Kommentar FBDi Zukunftsmarkt Erneuerbare Energien

Wachsender Energiebedarf bei schwindenden Rohstoffen: Die Zukunft liegt in erneuerbaren Energien. Voraussetzung für die Realisierung von neuartigen Systemen ist eine leistungsstarke Elektronik. Genau hier kann die Bauteile-Distribution mit Erfahrung bei Produkten und Anwendungen punkten.

Das Ende der fossilen Energieträger ist in Sicht, dennoch steigt der Energieverbrauch kontinuierlich, sei es im Stromsektor (Haushalte/Industrien), im Wärmebereich (Wohnhäuser/öffentliche Gebäude) oder im Verkehrssektor (Fahrzeuge, Flugzeuge, Züge/andere Fortbewegungsmittel). In Deutschland ist der Energieverbrauch laut Umweltbundesamt seit Beginn der 1990er-Jahre kaum gesunken. Obwohl Energie immer effizienter genutzt und teilweise eingespart wird, verhindern Wirtschaftswachstum und Konsumsteigerungen einen deutlicheren Verbrauchsrückgang.

Wind- und Sonnenenergie sind die wichtigsten erneuerbaren Energieträger, gefolgt von Biomasse und Wasserkraft. Ziel der Bundesregierung ist es, ihren Anteil bis zum Jahr 2020 auf 18 Prozent (laut EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED I bzw. 2009/28/EG) und gemäß der Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II, die die 2008/28/EG ablöst, bis zum Jahr 2030 mindestens 32 Prozent zu steigern. Weil der Ausbau der erneuerbaren Energien ein Ziel der Europäischen Union ist, sind alle Mitgliedsstaaten gefordert.

Aktuell ist Wind der größte Stromlieferant unter den erneuerbaren Energien in Deutschland mit einer installierten Leistung von über 52 GW an Land und von 6,4 GW auf See in 2018. Die größten, derzeit auf dem Markt angebotenen Windenergieanlagen (WEA) besitzen eine Generatorleistung von über 7,6 MW – eine einzige davon erzeugt in einem Jahr so viel Strom wie rund 5700 Haushalte verbrauchen.

Die Sonnenenergie ist jährlich um rund 10.000 mal höher als der weltweite Bedarf an Energie. Mithilfe von PV-Anlagen wird die Sonneneinstrahlung direkt in Strom umgewandelt. Mit Werten zwischen 900 und 1200 kWh leistet die jährliche Sonneneinstrahlung in Deutschland einen wichtigen Beitrag zur Strom- und Wärmeversorgung. Die für die solare Nutzung geeignete Gebäudefläche beträgt 234.400 Hektar, wovon bisher allerdings nur 2,5 Prozent genutzt wurden.

Elektronik nimmt Schlüsselposition ein

Weitere Konzepte zur Energiegewinnung drängen auf den Markt, wie Biomasse oder die Nutzung von Gezeiten, Meeresströmungen und von Wellenbewegungen. Unabhängig vom Ansatz ist die (Weiter-)Entwicklung von Techno­logien in der Erneuerbaren-Energie-Branche ein wichtiger Fokuspunkt in der Forschung und Wirtschaft. Eines haben alle gemeinsam: neuartige Elektronik spielt eine Schlüsselrolle. In Windenergieanlagen treibt sie zum Beispiel die Rotoren an und gewährleistet, dass der Strom zuverlässig ins Netz eingespeist werden kann. In PV-Anlagen steckt sie unter anderem in Wechselrichtern als Voraussetzung zur Stromumwandlung. Keine Biogasanlage wäre funktionsfähig, ebenso wenig Geowärme-, Wasserkraft- oder Gezeitenkraftwerke und andere Systeme. Dazu kommen Stromspeichersysteme, lokale Verteilernetzwerke und intelligente Stromzähler. Bessere Antriebstechnik, Software, Infrastruktur – das bedeutet enormes Potenzial für die Elektronikbranche.

Genau hier kommen die Bauelemente-Distributoren ins Spiel, deren Geschäftsmodell sich in den letzten 25 Jahren enorm gewandelt hat. Heute sind sie Spezialisten in ihren Zielmärkten, betreiben People-to-People-Business und leisten als Mittler zwischen Hersteller und Kunden einen wesentlichen Beitrag zur Demand Creation.

Auftritt Distribution

Bei Distributoren erhalten Einkäufer und Entwickler herstellerunabhängige Beratung und fundierte Unterstützung bei Auswahl und Design-in von technisch und kommerziell geeigneten Komponenten für ihre Anwendungen. Man denke beispielsweise an eine Windenergieanlage) und ihr Antriebssystem, bei dem Steuerelemente mit Sensoren und dem Motor in einer möglichst kompakten Einheit integriert werden sollen. Dafür müssen Bauteile von unterschiedlichen Herstellern problemlos miteinander funktionieren und eine maximale Effi­zienz erzielen, damit das Projekt erfolgreich zum Abschluss kommt. Das klappt nicht ohne umfassendes Produkt-Know-how über die geeigneten Bauelemente, die Gesamtanwendungen und die speziellen Anforderungen des jeweiligen Markts. Beispielsweise sind für WAEs sehr raue Einsatzbedingungen maßgeblich, die von großer Hitze über Sturm bis hin zu Hagel und Eis reichen.

Wie in vielen anderen Industrien liegt auch bei der Gewinnung von erneuerbaren Energien der Fokus auf hochverfügbaren und zuverlässig funktionierenden Systemen. Auch das zeigt sich am Beispiel einer Windenergieanlage: Bei einer Größenordnung von 100 bis 1000 Kilowatt kosten der Aufbau und die Montage einschließlich Abnahme zwischen 600 und 870 Euro pro Kilowatt Leistung. Für ein Megawatt installierter Leistung fallen also durchschnittlich 735.000 Euro an. Wird nun die WEA aufgrund eines kaputten Bauteils funktionsuntüchtig, summiert sich der Ausfall je nach Dauer des Ausfalls schnell. Diese Rechnung hebt die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit von Austauschbauteilen auf ein neues Niveau.

Nicht nur bei der Gewinnung von Energie, sondern auch auf der Bedarfsseite besteht Unterstützungbedarf. So leisten Unternehmen, die energieeffizientere Systeme und/oder Geräte entwickeln, durch sinkenden Energieverbrauch einen Beitrag zu einer besseren Zukunft, bei gleichbleibender Lebensqualität. Oft sind sie von innovativen Ideen getrieben, für deren Umsetzung sie Know-how im Zusammenspiel der Komponenten benötigen. Hier steuert der Distributor nicht nur technische Expertise bei, sondern kann zudem mit seiner Kompetenz bei Design-in als wichtiger Partner für die Entwicklung auf Seiten der Hersteller fungieren.

Heute sind Distributoren vorausschauende Spezialisten mit unterschiedlich breitem Serviceangebot, das von Komponenten und Verfügbarkeit, End of Life (EoL), Traceability, Logistik bis hin zu Fachwissen in puncto anzuwendende Umweltregularien reichen kann. Wie auch immer sich die Leistungen gestalten – der Distributor übernimmt eine immer wichtigere Rolle.

Wirtschaftskraft

Erneuerbare Energien stehen bereit und warten auf ihre intelligente Nutzung. Jeder kann sich am dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligen und so die regionale Wertschöpfung durch Installation, Wartung und Betrieb fördern.

Kurz vor Jahresende 2018 hat die EU beschlossen, dass der Anteil der erneuerbaren Energien anstelle von bisher 30 Prozent nun neu 32 Prozent am Gesamtverbrauch erreichen soll, und dazu die Richtlinie(EU) 2018/2001 verabschiedet, die bis 30. Juni 2021 in nationales Recht in den einzelnen Ländern umzusetzen ist. Zudem sollen Verbraucher erstmals EU-weit ermächtigt werden, selbst Strom zu speichern und zu marktüblichen Preisen zu verkaufen.

Beim Ausbau innovativer Konzepte punktet Deutschland als weltweiter Technologieführer mit jahrelanger erfolgreicher Entwicklung auf dem Heimatmarkt. Kombiniert mit den neuen EU-Richtlinien ist eine steigende Nachfrage geradezu vorprogrammiert. Genug Potenzial also für die Distribu­tion, um mit ihrer Expertise eine treibende Rolle in diesem Zukunftsmarkt zu spielen.

 

Der Autor

Andreas Falke ist Geschäftsführer des Fachverbands der Bauelemente Distribution (FBDi). Zuvor bekleidete er verschiedene Positionen im Handel, davon 15 Jahre in Vertrieb und Marketing bei Arrow und 2,5 Jahre Einkaufsleitung in der Elektronikbranche.