Embedded-Trends 2020 Alle Wege führen zu KI

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Datensicherheitsaspekte (Security) werden gerne unterschätzt. Wie sehen Sie das und welche Maßnahmen leiten sie davon im Unternehmen ab?

Norbert Hauser: Mit dem Zusammenschluss der Kontron mit S&T erhalten Kunden aus einer Hand unter der Marke »Kontron« ein komplettes Portfolio ganzheitlicher und sicherer Lösungen in den Bereichen Embedded Modules, Boards und Systeme, Internet of Things und Industrie 4.0. Kontron Technologies bringt mit erweiterten Ressourcen wichtiges Software- und Consulting-Know-how für den Aufbau von sicheren IoT-Szenarien von der Edge bis zur Cloud mit. Eine wichtige Komponente dabei ist das IoT Software Framework SUSiEtec. Im Umfeld von Industrie-4.0-Anwendungen gewährleistet sie die sichere Verbindung aller Elemente und übernimmt Funktionen wie die Sicherheit, Analyse und Verarbeitung der anfallenden Daten. Für die Kunden wird so eine durchgängige Infrastruktur geschaffen. Das erhöht das Sicherheitsniveau bei minimalem Implementierungsaufwand deutlich.

Koenraad Demeulemeester: IT-Sicherheit geht weit über den Schutz einzelner Dateien hinaus, sie ist vielmehr grundlegender Bestandteil jeder Planung und jeder Einzelmaßnahme in der IT. Denn das Schadenspotenzial im Falle von Sicherheitslücken ist enorm: Es reicht von der Unterbrechung des Geschäftsbetriebs bis hin zu massiv sanktionierten Verstößen gegen Gesetze (Stichworte DSGVO, IT-Sicherheitsgesetz) und Normen (z.B. BSI IT-Grundschutz). Das Thema ist daher für uns essenziell – sowohl im eigenen Unternehmen als auch als Anbieter für unsere Kunden. Entscheidend ist dabei, nicht nur die reinen IT-Sicherheitsmaßnahmen im
Auge zu behalten, sondern auch die Mitarbeiter zu schulen und für die Gefahren zu sensibilisieren.

Christian Eder: Der Funktionsumfang eines IoT-Gerätes ist bei Designs mit Computer-on-Modules genau definiert, weshalb es keine überflüssigen, manipulierbaren Schnittstellen gibt. Ebenso lässt sich die Ausführung von Software mittels »Whitelisting« einschränken, sodass nur die erlaubte und gewünschte Software ausgeführt wird – Schadsoftware ist somit erst gar nicht ausführbar. Eine perfekt abgestimmte Programmierschnittstelle für die IoT-Kommunikation ist eine weitere Hilfe für das Integrieren verbesserter Sicherheitsmaßnahmen. So können sich OEMs (Orignial Equipment Manufacturer) auf bewährte und getestete Kommunikationswege verlassen und riskieren keine unnötigen Sicherheitsstörungen. Offene Standards wie TPM-Module sowie IoT-fähige Softwarelizenzierungen mit hardwarebasiertem Code-Schutz gehören bei sicherheitskritischen Anwendungen zum Standard. Nutzen Entwickler zertifizierte Kombinationen aus Hard- und Software, können sie sich in erster Linie auf die Funktion konzentrieren. Ein großer Schritt in Richtung IoT-Sicherheit wird also schon vom Hardwarelieferanten gemacht. Es ist ein wichtiger Schritt, jedoch nur der erste. Für die umfassende Sicherheit ist dann letztlich der OEM gefragt, denn er ist derjenige, der die App entwickelt.

Welche Rolle spielt die Unterstützung des Kunden mit Software für Sie als Anbieter von Hardware?

Norbert Hauser: Software spielt zunehmend eine dominante Rolle im Rahmen von Projekten. Kontron als Teil der S&T-Gruppe bietet seinen Kunden heute bereits ein kombiniertes Angebot an Hardware, Software und Services. Mit dem Erwerb der Firma AIS Automation in Dresden mit etwa 140 Mitarbeitern wurden die Softwarekompetenzen des IoT-Geschäftes für Industrie 4.0 erweitert. Das Portfolio und das Team aus einer Vielzahl an Ingenieuren der AIS Automation bilden die perfekte Ergänzung zum SUSiEtec IoT Software Framework. Die AIS-Produkte ToolCommander, FabLink und FabEagle erweitern das Leistungsspektrum im Shopfloor-Bereich (Edge-Computing). Die von AIS ent­wickelte EquipmentCloud fügt sich nahtlos in die Cloud-
Umgebung von SUSiEtec ein. Wir bieten nun eine noch breitere IIoT-Expertise für End-to-End-Support vom Sensor über die Edge bis zur Cloud.

Christian Eder: Hardware-nahe Software ist immens wichtig. Sie befähigt unsere Kunden beispielsweise Anwendungen von x86 auf Arm zu portieren, was bei unseren SMARC-Kunden teilweise der Fall ist. Hardwarenahe Software ist uns sogar so wichtig, dass seit Kurzem der Echtzeit-Hypervisor-Hersteller Real Time Systems zu unserer Unternehmensgruppe gehört. Durch die enge Bindung sind wir in der Lage, exzellente Plattformzuschnitte für Edge-Server-Designs, IoT-Gateways oder Industrierechner, die viele Funktionen auf einem System konsolidieren, zu fertigen. Das sind immense Vorteile für unsere OEM-Kunden, denn das Thema »anwendungsfertig« fängt immer bei der Software an.