Interview mit Axel Tripkewitz, FEEU »Wir stehen für Technologie!«

Axel Tripkewitz ist Geschäftsführer der Fujitsu Electronics Europe GmbH. In dieser Rolle treibt er seit November 2014 den Transformationsprozess des Unternehmens in Europa, aber auch auf globaler Ebene voran und verantwortet die Strategie sowie das operative Geschäft im Raum EMEA. Der studierte Betriebswirtschaftler begleitet die Entwicklung des Unternehmens bereits seit mehr als 25 Jahren. Als Vice President HR & Corporate Services war er unter anderem für den Bereich Compliance zuständig.
Axel Tripkewitz ist Geschäftsführer der Fujitsu Electronics Europe GmbH. In dieser Rolle treibt er seit November 2014 den Transformationsprozess des Unternehmens in Europa, aber auch auf globaler Ebene voran und verantwortet die Strategie sowie das operative Geschäft im Raum EMEA. Der studierte Betriebswirtschaftler begleitet die Entwicklung des Unternehmens bereits seit mehr als 25 Jahren. Als Vice President HR & Corporate Services war er unter anderem für den Bereich Compliance zuständig.

Zu Jahresbeginn wurde aus Fujitsu Semiconductor, der Vertriebsgesellschaft des Konzerns, die Fujitsu Electronics Europe GmbH, ein Distributor. Was sich ändert und welche Strategie nun verfolgt wird, erklärt FEEU-Geschäftsführer Axel Tripkewitz exklusiv im Elektronik-Interview.

Elektronik: Zum Jahresbeginn wurde aus Fujitsu Semiconductor die Fujitsu Elec­tronics Europe GmbH. Was änderte sich mit dem Namen?

Axel Tripkewitz: Bei Fujitsu hatte es in der Vergangenheit einige Veränderungen gegeben: Das MCU-Geschäft wurde an Spansion, jetzt Cypress, verkauft; darüber hinaus waren wir an der Gründung der Firma Socionext beteiligt, an der Fujitsu 40 Prozent der Anteile hält. Bei Fujitsu Semiconductor verblieb die Vertriebsgesellschaft, die seit Januar dieses Jahres unter Fujitsu Electronics Europe firmiert. Neben den bisherigen Produkten (ASIC, FRAM, Grafik-Controller) vertreiben wir jetzt auch weitere Angebote aus der Fujitsu-Welt (Shinko (Packages), FICT (High-End PCBs), MIFS (Foundry Services) und fügen daneben nun auch Produktlinien anderer Hersteller hinzu. Das ist für unseren Konzern kein Novum: Was viele nicht wissen, ist, dass Fujitsu Electronics in Japan bereits seit einiger Zeit den Vertrieb für ams und Osram in Japan verantwortet. Das Geschäft mit Third-Party-Produkten bauen wir nun sukzessive aus. Unsere drei Kernmärkte sind dabei Automotive, Communication und Industrial. Im Bereich Health Care werden wir ebenfalls weitere Aktivitäten starten, der als viertes Standbein dazukommt.

Elektronik: Meinen Sie mit Health Care stationäre Medizinanwendungen oder auch Wearables?

Tripkewitz: Natürlich auch Weara­bles. Allerdings werden wir uns hauptsächlich auf professionelle Anwendungen mit Messelektronik konzentrieren. Hier denken wir im Speziellen an die Ultra-Low-Power-Technologien, die von MIFS in einem Foundry-Modell angeboten werden. Durch die extrem niedrige Stromaufnahme der Schaltungen bieten sie sich insbesondere für Langzeitmessungen ohne zwischenzeitliche Aufladung an. Im kommerziellen Gesundheits- und Wellness-Bereich gibt es in Europa nur einen beschränkten Kundenkreis.

Elektronik: Bieten Sie auch kundenspezifische Anpassungen, z.B. für Leiterplatten?

Tripkewitz: Für kundenspezifische Anwendungen holen wir uns einen Partner ins Boot. Wir sehen uns eher als ein Mittler zwischen den Kunden und den Produktherstellern: Für unsere Kunden bringen wir u.a. die passenden Produkte und für die Hersteller das geforderte marktspezifische Know-how. Unser Ziel ist es, die Line Cards unserer Lieferanten entsprechend an den Marktbedürfnissen auszurichten. Auch werden wir unsere Aktivitäten im Bereich Marktentwicklung intensivieren: Wie entwickelte sich der Markt, was braucht der Markt und welche Trends tauchen auf? Dieses Wissen geben wir an beide Seiten weiter, sodass durch unseren Input neue Produkte und Innovationen entstehen können. Darüber differenzieren wir uns auch von anderen Distributoren.

Elektronik: Also ein bisschen wie eine Spürnase – die besten Dinge finden und zurückbringen?

Tripkewitz: Wir beobachten den Markt genau. Natürlich bedienen wir auch das klassische Distributionsgeschäft: Order Fullfilment – auch für niedrigere Margen. Aber nochmal zurück zu den Produkten: Neben den Halbleitern und anderen elektronischen Komponenten der Fujitsu-Welt nehmen wir auch Drittanbieter mit ins Portfolio. Dabei prüfen wir, ob die Hersteller unsere Line Card sinnvoll ergänzen und dem für uns sehr wichtigen Qualitätsanspruch genügen. So arbeiten wir mit TED, Tokyo Electronic Device, zusammen, der unter der Marke Inrevium eigene FPGA-Boards anbietet. Wir versuchen hier Synergien in zwei Richtungen zu erzeugen. Einmal durch das Zusammenbringen von Kunden und Lieferanten, aber auf der anderen Seite auch durch eine breitere Unterstützung unserer Kunden, denn in einem Foundry- oder ASIC-Projekt wird auch häufig ein FPGA fürs Prototyping benötigt.