Graham Maggs, Mouser Electronics »Wir haben die Talsohle durchschritten«

Graham Maggs, Mouser

»Natürlich war 2018 außergewöhnlich, mit langen 
Vorlaufzeiten und Allokation, massiver Nachfrage aus neuen Sektoren wie Automotive und 
Big Data/IoT-Implementierungen und der Reduktion des 
Lieferanten-Produktportfolios. Dennoch sind unsere Zahlen 
in ganz Europa fantastisch.«
Graham Maggs leitet das EMEA-Marketing-Team bei Mouser.

Der E-Commerce der Hersteller wird für Distributoren zur Herausforderung, sagt Graham Maggs, VP Marketing Europe bei Mouser Electronics. Deshalb will der Handelsparner vor allem bei der Produkteinführung unterstützen.

Herr Maggs, wie wird sich im Jahr 2020 der Elektronikmarkt im Allgemeinen und für die Distribution im Speziellen entwickeln?
Wir erwarten für 2020 einen leichten Aufwärtstrend. Der Markt hat sich in diesem Jahr nach einem zugegebenermaßen phänomenalen 2018 kaum bewegt, aber meiner Meinung nach haben wir die Talsohle durchschritten und sollten 2020 wieder ein moderates Wachstum erleben. Bei Mouser ist EMS der einzige Sektor, der wirklich gelitten hat, aber wir müssen zugestehen, dass unsere Performance im Jahr 2018 in diesem Sektor stark geprägt von Engpässen war, die jetzt zu großen Teilen nicht mehr bestehen.

Brexit und weitere mögliche »Handelskriege« haben natürlich eine Art Anstoßwirkung und es könnte daher sehr wohl zu spezifischen Engpässen auf einigen Gebieten kommen. Aufgrund der Tatsache, dass Mouser aus den USA liefert und wir weltweit in über 220 Ländern und Regionen unseren Geschäften nachgehen, sind wir allerdings guter Hoffnung, dass uns diese Probleme bereits bekannt sind und wir die geeigneten Notfallpläne parat haben.

Eine interessante Entwicklung ist der Versuch einiger Halbleiter- und Bauelementehersteller, ihren Supply-Chain-Vertragspartnern nahezulegen, nicht mehr an andere Distributoren zu verkaufen. Dies könnte den Markt erheblich stören und durcheinanderwirbeln, falls dies zu einem Trend werden sollte, dem sich viele große Namen anschließen.

Was werden nach Ihrer Meinung die wichtigsten Innovationen und Trends über die nächsten zwölf Monate sein?
Kurze Antwort – 5G und Elektromobilität. Ein bisschen ausführlicher – die Arbeit bei Mouser ist so spannend und erfüllend, weil wir mit den innovativsten Leuten zusammenarbeiten. Wir begleiten die Entwickler und Konstrukteure durch die Konzeptions-, Planungs-, Entwicklungs-, Versuchs- und Einführungsphase von Neuprodukten und das kann in absolut jedem Bereich sein.

Das IoT ist jetzt eine Art Unterbau für die meisten Sektoren, aber wir haben große Fortschritte in den Bereichen Smart Home/Factory/City, medizinische Behandlung, autonomes Fahren sowie Landwirtschaft erleben können.

Die 5G-Mobilfunktechnik bedeutet, dass jetzt Konzepte, die auf die Datenübertragung in Echtzeit angewiesen sind, umgesetzt werden können, und das ist ein riesiger und wachsender Schwerpunktbereich für Mouser. Ähnlich verhält es sich mit der Elektrifizierung von Autos und anderen Fahrzeugen, die jetzt als Tatsache akzeptiert ist und für viele technologische Entwicklungen als Treiber fungiert.

Haben sich die Anforderungen an Distributoren verändert? Und falls ja, in welchem Ausmaß?
Wir glauben, dass sich die Bedürfnisse der Kunden verändert haben. Und wir glauben, dass sie einen solch hohen Grad an Kundendienst benötigen, dass der nur von Unternehmen mit hochspezialisiertem Service erbracht werden kann. Mouser hat sich vielleicht nicht auf bestimmte Bauelemente oder Branchen oder Technologien spezialisiert, aber auf einen bestimmten Kundenkreis: Wir konzentrieren unsere Anstrengungen auf Entwickler und Designingenieure und möchten deren Design-Fulfilment-Partner der Wahl sein – der Distributor für die Markteinführung neuer Produkte. Wir sind gerne ein wenig anders und stellen die drei Dinge bereit, die sich die Kunden am meisten wünschen: ein riesiges und zeitnah verfügbares Inventar, eine Logistik- und Versandtechnik von Weltklasse und ein Zweigstellennetz vor Ort, in denen unsere Kunden mit uns über ihre Anforderungen sprechen können – ob es um Währungen, Lieferbedingungen oder sonst irgendetwas geht – und alles in Echtzeit mit einem Ansprechpartner, der sich mit den örtlichen Geschäftsgepflogenheiten bestens auskennt.

Sehen Sie Veränderungen in der Beziehung zwischen Hersteller und Distributor? Falls ja, welche?
Ja (lacht). Jeder Hersteller geht anders mit seinem Distributionsnetz um. An einem Ende der Skala befinden sich die, die eine wirkliche Partnerschaft mit ihren Distributoren pflegen. Am entgegengesetzten Ende diejenigen Hersteller, die den gewählten Distributor schon fast als Wettbewerber zu betrachten scheinen. Der E-Commerce ist ein besonders schwieriger Bereich, da viele Hersteller eigene Online-Handelsplattformen mit E-Stores betreiben, und das könnte für Distributoren eine ziemliche Herausforderung darstellen.

Gibt es aus Ihrem Unternehmen Neuigkeiten in Bezug auf Expansion, Strategie oder Ähnliches?
Mouser expandiert ohne Unterlass, sowohl an unserer Geschäfts- und Logistikzentrale in Texas als auch auf lokaler Ebene hier in Europa. In Texas sind wir unserer Planung weit voraus und rechnen bereits im ersten oder zweiten Quartal 2020 mit dem Abschluss der nächsten Phase unserer Expansion unseres Lagers und der Einführung von Robotern für unsere Logistik. Wir verfügen bereits über die USA-weit größte Anlage mit Lagerliften. In Europa haben wir die Belegschaft in unserer Münchner Hauptstelle erheblich verstärkt und neue Zweigstellen eröffnet.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Maggs.

 

 

Graham Maggs

kam im April 2010 zu Mouser und leitet das EMEA-Marketing-Team, an dessen Aufbau er über die Jahre maßgeblich beteiligt war. Er verantwortet das EMEA-Marketing für die Bereiche Lieferantenmarketing, Webmarketing, Werbung, Public Relations, Medien und Events.