Superkondensatoren Wahrhafte Kapazitätsriesen

Supercap-Module aus dem Hause Kemet Electronics
Supercap-Module aus dem Hause Kemet Electronics

Gold-Caps oder Super-Caps sind Wortschöpfungen, die sich Marketingabteilungen für Kondensatoren mit Kapazitätswerten bis 10.000 F ausgedacht haben. Die Experten Michael Knappmann, Peter Kokot und Ingo Möschl des Distributors Avent Abacus machen in diesem Interview deutlich, welch großes Potential in diesem Kondensatortyp steckt.

Meine Herren, welche Anbieter dieses Kondensatortyps sind in Zentraleuropa von Marktbedeutung?

Peter Kokot: Ich denke, man muss hier durchaus unterscheiden zwischen kleinen Bauformen, sogenannten Coin Cells, EDLCs mit Steck- und Schraubanschlüssen, Snap-in, Radial und den großen Modulen, da dort durchaus unterschiedliche Anbieter am Markt auftreten. Bei den kleinen Bauformen sind zweifellos Firmen wie Panasonic, NEC-Tokin (Kemet), AVX, Murata, Elna, Wima, CooperBussmann – heute Eaton – in Zentraleuropa stark vertreten. Bei den EDLCs mit Steck- und Schraubanschlüssen, Snap-in und bei Radialanschlüssen sind Firmen wie Rubycon, IOXIS (Kemet), Nichicon und Wima zu finden und bei den großen Modulen sind vor allem NessCap und Maxwell zu nennen, wobei in diesem Segment vieles über Direktvertrieb abgewickelt wird und nicht über Distributoren.

Warum werden ausgerechnet die großen Module über Direktvertrieb vermarktet und nicht über Distributoren?

Kokot: Auch wenn es überrascht – die Gewinnmargen sind dort deutlich schmäler, und für die Hersteller lohnt es sich einfach nicht, auch noch Distributoren dazwischen zu schalten. Die großen Module werden zudem auch nach kundenspezifischen Bedingungen angefertigt, die der Hersteller direkt mit dem Kunden abklärt.

Michael Knappmann: Sie dürfen nicht vergessen, dass bei den großen Superkondensatoren verstärkt auch chinesische Hersteller am Markt auftreten, die ihre ersten Kundenkontakte auf Fachmessen wie Electronica oder Embedded World mit Hilfe ihrer Gemeinschaftsstände knüpfen. Erst dann, wenn sie feststellen, dass die Kundenbasis hier in Europa extrem breit angelegt ist und dafür eine europäische Vertriebsstruktur aufgebaut werden müsste, kommen sie zu den Distributoren und nutzen deren Dienste.

Wenn wir jetzt schon bei den Wettbewerbern sind, die sich am Markt tummeln: Macht es Sinn, dass ihr als Distributor möglichst mehrere davon – und nicht nur einen – in eurer Linecard führt? Schlussendlich wollt ihr ja möglichst hohe Umsätze mit euren Kunden und Zulieferern gleichermaßen generieren. Doch eins plus eins ergibt nicht automatisch zwei.

Ingo Möschl: Auch wenn es wie Marketinggeplauder klingt: Maßgeblich ist ausschließlich, was der Kunde möchte. Und je mehr Anbieter wir im Programm führen, desto größer ist die Chance, dass er die gewünschten Bauteile bei uns vorfindet. Wenn wir gleichwertige Produkte verschiedener Hersteller anbieten können, so steht es dem Kunden frei, für welche er sich entscheidet. Können wir keine Alternativen anbieten, so hat der Kunde immer das Gefühl, dass wir ihm einfach nur unser Produkt verkaufen wollen.

Kommen wir zurück zum Superkondensator als solches! Ist der Vertrieb von Super-, Ultra- oder wie-auch-immer-Caps unter Umständen mit deutlich mehr Beratungsaufwand verbunden als bei einem Keramik-Vielschicht- oder einem Aluminiumelektrolyt-Kondensator?

Kokot: Je nachdem! Die kleinen Gold-Caps beispielsweise, die mit maximal 10 Farad unter anderem als Puffer für Echtzeituhren Verwendung finden, benötigen keinen besonderen Beratungsaufwand. Deutlich umfangreicher wird es bei kompletten Modulen, da hier eine ganze Reihe von Rahmenbedingungen abgefragt werden müssen, die das Lade- und Entladeverhalten dieser Module betreffen. Natürlich ist es auch wichtig zu wissen, wie lange diese Module sowie unter welchen Klima- und Temperaturbedingungen sie einwandfrei funktionieren müssen. Diese Rahmenbedingungen sind zum Teil in keinem Datenblatt berücksichtigt und müssen im Einzelfall mit Rücksprache beim Hersteller abgeklärt werden.