Interview Material- und energieeffiziente Produkte setzen sich durch

Rainer Müller ist Abteilungsleiter in der Entwicklung von ebm-papst.
Rainer Müller ist Abteilungsleiter in der Entwicklung von ebm-papst.

Rainer Müller von ebm-papst war maßgeblich an der Entwicklung der neuen Greentech-Lüfter mit Biowerkstoffen und energieeffizienten Antrieben beteiligt. Wir haben mit ihm über die Hintergründe der Entwicklungsarbeit gesprochen.

Elektronik: Herr Müller, »Grüne Lüfter« zu entwickeln, klingt auf den ersten Blick, als sei es eine geschickte Marketing-Initiative. Was hat denn ebm-papst bewogen, sich bei neuen Produktgenerationen auf Aspekte wie Energie- und Material-Effizienz zu fokussieren?

Rainer Müller: Die Vorgabe für unsere Entwicklung ist schon lange, dass jedes neue Produkt das Vorgängerprodukt sowohl ökologisch als auch ökonomisch übertreffen muss. Diese Vorgabe, die auch in unserer »Greentech«- Kampagne wieder aufgegriffen wurde, bringt, so wie ich meine, die wesentlichen Gesichtspunkte auf einen Nenner. Einerseits muss mittlerweile jedem klar geworden sein, dass die meisten Rohstoffe endlich sind und dass wir daher verantwortungsvoll mit ihnen umgehen müssen.

Gleichzeitig steigt der Aufwand der für die Förderung dieser Rohstoffe getrieben werden muss stetig an und mit dem Aufwand und der Erkenntnis über die Endlichkeit auch der Preis. Andererseits müssen wir im globalen Wettbewerb bestehen können. Dazu zählt, die Kosten unter anderem durch Materialeffizienz auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten und sich durch Innovationen z.B. im Bereich Energieeffizienz vom Wettbewerb abzuheben.

Elektronik: Wie verträgt sich Material- und Energieeffizienz mit dem Preisdruck, der typischerweise im Elektronik-Umfeld vorherrscht?

Rainer Müller: Dass ein effizientes Produkt in der Anschaffung meist teurer ist als das Standardprodukt, muss man dem Kunden zwar zunächst erklären. Wenn sich aber zeigen lässt, dass sich die Mehrausgaben bei der Anschaffung innerhalb kurzer Zeit durch Energieeinsparungen im Betrieb amortisieren, entscheiden sich die Kunden für die effizienteren Produkte. Bereits heute werden mehr als die Hälfte unserer Ventilatoren durch elektronisch kommutierte Permanentmagnet-Motoren angetrieben.

Elektronik: Welche Entwicklungs-Maßnahmen verbergen sich konkret hinter den Schlagworten Material- und Energieeffizienz?

Rainer Müller: ebm-papst ist einer der wenigen Hersteller von Ventilatoren, der die Kompetenzen Motortechnik, Elektronik und Strömungstechnik in den eigenen Entwicklungszentren kombiniert. Auf all diesen Gebieten werden große Anstrengungen unternommen, um die Effizienz der einzelnen Komponenten zu optimieren. Erst das Zusammenspiel von hocheffizientem Motor mit abgestimmter Elektronik und optimierter Strömungstechnik ergibt einen sehr effizienten Ventilator.

Durch die langjährige Erfahrung mit den Ventilatoren in den Anwendungen und im umfangreichen Prüffeld mit vielfältigen Testeinrichtungen und Dauertestständen sind die Anforderungen an die Ventilatoren und die verwendeten Materialen sehr gut bekannt. Dies ermöglicht uns in Kombination mit der Untersuchung immer neuer Materialien und Techniken, jeweils die richtige Menge des geeigneten Materials einzusetzen.

Elektronik: Erwarten Sie beim Absatz Rückenwind von der kommenden Energiesparverordnung?

Rainer Müller: Gesetzliche Vorgaben, wie die Energieeinsparverordnung oder speziell die Ökodesign-Richtlinie, die für Ventilatoren ab 2013 Mindestwirkungsgrade vorschreibt und dann in einer 2. Stufe 2015 nochmals die Grenzwerte anhebt, bewirken, dass einige der heutigen Ventilatoren vom Markt verschwinden werden. Aufgrund unseres Produktprogrammes betrifft dies ebm-papst wesentlich weniger als viele unserer Marktbegleiter.

Bereits in den letzten Jahren haben wir ergänzend zu unserem Standardproduktprogramm ein sehr umfangreiches Produktprogramm auf Basis unserer EC-Motoren entwickelt, die die Grenzwerte deutlich überschreiten. Dies beschert uns einen Wettbewerbsvorteil. Somit sehen wir die Energiesparverordnungen nicht nur als sinnvoll sondern auch als Vorteil für ebm-papst an.

Elektronik: Ihre Wettbewerber aus Fernost werden alles daran setzen, dass sie den Technologievorsprung von ebm-papst so schnell wie möglich aufholen. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie diesen Vorsprung halten?

Rainer Müller: Wir befinden uns schon seit Jahren im Wettbewerb mit Herstellern aus Fernost, auch wenn uns bewusst ist, dass er sich in den nächsten Jahren  noch verschärfen wird. Um in diesem Umfeld weiterhin erfolgreich sein zu können, müssen wir den eingeschlagenen Weg fortsetzen und durch permanente Weiterentwicklung und neue Innovationen als Technologieführer dem Wettbewerb vorangehen. Durch umfangreiche Investitionen in Technik und Mitarbeiter sehen wir uns gut gerüstet für diese Aufgaben.

 

Mehr zum Thema: Auf dem Elektromechanik Kongress 2012, der am 25. September 2012 an der Hochschule Landshut stattfinden wird, wird Rainer Müller in seiner Keynote „Material- und Energieeffizienz in der Elektromechanik“ umfassend auf die Trends und die technischen Hintergründe eingehen. Gegenstand seines Vortrags wird unter anderem die Entwicklung von „grünen Lüftern“ mit Biowerkstoffen und bürstenlosen, elektronisch kommutierten Motoren sein.