM

 

Extended-Lifecycle-Motherboards D3654/64/74/42/44-B und D3643-H von Fujitsu
  • für die 9. Generation Intel Core-i-Pro­zessoren
  • 24-Stunden-Betrieb
  • Temperaturbereich: 0 bis 50 °C
  • Formfaktoren: Mini-STX, Mini-ITX     und µATX
  • D3654-B mSTX, D3664-B mSTX:     HDMI v1.4, Display, M.2
  • D3654-B mSTX : Intel-H310-Chipsatz
  • D3664-B mSTX: Intel-Q370-Chipsatz
  • D3664-B mSTX: 2 x USB 3.1 Gen2, Active-Management-Technik-Support
  • D3674-B Thin-mITX (Bild 2): HDMI v1.4, DP v1.2, Dual-Channel-LVDS, LAN, 9 x USB (2.0 und 3.1 Gen1)
  • D3643-H µATX: Intel-B360-Chipsatz
  • D3644-B µATX: Intel-C246-Chipsatz
  • D3674-B, D3643-H, D3644-B: 64 GB DDR4, PCI Express, M.2, USB 3.1 Gen2, DVI-D, Display
  • D3642-B µATX, D3644-B µATX: 6 x SATA, Active-Management-Technik, vPRO