COG Quartalsmeeting Bauelemente-Einlagerung: Trügerische Sicherheit

Tim Becker, REACHLaw, informiert über Obsoleszentrisiken aufgrund der Chemikalienverordnung REACH.
Tim Becker, REACHLaw, informiert über Obsoleszentrisiken aufgrund der Chemikalienverordnung REACH.

Böses Erwachen auf dem Meeting der Component Obsolecence Group: Wenn Unternehmen Bauteile einlagern, kann die spätere Verwendung illegal sein.

Ein böses Erwachen gab es gestern für viele Besucher des turnusmäßigen Quartalsmeetings der Component Obsolescence Group (COG). Zu dem Treffen hatten sich rund 120 Vertreter von Unternehmen eingefunden, die sich über den Umgang mit Obsoleszenz-Risiken informierten.

In den meisten Fällen werden Bauteile aus Lebenszyklus- oder Wirtschaftlichkeitserwägungen von den Herstellern abgekündigt. Tim Becker, Legal Advisor der finnischen Kanzlei ReachLaw lenkte die Aufmerksamkeit auf die europäische Chemikalienverordnung REACH, die ebenfalls zur Abkündigung von Bauelementen führen kann, wenn diese Stoffe enthalten, die nicht mehr zugelassen sind.

Unternehmen, die ihre Produkte langfristig verfügbar halten müssen, schützen sich gegen frühzeitige Bauteilabkündigungen durch Bevorratung und Einlagerung kritischer Teile. Diese Einlagerung kann zehn, zwanzig Jahre und mehr andauern. Während dieser Zeit kann es nun passieren, dass Stoffe, die in diesen Bauteilen enthalten sind, nicht mehr zugelassen sind. Dann ist das Inverkehrbringen der eingelagerten Bauteile später ebenfalls nicht mehr zulässig – und die ganze Investition in Bevorratung und Einlagerung war für die Katz.

Wachsende Anforderungen

Die EU-Verordnung REACH soll sicherstellen, dass Chemikalien, die in der EU hergestellt, eingeführt und verwendet werden, keine Gefahr für Umwelt und Gesundheit darstellen und dass die gefährlichsten Stoffe schrittweise durch sichere Alternativstoffe ersetzt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei besonders bedenkliche Stoffe, die sog. »substances of very high concern«. Die Entscheidung, welche Stoffe in diese Kategorie fallen, obliegt der Europäischen Chemikalienagenture ECHA.

Wenn es für einen gefährlichen Stoff keine Alternative gibt, dann müssen Unternehmen, die solche Stoffe verwenden wollen, dafür eine Zulassung beantragen. Wird der Stoff dann in einem Produkt verwendet und überschreitet sein Anteil 0,1 Masseprozent, dann muss der Hersteller potenzielle Kunden und Verbraucher unabhängig von einem Kauf darüber informieren.

Die REACH-Verordnung enthält u.a. zwei Listen: Anhang 14 enthält die Liste der zulassungspflichtigen Stoffe, deren Verwendung die besagte Informationspflicht auslöst. Auf dieser Liste befinden sich derzeit 43 Stoffe. Anhang 17 enthält die Liste der Beschränkungen, bestehend aus 68 Stoffen, deren Verwendung entweder überhaupt nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen zulässig ist. Weiterhin hat die Chemikalienagenture ECHA eine »Kandiatenliste« mit derzeit 191 Stoffen, die für eine Zulassungspflicht oder Beschränkung in Frage kommen. Die Listen werden von der ECHA alle sechs Monate aktualisiert.

Unternehmen, die Bauteile bevorraten, laufen nun Gefahr, dass die eingelagerten Teile Stoffe enthalten, die während der Lagerzeit in eine der beiden Listen nach Anhang 14 oder 17 aufgenommen werden. Deshalb ist es ratsam, schon beim Design von Baugruppen auch die »Kandidatenliste« der ECHA zu beachten, und möglichst auch Bauteile ohne diese Stoffe zu verwenden.

Information und Unterstützung

Die Component Obsolescence Group (COG) schärft das Bewusstsein für Obsoleszenz-Probleme. Dazu finden quartalsmäßige Treffen mit informativen Vorträgen statt. Die COG definiert auch Prozesse, um z.B. den Umgang mit Obsoleszenzmeldungen zu automatisieren und setzt sich für die Einführung dieser Prozesse bei Lieferanten und Beziehern von elektronischen Bauelementen ein.