Nachhaltigkeit in der Elektronik Recycelte Kunststoffe für Elektronikgeräte

Ziel: Kreislaufwirtschaft neuer Qualität

PolyCE liefert greifbare Ergebnisse für alle seine Mitglieder und unterstützt gleichzeitig einen effektiven Übergang zur Kreislaufwirtschaft. Jedes der konzipierten verschiedenen PolyCE-Arbeitspakete soll dazu beitragen, in jeder Phase der Kunststoff-Wertschöpfungskette eine Kreisform zu erreichen. Bild 4 illustriert die Ziele des Projektes.

Violeta Nikolova dämpft allerdings allzu hohe Erwartungen auf schnelle Ergebnisse: »Es ist der Beginn eines Gesprächs. Wir sind uns bewusst, dass es keine unmittelbaren Ergebnisse geben wird, aber es wäre vielleicht der Beginn von etwas, das Impulse für die Zukunft vermittelt.«

Möglicherweise stützt sich die Haltung Nikolovas auf einen Bericht aus Schweden, den das PolyCE-Konsortium zur Kenntnis nahm, wonach weltweit nur 10 % der hochwertigen Kunststoffe aus langlebigen Gütern verwertet und recycelt werden. Im Vergleich dazu beträgt die durchschnittliche Verwertungs- und Recyclingquote für Metalle und Glas 50 bis 90 %.

Im Projekt konnte aber anhand einer Reihe von Demonstratoren gezeigt werden, dass die Herstellung von Elektro- und Elektronikgeräten, die hochwertige recycelte Kunststoffe enthalten, für die Hersteller wirtschaftlich machbar ist. Diese Produkte sind genauso langlebig und haltbar wie jene, die unter Verwendung der ursprünglichen reinen Kunststoffe hergestellt wurden.

Dem Autor kommt hier ein Zitat von Voltaire in den Sinn, welches durchaus die Situation in-etwa kennzeichnet: »Gewohnheit, Sitte und Brauch sind stärker als die Wahrheit. Es braucht neue Revolutionen der Geister, es braucht einen neuen Enthusiasmus, um den alten zu zerstören.« Es scheint, dass im Umgang mit Altelektronik aus heutiger Sicht eine solche »Revolution« zwingend erforderlich ist – egal, wie man die notwendige Trendwende letztlich bezeichnet.

Die Verwirklichung dieser »Revolution«, also eine vernünftige zukunftsgerechte Kreislaufwirtschaft, wird nur durch gemeinsame Anstrengungen von Produktdesignern, Rohstoffproduzenten, Leiterplatten- und Geräteherstellern, Kommunen, Materialrecyclern sowie Endverbrauchern zu verwirklichen sein.

Paradoxe Situation – Kunststoffpreise

Hervorgerufen durch die zunehmende öffentliche Diskussion über die Umweltverschmutzung durch Kunststoffe und erste Maßnahmen von Regierungen zur Eindämmung der Plastikmüllflut hat eine Entwicklung eingesetzt, dass einerseits die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff gestiegen und andererseits nach Neu-Kunststoffen etwas gefallen ist.

Laut einem Bericht des britischen Preisanalyseunternehmens S&P Global Platts sind steigende Preise für recycelte Kunststoffe zu verzeichnen und diese übertreffen erstmals die von reinem Kunststoff [4]. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass die lange Zeit vernachlässigte Recyclingbranche nicht rechtzeitig ausreichende Kapazitätszuwächse vorgesehen hat, so dass eine relative Verknappung die Folge ist.

Der Preis für recycelten Kunststoff ist dem Bericht zufolge pro Tonne um 72 US-Dollar (ungefähr 65 Euro) teurer als reiner Kunststoff. Kunststoff, der nicht aus recyceltem Material stammt, wird momentan billiger, weil in den USA aufgrund der steigenden Verwendung von Schiefergas eine erhöhte Produktion von petrochemischen Produkten stattfindet.

Trotz der veränderten wirtschaftlichen Situation glauben die Experten nicht, dass große Unternehmen deshalb wieder verstärkt auf reinen Kunststoff setzen werden, denn insbesondere in Europa ist davon auszugehen, dass der Druck auf die Unternehmen, mehr recycelte Kunststoffe einzusetzen, weiter wachsen wird, sowohl seitens der Regierungen, der Kunden als auch der Umweltorganisationen. Es geht hier auch sehr stark um das öffentliche Image der Kunststoffanwender.

»Die Nachfrage nach recyceltem Kunststoff wird auf lange Sicht wachsen. Das liegt vor allem an Initiativen der Europäischen Union zur Erhöhung des Anteils von recyceltem Material bei Verpackungen. Angesichts von nachteiligen wirtschaftlichen Bedingungen wird jetzt das wahre Engagement des europäischen Marktes für Nachhaltigkeit auf die Probe gestellt«, schreiben die Analysten von S&P Global Platts in dem Bericht [4]. Die Reduzierung von Plastikabfällen in Europa wird jedes Jahr um 250 Mio. US-Dollar (etwa 227 Mio. Euro) teurer.