Weidmüller Jahresbilanz 2019 Gegen den Trend – Kleines Umsatzplus auf 830 Mio. Euro

Leichtes Wachstum der Mitarbeiterzahlen nicht nur am Sitz von Weidmüller in Detmold.

Trotz Eintrübung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte konnte Weidmüller 2019 ein kleines Umsatzplus erwirtschaften. Der April 2020 brachte eine deutliche Abschwächung der Auftragslage, aber bisher kam das Unternehmen mit Instrumenten wie Kurzarbeit »passabel durch die Krise«.

Die Detmolder Weidmüller Gruppe blickt auf ein durchwachsenes Geschäftsjahr 2019 zurück. In einem sehr schwierigen Marktumfeld, für das der Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI) einen Umsatzrückgang von 1,8 % ermittelte, erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 830 Mio. Euro. Das entspricht einem Umsatzwachstum von knapp einem Prozent. »Angesichts der Eintrübung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind wir mit dem Ergebnis dennoch zufrieden«, stellte Vorstandssprecher und Technologievorstand Volker Bibelhausen fest. Während die erste Jahreshälfte 2019 noch durch eine stabile konjunkturelle Lage gekennzeichnet war, zeigte sich in der zweiten Jahreshälfte ein deutlicher weltweiter Abschwung. »Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen, sind aber zuversichtlich, dass wir diese nicht nur bewältigen, sondern auch daran wachsen werden. Der Einstieg in Zukunftsmärkte wie der Elektromobilität, aber auch die weitere Automatisierung und das Geschäft mit IIoT-Lösungen werden uns hier in Zukunft helfen«, erklärte Bibelhausen.
Die Veröffentlichung dieser Zahlen fand in diesem Jahr erstmalig, aufgrund der abgesagten Hannover Messe, im Rahmen einer Online-Pressekonferenz statt. »Die Hannover Messe ist stets eine hervorragende Möglichkeit, um mit unseren Kunden in den Austausch und Dialog über die neuesten technologischen Entwicklungen zu treten«, stellte Vertriebsvorstand Dr. Timo Berger die Bedeutung der Messe heraus. Das Detmolder Unternehmen wollte in diesem Jahr in Hannover mit vielen Produktneuheiten aufwarten und nicht zuletzt ihr 170-jähriges Firmenjubiläum feiern. Um seine Produktinnovationen zu präsentieren, setzt das Elektrotechnikunternehmen nun auf ein digitales Messeerlebnis für seine Kunden. »Hier zeigen wir, auch über den eigentlichen Messezeitraum hinweg, bis zum Sommer diesen Jahres, laufend Produkthighlights, bieten Online-Trainings und schalten nach und nach weitere technische Features für unsere Kunden frei. Wir machen sozusagen aus der Not eine Tugend«, erläuterte Berger.

Wachstum im Kerngeschäft und bei Digitalisierungslösungen

Weidmüller verzeichnete insbesondere im Bereich Tragschienenkomponenten, Markierer, Drucker, Montage und Beratung ein Wachstum von einem Prozent. Im Bereich intelligente Komponenten und Lösungen betrug das Wachstum sogar 6 %. »Getragen wurde das Geschäft hier von einer starken Nachfrage nach unserer neuesten Reihenklemmenfamilie sowie unseren Automatisierungsprodukten um u-remote sowie unseren Stromversorgungen«, erläuterte Bibelhausen. Lediglich der Bereich um die Geräte- und Feldverdrahtung sowie das OEM-Geschäft liegt mit minus drei Prozent unter Vorjahr. »Der Rückgang ist hier vor allem der hohen Empfindlichkeit und schnellen Reaktion der Kunden aus der Leistungselektronik bei konjunkturellen Schwankungen geschuldet«, ergänzte Bibelhausen. Wachstum verzeichnete hingegen der Bereich Feldverdrahtung, der vom ungebrochenen Trend der Dezentralisierung in der Automatisierung und Elektrifizierung maßgeblich profitiert.

Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion

Mit 53 Mio. Euro investierte Weidmüller 2019 mehr als 6 % seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Insgesamt beschäftigen sich 408 Mitarbeiter mit der Entwicklung neuer Lösungen und Produkte innerhalb des Unternehmens. Gleichzeitig investierte Weidmüller knapp 60 Mio. Euro in die Modernisierung und den Ausbau des weltweiten Produktionsnetzwerks. »Der Schwerpunkt lag hier auf der Fertigstellung des dritten Flügels unseres Kunden- und Technologiezentrums sowie unserer Produktionsstandorte in China, Thüringen und Rumänien«, erklärte Finanzvorstand André Sombecki. In China eröffnete Weidmüller im Juni, nach nur acht Monaten Bauzeit, ein neues, 14.000 m2 großes Produktionsgebäude. Und in Deutschland feierte man im Juni die Eröffnung einer neuen Produktionshalle am Standort in Wutha-Farnroda in Thüringen. »Die neue Fertigung ist ein weiterer Schritt für den Ausbau der TWG als Weidmüllers High-Tech-Standort für industrielle Steckverbinder- und Verkabelungslösungen«, erläuterte Sombecki. »Weitere Erweiterungen des Werkes sind geplant, um die komplexen verlängerten Werkbankstrukturen sukzessive aufzulösen und eine ablaufoptimierte, hochautomatisierte Fertigung zu gestalten«, führte Bibelhausen aus.

Digitalisierung und Automatisierung im Kerngeschäft rund um die Reihenklemme

In Weidmüllers Kerngeschäft rund um die Reihenklemme stärkt das Unternehmen seine Position durch die Etablierung von digitalen Services und weiteren Lösungen und Komponenten zur automatischen Bestückung und Markierung. Es geht hierbei darum, die Arbeitsabläufe und Prozesse für Schaltschrankbauer und Monteure durch aufeinander abgestimmte Fertigungsabläufe effizienter zu gestalten. »Mit dem ‚RailAssembler‘ haben wir hier eine Lösung im Angebot mit dem Reihenklemmen automatisiert auf einer Tragschiene montiert werden können«, erklärte Bibelhausen. »Dieser ergänzt unser vorhandenes Workplace Solutions Angebot für mehr Effizienz im Schaltschrankbau.« Die Vision, den Schaltschrankbau der Zukunft zu gestalten, verfolgt Weidmüller in der Initiative »Smart Cabinet Building« auch gemeinsam mit weiteren Unternehmen. »Damit profitieren unsere Kunden von durchgängigen, aufeinander abgestimmten Lösungen der jeweiligen Spezialisten auf dem Gebiet«, erläuterte Berger.