Weitsichtige Produktstrategie bei Kondensatoren Innovationen - nicht von jedem sofort erkennbar

Elektrolytkondensatoren auf einer bestückten Elektronikplatine
Elektrolytkondensatoren auf einer bestückten Elektronikplatine

Hersteller erhalten immer dann verstärkt Aufmerksamkeit, wenn ein Produkt wirklich neu ist oder sich durch veränderte Eigenschaften von Bekanntem deutlich absetzt. Dabei sind es häufig die kleinen Verbesserungen, die Bauteile stabiler, höher belastbar, kleiner oder günstiger werden lassen. So auch bei Kondensatoren.

Mit steigenden Anforderungen, die Kundenapplikationen beispielsweise an Elektrolyt- oder Folienkondensatoren stellen, wird es immer wichtiger, dass man sich mit dem gewünschten Bauteil genauer auseinandersetzt. Dies gilt für den Anwender ebenso wie für den Hersteller, der die Bauteile anhand von Kundenvorgaben optimiert. Ein Katalog liefert dazu allenfalls eine Art Vorschlagsliste, in der die Kernparameter der Standardbauteile dargestellt werden. Der Anwender kann in der Regel aber nicht erkennen, welche zusätzlichen Optimierungspotenziale in einem Bauteil stecken.

Ebenso wenig kann der Board-Entwickler abschätzen, inwieweit seine Applikation eine echte technische Herausforderung für den Kondensator darstellt und ob kleine Veränderungen an Materialien oder Prozessen einen großen Einfluss auf die Lebensdauer und Zuverlässigkeit haben. Bei bürstenlosen, elektrisch kommutierten Gleichstromantrieben beispielsweise zeigt sich zum Teil erst nach längerer Betriebszeit, wie sehr die steilen Entladeflanken eine Belastung für den verwendeten Elektrolytkondensator darstellen.

Die Firma Jianghai hat deshalb über ortsnahe Vertriebsingenieure eine bedarfsgerechte technische Unterstützung eingerichtet. Die entsprechende Anlaufstelle nennt sich Capacitor Competence Center und stellt sicher, dass jederzeit mindestens ein erfahrener Ingenieur für die Fragen der Kunden zur Verfügung steht. Im Falle der bürstenlosen Antriebe wäre zum Beispiel zu prüfen, ob die im Elko verbaute Kathodenfolie vorformiert oder die spezifische Kapazität der Anodenfolie verringert werden sollte, um das Bauteil vor Schäden durch die Art der Beschaltung zu schützen.

Kundenspezifisch = teurer?

Kundenspezifische Lösungen sind bei Einkäufern nicht besonders beliebt, da diese dann Abhängigkeiten von einem Lieferanten und eine schwächere Verhandlungsposition bei der Preisfindung befürchten. Da die Produktion von Kondensatoren jedoch einem Baukastenprinzip folgt, bei dem die Kombination von (Standard-)Materialien für den jeweils zu fertigenden Typ zur Anwendung gelangt, ergeben sich für spezifische Lösungen keine höheren Herstellkosten als für Katalogtypen. Kundenspezifische Lösungen generieren nur dann Mehrkosten, wenn vom Standard abweichende Materialien oder besondere Prozessschritte erforderlich sind, um eine technische Lösung zu erzielen.

Innovationen entstehen oft aufgrund von technischen Herausforderungen, wenn sich Komponentenhersteller den gesteigerten Kundenwünschen stellen. Dazu ist eine enge und kooperative Zusammenarbeit zwischen Kunden und qualifiziertem Außendienst vonnöten, ohne den ein Bauteilehersteller schnell den technischen Anschluss und seine Wettbewerbsfähigkeit verliert. In Europa finden sich hierzu hinreichende Beispiele.

Kunden fordern üblicherweise kontinuierliche Effizienzsteigerungen und Qualitätsverbesserungen ein, die ein Hersteller im Falle der Kosten zum Beispiel durch einen höheren Automatisierungsgrad senken kann. Dadurch allerdings büßt er an Fertigungsflexibilität ein. Wächst die Anzahl der automatischen Linien, sinken die Möglichkeiten zu individuellen Lösungen und der Wille zur Kleinserienfertigung. Am leistungsstärksten sind Hersteller mit einem gesunden Mix aus beidem. Die Wettbewerbsfähigkeit zeigt sich dann einerseits in der Innovationskraft, andererseits in der kommerziellen Komponente durch effiziente Produktions- und Materialbeschaffungsprozesse.

Die vertikale Integration aller wichtigen, also die Qualität und Kosten maßgeblich beeinflussenden Fertigungsschritte in die eigene Produktionskette ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Damit erhöht sich auch der Innovationsgrad, wenn ein direkter Zugriff auch auf die Vormaterialien erfolgen kann.