Digitale Personalvermittlung Wenn der Robo-Recruiter hilft

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IDG Research Services und der Personaldienstleister Experis haben Freiberufler und Firmen zur Zukunft der Personalvermittlung befragt.

Wird künstliche Intelligenz (KI) die Personalvermittlung verändern? Die Meinungen dazu gehen auseinander: Während Firmen einen Nutzen in der Technologie sehen, erwarten die Bewerber keine großen Veränderungen. Das zeigt eine Studie von IDG Research Services und des Personaldienstleisters Experis.

Unternehmen versprechen sich von künstlicher Intelligenz vor allem Hilfe bei der Auswahl externer Mitarbeiter wie Programmierern oder IT-Beratern, deren Bedeutung stark zugenommen hat. So setzten in den letzten 12 Monaten 70 Prozent der befragten Unternehmen freiberufliche IT-Fachkräfte ein. Auch der Anteil von nicht angestellten Arbeitskräften an der Belegschaft steigt.

Eine Entwicklung, die dazu führt, dass Personalabteilungen immer mehr Zeit in die erneute Anwerbung und Beauftragung von IT-Experten stecken. Dabei werden Referenzen stetig wichtiger: Eine bestätigte Beurteilung der Leistungen der externen IT-Fachkraft aus vergangenen Projekten liegt auf Platz zwei der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl von Externen.

»Gerade IT-Fachkräfte werden oft in erfolgskritischen Projekten eingesetzt. Das Risiko einer Fehlentscheidung muss bei der Auswahl minimiert werden«, sagt Sonja Pierer, Geschäftsführerin bei Experis, der Personalvermittlung für IT-, Engineering-, Finance & Accounting- und Healthcare-Berufe. »Ideal sind Erfahrungswerte aus vergangenen Projekten. Zusätzlich müssen die Profile der Fachkräfte qualitativ hochwertig sein.« Eine weniger wichtige Rolle spielen dagegen die räumliche Nähe des Kandidaten oder eine große Auswahl von Bewerbern.

KI spart Zeit

»Robo-Recruiting« ist dabei aus Sicht der Unternehmen ein möglicher Weg, die Personalsuche zu automatisieren und effizienter zu machen. Fast 80 Prozent glauben, dass sich mit Algorithmen viel schneller geeignete Freiberufler finden und vermitteln lassen. 21,9 Prozent stimmen »voll und ganz« zu. Ganz anders dagegen ist die Sicht der Freelancer: Von ihnen glauben nur 35 Prozent an den Nutzen von Algorithmen bei der Suche nach IT-Fachkräft, während über 50 Prozent keinen Vorteil darin sehen.

Dass mithilfe von Algorithmen aber die Vorauswahl der Kandidaten verbessert werden kann, steht sowohl für Unternehmen als auch für Freiberufler fest. Das gelte allerdings eher für einfache Ausschreibungen wie »Suche einen Java-Entwickler für drei Monate« und nicht für komplexe IT-Projekte – sagen 76,3 Prozent der Unternehmen und 64,9 Prozent aller Freiberufler.

Arbeitsverträge in der Blockchain

Technik kann nicht nur bei der Mitarbeitersuche, sondern auch in der Zeit danach unterstützen. Denn ist der passende Freelancer gefunden, kommt weitere Arbeit auf die Personalabteilungen zu. Sie müssen Verträge ausarbeiten, Zahlungen veranlassen oder eine Verlängerung der Beschäftigung verhandeln. Hier kann die Blockchain-Technologie helfen: Sie wird bei Arbeits- und Werkverträgen von IT-Freelancern mit sogenannten »Smart Contracts« eingesetzt.

Dabei können Vertragsdetails in einer Blockchain hinterlegt und Abläufe automatisiert werden – etwa eine Abschlagszahlung nach erreichtem Projektstatus. »Mit zunehmender Verbreitung der externen IT-Mitarbeiter steigt die Komplexität. Personaler wünschen sich Unterstützung. Die Bedeutung von reibungsloser Abwicklung und transparenten Prozessen nimmt zu«, sagt Pierer. »Blockchain kann helfen, Prozesse automatisiert abzuwickeln und Daten verfügbar zu machen.«

 

 

Über die Studie

Die Ergebnisse der Studie »IT-Freiberufler 2019« ermittelte IDG Business Research Services im Rahmen einer Onlinebefragung, für die insgesamt 1016 qualifizierte Interviews geführt und analysiert wurden. Unter den Befragten waren 625 IT-Freiberufler und 391 Unternehmen, die IT-Selbständige einsetzen. Untersuchungszeitraum war vom 26. Februar bis 15. März 2019.