Nachfolge richtig vorbereiten Wie klappt die Unternehmensübergabe?

Vorbereitungen für die Nachfolge in der Unternehmeretage.
Vorbereitungen für die Nachfolge in der Unternehmeretage.

Viele Unternehmer schieben das Thema Unternehmensnachfolge auf die lange Bank. Doch dadurch gefährden sie oft ihr Lebenswerk, denn nicht nur die Suche nach einem geeigneten Nachfolger, auch eine geordnete Unternehmensübergabe erfordert Zeit.

Viele Unternehmer verhalten sich, als seien sie unsterblich. Sie verschieben das Regeln ihrer Nachfolge immer wieder auf später – oft so lange, bis zum Beispiel aufgrund gesundheitlicher Probleme ein geregelter Stabwechsel unmöglich ist. Häufig bedeutet das für den Betrieb das Aus. Etwa 5.000 Fami­lienunternehmen ereilt Jahr für Jahr dieses Schicksal. Eine häufige Ursache, warum keine geordnete Übergabe
erfolgt, ist: Die Firmeninhaber unterschätzen, wie schwer ihnen emotional das Ausscheiden aus ihrem Betrieb fällt. Deshalb befassen sie sich im Vorfeld nicht ausreichend mit den folgenden grundlegenden Fragen:

  • Will ich die Macht zum gegebenen Zeitpunkt überhaupt abgeben?
  • Würde ich es ertragen, wenn zum Beispiel eines meiner Kinder ein besserer (oder schlechterer) Unternehmer als ich wäre?
  • Was fange ich nach dem Ausscheiden mit meiner Freizeit an?

Eine Perspektive entwickeln

Die Folge: Sie haben weder eine klare Perspektive für ihr Unternehmen, noch dafür, wie sie ihr Leben nach dem Stabwechsel gestalten sollen. Entsprechend wankelmütig sind sie oft in ihren Beschlüssen, und entsprechend schwer fällt es ihnen, zum Stichtag wirklich loszulassen. Stattdessen versuchen sie, auch nach ihrem offiziellen Ausscheiden das Geschehen in »ihrem Betrieb« noch zu beeinflussen. Das hat fatale Folgen für die Position des Nachfolgers. Denn die Mitarbeiter registrieren das und denken: »Der Alte traut seinem Nachfolger nicht.« Also trauen auch sie dem »Neuen« nicht.

Besonders groß ist die Gefahr, wenn es sich beim Nachfolger um den Sohn oder die Tochter handelt – aufgrund der emotionalen Familienbande. Darum sind gerade hier klare Absprachen nötig, wie die Übergabe geregelt wird und
wer was im Verlauf dieses Prozesses zu sagen hat.

Nicht zur Nachfolge zwingen

Viele Unternehmensübergaben scheitern bereits daran, dass dem Nachfolger die nötige Qualifikation fehlt. Das ist bei Familienbetrieben besonders oft der Fall, denn dort erfolgt die Auswahl des Nachfolgers meist nur bedingt nach dem Kriterium Eignung. Die Maxime lautet vielmehr: »Hauptsache, mein/unser Lebenswerk bleibt in der Familie.« Deshalb ist ein Scheitern oft vorprogrammiert.

Am Beginn jeder Nachfolgeregelung sollte deshalb eine genaue Prüfung stehen: Verfügt mein Sohn oder meine Tochter über das nötige Potenzial und die erforderlichen Persönlichkeitsmerkmale, um mittel- oder langfristig den Betrieb zu führen? Und mindestens ebenso wichtig: Ist die Übernahme des elterlichen Betriebs überhaupt mit den Lebensvorstellungen meines Sohns oder meiner Tochter vereinbar? Denn wenn die Kinder nicht voller Überzeugung »Ja« zur Firmenübernahme sagen, sind sie auch nicht mit Herzblut dabei.

Für das erfolgreiche Führen eines Familienbetriebs ist das jedoch überlebenswichtig. Erst nach dieser Prüfung sollte gemeinsam die Entscheidung getroffen werden, ob der Nachwuchs eventuell in die elterlichen Fußstapfen tritt. Die Entscheidung sollte, solange die Vorbereitung dauert, eine vorläufige sein. Schließlich entwickelt sich der potenzielle Nachfolger in der Zeit auch persönlich weiter. Das heißt, seine Wünsche, Bedürfnisse und Lebensziele verändern sich.

Die Planung früh beginnen

Die Vorbereitung auf die Nachfolge sollte mindestens zwei bis drei Jahre dauern. Sie kann sich jedoch auch darüber hinaus erstrecken – abhängig davon,

  • ob ein Familienmitglied früh als Nachfolger aufgebaut wird und die Planung entsprechend langfristig ist,
  • welche Voraussetzungen der potenzielle Nachfolger bereits erfüllt,
  • wie komplex die Geschäftstätigkeit des Unternehmens und herausfordernd die künftige Geschäftsführertätigkeit ist und
  • welche Optimierungsmaßnahmen in operativer, steuerlicher oder finanzieller Hinsicht vor und in Zusammenhang mit der Unternehmensübergabe getroffen werden sollen.

Entsprechend früh sollten sich Firmeninhaber Gedanken darüber machen, wer das Unternehmen nach ihrem Ausscheiden weiterführen könnte, denn dann haben sie noch die Wahl:

  • Bereite ich eines meiner Kinder oder einen Mitarbeiter langfristig auf die Übernahme vor oder
  • suche ich einen geeigneten Nachfolger von außen?

Erfolgt die Nachfolgersuche hingegen kurzfristig, können sie nur hoffen, einen geeigneten »fertigen« Nachfolger zu finden – einen Nachfolger, der zudem bereit und fähig ist, das nötige »Kleingeld« zu investieren. Läuft der Prozess auf einen Unternehmensverkauf hinaus, muss das nicht die schlechteste Lösung für den Verkäufer und das Unternehmen sein. Sowohl Wettbewerber, als auch Family-Offices können langfristig sichere Häfen für den Betrieb, seine Weiterentwicklung und die Mitarbeiter sein.