Landshut-Leadership-Forum 2019 Auf dem Weg zum digitalisierten Unternehmen

Hochschulpräsident Prof. Stoffel begrüßte die Teilnehmer auf dem Landdshut-Leadership-Forum.
Hochschulpräsident Prof. Stoffel begrüßte die Teilnehmer auf dem Landshut-Leadership-Forum.

Die Digitalisierung schreitet voran – doch nicht überall und nicht in dem Tempo, das nötig ist. Viele Unternehmen wollen das ändern, wissen aber nicht wie. Antworten lieferte das Landshut-Leadership-Forum.

Unter dem Motto »Digitale Geschäftsmodelle und künstliche Intelligenz« fand am 14.11. an der Hochschule Landshut das Landshut-Leadership-Forum statt. Noch nie war die Zahl der Informatik-Studenten so hoch wie derzeit, betonte Hochschulpräsident Prof. Karl Stoffel bei seiner Begrüßung. Das zeigt die Wichtigkeit der digitalen Transformation. Ebenso sei die Fördersumme der Drittmittel so hoch wie nie, dazu kommen 34 Promotionen. Die Hochschule sieht sich in der Pflicht, neues Wissen in die Region zu bringen.

Als Schirmherr der Veranstaltung fungierte der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Auch darin zeigt sich der Stellenwert, den die Digitalisierung derzeit einnimmt. Sein Vertreter, Staatssekretär Roland Weigert, betonte in seiner Eröffnungsrede wie wichtig es sei, die Wettbewerbsfähigkeit Bayerns im internationalen Vergleich zu stärken. Nur wenn die ansässigen Firmen mitziehen, könne man die derzeitige Wirtschaftskraft aufrechterhalten. Um das zu erreichen, muss man die Menschen mitnehmen, hierbei wurden in der Vergangenheit Fehler gemacht. Als Beispiel nannte Weigert den Widerstand gegen neue Stromtrassen. Positiv hob er hervor, dass bereits in der Vergangenheit Transferprozesse gelungen seien. So habe man, ausgehend in den 1980er Jahren, die Arbeitslosenquote in ganz Bayern dauerhaft auf ein Minimum - unter 3,5 Prozent - gesenkt. Um zum Gelingen der digitalen Transformation beizutragen, stellt die bayerische Regierung zwei Milliarden Euro zur Verfügung, davon fließen 600 Millionen in die Forschung für künstliche Intelligenz (KI). Bayern und Deutschland tun demnach viel, um die digitale Transformation voranzutreiben.

Ganz so positiv sieht das Michael Schalk vom VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) nicht. Er wies darauf hin, dass die Transformation in vielen Firmen noch nicht angekommen sei. Wichtig sei eine ausgeprägte Fehlerkultur, Fehler müssen erlaubt, ja sogar erwünscht sein. Nur wer den Mut aufbringt, Fehler zu machen, kann neue Geschäftsmodelle entwickeln. Er rief dazu auf, die Digitalisierung in die DNA aufzunehmen, um die Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

»Wir brauchen digitalisierte Systeme, nicht digitale Systeme«

Dr. Joseph Reger, Keynote-Speaker und CTO von Fujitsu, ist unzufrieden mit dem Fortschritt und widersprach den Worten des Staatssekretärs: »Deutschland hat die Digitalisierung verschlafen und ist 10 Jahre im Rückstand«. Er betonte, dass der digitale Wandel die Infrastrukturen immer mehr durchdringt. Gleichzeitig stellte Reger die Frage: »Was ist Digitalisierung?«. Man müsse unterscheiden zwischen digital und etwas Digitalisiertem. Denn, man kann kein digitales Auto schaffen, sondern lediglich ein digitalisiertes Auto.

Als Schlüsseltechnologien für eine digitale Zukunft sieht Reger die Blockchain-Technik und KI. Die Blockchain-Technik kann alles, was für die Automatisierung von Arbeitsabläufen nötig ist. Bei der KI sieht er vor allem das maschinelle Lernen (ML) im Fokus. ML lernt anhand von Daten, das heißt derjenige der die Daten besitzt, besitzt auch das Wissen. Im privaten Bereich habe man hier das Rennen gegen Google, Amazon und Facebook verloren. Was aber nicht verloren ist, sind die Daten aus dem industriellen Umfeld. Hier müssen die Unternehmen in Deutschland ansetzen. Ein Problem von KI: Das System ist intransparent. Der Algorithmus der dahinter steckt, ist trivial, aber die Daten sind undurchsichtig. Ein Entwickler weiß nicht, was das Ergebnis der Berechnungen bedeutet. Hierfür hat Fujitsu die sogenannte »Explainable AI« geschaffen. Mit der ML-Methode will das Unternehmen Systeme entwickeln, die man anschließend befragen kann. Eine Herausforderung dabei: die Rechenleistung. Bisherige Rechner können die großen Datenmengen oft nicht zufriedenstellend verarbeiten. Ein Silberstreif am Horizont sind Quantencomputer. Sie rechnen mit sogenannten Quanten-Bits (Qbits), die gleichzeitig die Zustände 0 und 1 annehmen. Doch bis es so weit ist, müsse man versuchen, die derzeitige Rechenleistung möglichst effizient zu nutzen.

Zum Schluss betonte Reger, dass die Unternehmen etwas für die Digitalisierung tun müssen, besser sofort als später und besser mehr als weniger. Was in Deutschland fehle, sei die gemeinsame Vision. Ausschließlich mit einer solchen Vision könne man den Rückstand aufholen oder die Lücke zumindest verkleinern. Denn die Entwicklung folge keiner linearen Kurve, sondern einer exponentiellen, was es umso schwerer macht, den Rückstand aufzuholen.

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Landshut-Leadership-Forum

Das Landshut-Leadership-Forum stand ganz im Zeichen von digitaler Transformation und künstlicher Intelligenz.

Expedition ins Unbekannte

Anschließend stellte Prof. Hubertus Tuczek die Frage: »Was verstehen Sie unter KI Die häufigsten Antworten der Teilnehmer waren Effizienz, Algorithmen, Chancen und Automatisierung. Tuczek betonte, die Digitalisierung sei eine Expedition ins Unbekannte. Es sei keine Frage der Technologie, sondern eine Frage der Unternehmenskultur. Im fünften Buch der Reihe »Landshut Leadership« stellen Tuczek und Studierende der Hochschule verschiedene Beispiele vor, wie der Prozess der Transformation gelingen kann. Dazu zählen ein Acht-Phasen-Nutzenmodell und deren Anwendungsgebiete. Als Beispiele dienen unter anderem die Gesichtserkennung in einer chinesischen Stadt, E-Sport und Intelligent Maintenance. 

Mut zum Investieren

Ein konkretes Beispiel, wie ein Unternehmen aus dem Mittelstand einen Wandel vollziehen kann, gab Dr. Markus Pfuhl, CDO bei Viessmann. Das Unternehmen arbeitet seit 2015 an der digitalen Transformation. Um die Ziele zu erreichen, nannte er vier Schritte:

  • Awareness (Verständnis der Mitarbeiter, warum Digitalisierung nötig ist)
  • Enablement (Mitarbeiter mitnehmen, zum Beispiel mit FAQ-Runden und Mitarbeiter-App)
  • Execution (Neue Arbeitsweisen einführen)
  • Institutionalisation (Strategien zusammenführen, Organisation anpassen)

Als Beispiele führte Pfuhl die Umstellung der IT auf die Google-G-Cloud, eine Anpassung der Meeting-Struktur per TV und Wireless sowie Investitionen in Start-ups an. Wichtig als Unternehmen sei es, sich darauf zu besinnen, was sie können und die Mitarbeiter ins Boot zu holen. Dazu gehört es, Fehler zu akzeptieren, ja gar zu fördern, um eine kreative Unternehmenskultur zu schaffen.