Windows 8 ARM-Version doch 6 Monate später als Intel-Release?

Bislang erklärte Microsoft, dass Windows 8 zeitgleich für Intel-x86-Prozessoren und ARM-SoCs von TI, Qualcomm und Nvidia erscheinen würde - eine in der Regel bestens informierte amerikanische Website will nun neben dem exakten Auslieferungsdatum das Gegenteil erfahren haben.

Das wiederum würde zu der Verschiebung eines Snapdragon-Chips von Qualcomm für Windows-Geräte passen.

Laut Angaben der “BrightSideofNews”, die sich auf übereinstimmende Quellen sowohl von Microsoft selbst als auch dem Umfeld der Firma beruft, soll Windows 8 für Intel-x86-Prozessoren am Donnerstag, den 29.11.2012 ausgeliefert warden. Die Version für ARM-Chips soll dagegen nicht vor Mai oder Juni 2013, möglicherweise sogar erst im 3. Quartal 2013 fertig werden.

Fakt ist, dass Microsoft nicht nur auf der CES-Messe in Las Vegas Anfang 2012, sondern auch auf dem letzte Woche in Barcelona stattfindenen Mobile World Congress keine Geräte mit ARM-basierten SoCs und Windows 8 zum Ausprobieren ausstellte. Fakt ist ebenso, dass Qualcomm, einer der drei ARM-Lizenznehmer, die von Anfang von Microsoft als Entwicklungspartner genannt wurden (neben Qualcomm waren dies Texas Instruments mit seinen OMAP-Prozessoren und Nvidia mit den Tegra-Chips) die Auslieferung seiner Snapdragon-Chips MSM8974, APQ8094 und APQ8074 (Quad-Core-Krait-CPUs mit Taktfrequenzen z.T. über 2 GHz) um ein Quartal oder noch mehr mehr verschieben muss. Für den Erfolg von Netbooks oder Notebooks mit Windows 8 dürften diese Chips essentiell sein.

Neue Chip-Hersteller für ARM-Windows 8

Neben diesen schlechten Nachrichten aus dem Hause Microsoft (sollten sie den stimmen) gibt es für TI, Qualcomm und Nvidia noch mehr unerfreuliches zu berichten: Microsoft hat seine Liste der unterstützten ARM-SoCs um zwei weitere Hersteller erweitert: Marvell und Huawei. Während Marvell schon lange Inhaber einer ARM-Architekturlizenz ist und seine Amada-Chips mehr oder weniger erfolgreich in Smartphones und Tablets ausliefert, kannte man den chinesischen Hersteller Huawei bislang eher als Lieferant von Netzwerk-Equipment und als Wettbewerber zu Cisco, Alcatel & Co.

Die Chinesen sind jedoch ebenfalls Inhaber einer ARM-Architekturlizenz und haben erst kürzlich einen K3V2 genannten Prozessor fertiggestellt. Bei diesem handelt es sich um eine Quad-Core-Ausführung mit vier ARM-Cortex-A9-MP-Cores, die in einem 40-nm-Prozess zwischen 1,2 und 1,5 GHz getaktet warden. Unterstützt warden sie von einer GPU mit 16 Cores und weiteren Hardware-Blöcken z.B. für Video-Dekodierung in voller HD-Auflösung mit 60 Frames/s (1080p60). Das interessante an diesem Chip ist ein Dual-Channel- und 64 bit breiter Adress- und Datenbus zu dem mit 500 MHz getakteten LP-DDR2-SDRAM, mit dem Huawei die Gesamtrechenleistung gegenüber vergleichbaren Konkurrenzprodukten wie Nvidias Tegra-3 in erheblichem Maße angehoben haben will. Der Tegra-3 besitzt zwar auch vier Coretx-A9-Cores, hat jedoch nur eine Single-Chanel-Speicheranbindung mit 32 bit Breite,  auch wenn diese nun bis zu 2 GB DDR3L-1500 oder LPDDR2-1066 unterstützt.

Gewinner und Verlierer

Sollte sich die Verschiebung von Windows 8 für ARM bewahrheiten, ist im Bereich der Notebooks automatisch Intel der Gewinner, da es erstmal nur Geräte mit x86-Proezssoren geben wird. Bei den Tablets dürfte alles davon abhängen, vieviele Hersteller tatsächlich Geräte mit x86-Plattform anbieten werden, wie teuer diese sind und wie sich Intels Atom-Prozessor in Bezug auf Rechenleistung und Energieverbrauch schlägt – ansonsten dürfte alles wie bekannt weitergehen und die Kunden auf iPad und Android-Tablets setzen – und Microsoft seinen Traum, in diese Geräteklasse Einzug zu halten, zunächst einmal verschieben müssen.

Der Gedanke, dass politische Gründe hinter einer möglichen Verschiebung stehen, um der “WinTel”-Allianz (WINdows/InTEL), die über Dekaden den PC-Markt dominierte, ein zumindest zeitlich befristetes Monopol zu geben, ist daher eher abwegig: Anders als beim PC sind Apple-OS und Andorid bei den Tablets die Platzhirsche und Windows 8 der Herausforderer. Jede Verschiebung von Windows 8 für ARM schädigt daher zu allererst nicht ARM und seine Lizenznehmer, sondern Microsoft selbst. Sollten sich die Verschiebung bewahrheiten, dürfte es schlichtweg daran liegen, dass Microsoft die Komplexität, ein OS für verschiedene SoCs zu optimieren, unterschätzt hat.