Dienst für KMU IoT-Dienst anbieten, ohne eigene IoT-Plattform zu entwickeln

Den Einstieg in das Internet der Dinge erschweren Hürden wie die Wahl des passenden Funkstandards oder das Programmieren vieler Schnittstellen. Eine Platform-as-a-Service-Dienstleistung hilft kleinen und mittelständischen Firmen mit White-Label- und Plug-in-Modellen, die Hindernisse zu überwinden.

Das Internet of Things (IoT) ist derzeit eine der stärksten Triebfedern für digitale Geschäftsmodelle. Indem sie elektronische Geräte, ob fürs Zuhause oder im Unternehmen, mit dem Internet verbinden, können Hersteller ihren Kunden mehr Kaufanreize bieten. Sensordaten und Fernsteuerung ermöglichen Zusatzfunktionen, mit denen sich neue Umsätze generieren lassen. Der Schlüssel dazu ist eine digitale Infrastruktur, über die alle Sensordaten, Steuerbefehle und Online-Transaktionen laufen. Mit solchen Plattformen machen die Tech-Größen dieser Welt ihr Geschäft. Doch wie sollen sich kleine und mittelständische Technikhersteller oder Dienstleister ohne bisherige Tech-Affinität den Aufbau einer IoT-Plattform leisten können? Die Antwort: Sie müssen es gar nicht. Denn die nötige Infrastruktur lässt sich auch als Platform as a Service (PaaS) nutzen.

Warum der Einstieg in den IoT-Markt so Attraktiv ist

Ohne smarte Steuerung ist bald alles uninteressant. Bis zum Jahr 2025 werden laut einer Prognose des Marktforschungsunternehmens IoT Analytics 21,5 Milliarden IoT-Geräte im Einsatz sein. Damit sind sie gegenüber nicht vernetzten
Produkten voraussichtlich fast zwei zu eins in der Überzahl. Dabei beschränkt sich der IoT-Markt nicht nur auf in Fernost produzierte Smart-Home-Gadgets, sondern umfasst auch hochpreisige Spezialprodukte und Dienstleistungen, die für hiesige Mittelständler infrage kommen.

Laut der Telekom-Studie „Das Internet der Dinge im deutschen Mittelstand” sehen 94 Prozent der befragten Unternehmen IoT als sehr relevant an. Tatsächlich betreiben sogar schon 84 Prozent eine IoT-Anwendung. Wegen der Wachstumschancen planen acht von zehn einen Ausbau der bestehenden IoT-Applikationen. Das dürfte den Umsatz des IoT-Gesamtmarkts in Deutschland schon dieses Jahr in eine Höhe von rund 50 Milliarden Euro schrauben, prognostiziert Deloitte.

Wer sich diese Wachstumschancen sichern und gegenüber den Playern seiner Branche wettbewerbsfähig bleiben will, kommt am Einstieg in den IoT-Markt daher nicht vorbei. Doch obwohl die Aussichten vielversprechend sind, sehen sich Hardware-Hersteller und Dienstleister beim Aufbau eines IoT-Plattformgeschäfts mit mehreren Herausforderungen konfrontiert.

Die drei größten Einstiegshürden ins IoT-Plattformgeschäft

Die quälende Frage nach dem richtigen Funkstandard

Um Sensordaten und Steuerbefehle zu übertragen, kommen für IoT-Anwendungen inzwischen viele leistungsstarke Funkstandards infrage. Ob ZigBee, Z-Wave, LoRa, DECT ULE, eine IP-basierte Variante oder gar ein ganz anderer Standard für das eigene System der passende ist, hängt von vielen Faktoren ab. Alle Optionen haben ihre Vorteile und Grenzen. Den besten oder richtigen Standard gibt es nicht.
Das ist für Hersteller unbefriedigend. Denn für die meisten ist es technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll, mehr als einen Funkstandard zu integrieren. Selbst die größten Tech-Giganten leisten sich keine zwei Funkprotokolle nebeneinander. Dadurch können Hersteller zunächst einmal nur einen kleinen Teil des Marktes erreichen. Schließlich werden noch auf lange Sicht verschiedene Standards mit entsprechend fragmentierter Anwenderschaft koexistieren. Um eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen, genügt es daher nicht, das eigene System zu perfektionieren. Ohne den Anschluss an eine Infrastruktur, die Systeme verschiedener Hersteller miteinander verknüpft, sind die Wachstumschancen sehr begrenzt.

API-Ressourcen als Flaschenhals

Für Elektronikentwickler bedeutet dies im Umkehrschluss: Sie müssen Programmierschnittstellen schaffen, damit IoT-Geräte verschiedener Marken untereinander kommunizieren können. Ein oder zwei große Marken und Systeme als zugkräftigen Anker per standardisierter API an das eigene System anzubinden, mag noch drin sein. Aber dann sind die Ressourcen vieler KMU-Betriebe auch schon ausgereizt. Gar eine komplette Plattforminfrastruktur mit Schnitt­stellen zu Geräten und Web-Services diverser Anbieter aus eigener Kraft zu stemmen, ist für mittelständische Markt­akteure unrealistisch. Das gilt für branchenfremde Dienstleister ohne Technik­expertise ebenso wie für langjährige Hardwarehersteller.

Der Wandel vom Hersteller von Hardware zu einem Service-Provider

Mit der Kompatibilität der Geräte alleine ist es womöglich noch nicht getan. Denn seinen wirklichen Mehrwert spielt das IoT-Equipment erst aus, wenn es sich nicht nur manuell auslesen oder fernsteuern lässt, sondern stattdessen auch automatisch informiert und Aufgaben ausführt.

Erst daraus können neben kostenlosen Zusatzfunktionen umsatzträchtige Premiumservices entstehen. Die dafür nötigen logischen Verknüpfungen lassen sich noch recht einfach und schnell programmieren. Doch dass die automatischen Abläufe in der Praxis in allen denkbaren Situationen zuverlässig reagieren, erfordert ein Testing, das die Arbeitsstundenzahl von Entwicklern schnell in astronomische Höhen schraubt. Der Wandel zum digitalen Service-Provider setzt eine zuverlässige Infrastruktur voraus, die Online-Transaktionen jederzeit reibungslos abwickeln kann. Diese aus eigener Kraft zu errichten, kostet Geduld, Zeit und Geld. Warum sollten Anbieter diesen Aufwand betreiben, wenn es auch einfacher geht?

Wie Hersteller und Dienstleister IOT-Hürden überwinden

Kurzum setzt ein erfolgreicher Einstieg in den IoT-Markt nicht nur leistungsstarke Hardware, sondern auch Know-how in der Softwareentwicklung und im Betrieb einer Cloud-In­fra­struktur voraus. Statt mit dem Aufbau eigener Ressourcen ins Risiko zu gehen, können Markteinsteiger sich externer Lösungen bedienen.

Mit einer schon etablierten IoT-Plattform ist es möglich, auf ein gewachsenes Ökosystem zuzugreifen. Der Platt­-form­betreiber stellt sicher, dass die Vielzahl bereits angeschlossener Geräte untereinander und zu den Neuzugängen kompatibel ist. Um das eigene System einzubinden, genügt eine einzige Programmierschnittstelle. Ein umfangreiches Set an Steuerungs-, Automatisierungs- und Visualisierungsfunktionen ist vom Start weg vorhanden und lässt sich auf die eigenen Geräte und Services anwenden. Damit sind alle drei Hürden für den Einstieg in den IoT-Markt auf einen Schlag beseitigt.

IoT-Plattform ´a la Carte

Als Partner in einer IoT-Plattform eingebunden zu sein, ist ein guter Ausgangspunkt für den Start in den IoT-Markt. Dadurch erhalten Einsteiger schneller die Aufmerksamkeit interessierter Nutzer. Das ist ideal für Firmen, die ganz am Anfang stehen und ihr Geschäftsmodell erst noch aufbauen.

Anders sieht es aus, wenn man bereits eigene digitale Vertriebs- und Kommunikationskanäle etabliert hat und dem vorhandenen Kundenstamm Zusatzfunktionen bieten möchten. Dann ist stattdessen eine Platform-as-a-Service (PaaS)-Dienstleistung eine effektivere Starthilfe für den Aufbau eines neuen IoT-Standbeins. Bei PaaS docken Kunden nicht an eine IoT-Plattform an, sondern drehen den Spieß um. Die Plattform wird zum Teil des Angebots und des Markenauftritts. So bleibt die Optik gewahrt und die Kunden verbinden den Mehrwert mit der Herstellermarke und nicht mit dem Betreiber der IoT-Plattform.

Abhängig vom Bedarf können Hersteller und Dienstleister die gesamte Plattformfunktionalität im eigenen Look and Feel anpassen lassen und ihren Kunden zugänglich machen. Als kleinere PaaS-Alternative zu diesem White-Label-Modell bietet sich ein Plug-in-Modell an. Dabei wählt man nur die gewünschten Funktionen und bindet diese in vorhandene Apps und Cloud-Services ein. Flexibel bleiben und nur das verwenden, was man braucht – das ist der zentrale Ansatz von IoT-Platform-as-a-Service, den Conrad Connect verfolgt. Ein Beispiel, wie ein Kunde von einem Plug-in-Modell profitiert, zeigt, wie das in der Praxis funktioniert.

Smarter Energie Service als Platform-AS-A-Service

Wie ein Dienstleister ohne bisherigen Bezug zum Internet of Things ein IoT-Geschäftsmodell aufbauen kann, zeigt das Beispiel eines norwegischen Energieversorgers. Er nutzt Conrad Connect als Platform-as-a-Service, um seinen Kunden einen Mehrwert über die Stromversorgung hinaus zu bieten. Mithilfe von Conrad Connect hat das Unternehmen eine vorhandene Kunden-App um IoT-Funktionen erweitert. Dadurch können die Haushalte jederzeit den Verbrauch ihrer elektrischen Geräte visualisieren, überprüfen, optimieren und steuern. Das versetzt die Bewohner in die Lage, beispielsweise smarte Heizungsthermostate effizienter zu regulieren und E-Autos bevorzugt zu bestimmten Zeiten aufzuladen, und zwar dann, wenn der Strom günstig ist. Denn anders als in Deutschland ist es in Norwegen verbreitet, dass die für Endverbraucher gültigen Strompreise im Stundentakt variieren.

Die gewohnte Markenoptik und bewährte Nutzerführung der bereits im Markt etablierten App bleibt trotz des neuen technischen Unterbaus unangetastet. Ergänzt hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Conrad Connect lediglich die Möglichkeiten, Daten zu visualisieren und Vorgänge anhand von Regeln zu automatisieren.

Auf diese Weise konnte der Energieversorger ohne Medienbruch ein bestehendes App-Angebot aufwerten. Er musste dafür keine eigenen Ressourcen in die Entwicklung einer IoT-Anwendung investieren. Um das Angebot aus eigener Kraft zu realisieren, hätte er Neuland betreten müssen. Zum einen sind Schnittstellen zu allen von den Kunden ver­wendeten IoT-Geräten erforderlich. Zum anderen setzt das dynamische Steuern von elektronischen Geräten intelligente Automatisierungsregeln voraus.

Im Ökosystem von Conrad Connect sind Geräte von mehr als 100 Herstellern verknüpft und automatisierbar. Über die PaaS-API bindet der Energieversorger das komplette Hardware-Portfolio und die Steuerungsfunktionen einfach in seine App ein. Um Geräteanbindung und Cloud-Betrieb kümmert sich Conrad Connect. Der Energieversorger hingegen kann sich darauf konzentrieren, seine digitalen Geschäftsmodelle auszubauen und dadurch ein modernes Kundenerlebnis zu bieten.

PaaS macht den IoT-Markteinstieg leicht

Die Marktentwicklung zeigt deutlich: Vernetzten Lösungen gehört die Zukunft. Die Aussichten für den IoT-Markt sind attraktiv. Wer sich seine Chancen sichern will, wartet nicht länger mit dem Einstieg. Eine breite Marktdurchdringung ist aber nur möglich, wenn Geräte und Services als Teil von IoT-Plattformen mit Angeboten anderer Hersteller interagieren können. Für kleinere und mittlere Hersteller oder Dienstleister ist der Aufbau einer eigenen IoT-Plattform keine realistische Option. Dazu ist der Markt zu weit entwickelt und der Aufwand zu groß. Auch ist der Faktor Zeit mittlerweile höher zu bewerten, als die reinen Investitionskosten.

Sich einer vorhandenen IoT-Plattform anzuschließen, liegt daher nahe. Doch bei herkömmlichen Alternativen laufen gerade KMU-Hersteller Gefahr in der Markenvielfalt übersehen zu werden oder nur IoT-Funktionalität von der Stange bieten zu können.

Sich stattdessen für eine IoT-Platform as a Service zu entscheiden, bietet gleich mehrere Vorteile. Dadurch können Unternehmen professionelle IoT-Anwendungen in kürzester Zeit in ihr Geschäftsmodell integrieren, ohne eigene Entwicklungsressourcen aufbauen zu müssen. Gleichzeitig bleiben sie für ihre Kunden mit dem gewohnten Markenauftritt sichtbar und bieten ihnen mit maßgeschneiderten IoT-Funktionen Kundenerlebnisse, die sich vom Wettbewerb abheben.

 

Der Autor

 

 

Andreas Bös

ist Vice President von Conrad Connect, einer der führenden IoT-Projektplattformen in Europa. Bös verfügt über langjährige Erfahrung in der IT- und Elektrobranche, im Smart-Home- und IoT-Bereich sowie im Innovationsmanagement. Vor seiner Zeit bei Conrad Connect war er unter anderem Head of New Business & Innovations bei der Conrad Electronics SE. Unter seiner Leitung entstand 2016 das Spin-off Conrad Connect, dessen Team Bös führt. Mit Conrad Connect digitalisieren und automatisieren Betriebe schnell und einfach Geräte, Produkte und interne Abläufe mittels IoT.