Studie So ticken Deutschlands Weltmarktführer

Wie teicken Deutschlands Weltmarktführer?

Die Studie »Best Strategy 2018« der Unternehmensberatung Staufen zeigt: Weltmarktführer wird ein Unternehmen weder über Nacht noch aus Zufall.

Der »German Mittelstand« agiert weiter höchst erfolgreich auf den internationalen Märkten. Doch was sind die Grundlagen für diese starke Positionierung? Ganz klar die besseren Produkte und Leistungen, sagen selbstbewusst 72 Prozenten der deutschen Industrie-Champions. Das zeigt die Studie »Best Strategy 2018: Was deutsche Weltmarktführer besser machen« der Unternehmensberatung Staufen.

Auch Service und Kundennähe sowie Innovationsfähigkeit machen die Unternehmen laut der Befragung von mehr als 200 deutschen Weltmarktführern zu den Spitzenreitern in ihrer Branche oder ihrem Segment. So können sie es sich leisten, im Wettbewerbsvergleich auch etwas langsamer zu sein und nicht gerade zu den günstigsten Anbietern zu gehören (Bild 1). Doch die Zeiten stehen auf Wandel: Sich auf dem Erreichten auszuruhen dürfte für Spitzenunternehmen in der nahen Zukunft nicht in Frage kommen.

 

Der nächste Sprint wartet schon

Und Trägheit kann den Industriechampions aus deutschen Landen auch nicht vorgeworfen werden. In den vergangenen drei Jahren haben 84 Prozent einen spürbaren Veränderungsprozess durchlaufen. Ganz verweigert hat sich dem nur eine sehr kleine Minderheit. Einer der herausragendsten Treiber ist dabei die digitale Transformation. Nicht nur, dass Produkte und Leistungen schon jetzt digital gedacht werden müssen, sie werden sich auch immer schneller überholt haben. Innovationszyklen ziehen gewaltig an, wo man früher nach einem bahnbrechenden Produktlaunch durchatmen konnte, beginnt heute schon wieder der nächste Sprint.

Ob sich heutige Weltmarktführer weiterhin erlauben können, eher zu den langsamen am Markt zu gehören, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall müssen sie sich einem weit unerbittlicheren Innovationswettbewerb als in der Vergangenheit stellen. Und die meisten sind bereit, diese Herausforderung anzunehmen (Bild 2). Die größten Veränderungen wurden im Bereich der Innovationsstrategie angestoßen. 77 Prozent der Weltmarktführer gehen hier neue Wege.

Das Potenzial neuer Geschäftsmodelle heben

Das macht sich bereits bei den Produkten bemerkbar, sieben von zehn Unternehmen haben ihr Portfolio angepasst. Dennoch steht man erst am Anfang, wenn es darum geht, die Chancen von Industrie 4.0 voll auszuschöpfen. Noch machen die Unternehmen eher vorsichtige Schritte in Richtung neuer Wertschöpfungspotenziale. Weniger als die Hälfte hat das Serviceangebot verändert – dabei sind doch gerade hier Produkterweiterungen mit digitalen Dienstleistungen naheliegende Handlungsräume. Auch die Königsdisziplin der Transformation, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, zeichnet sich erst allmählich am Horizont ab.

Gerade hier drängt die Zeit ganz erheblich. Von Plattformökonomie bis digitalen Optimierungslösungen, die IT-Branche schläft nicht. Sollten die traditionellen Industrien im digitalen Wandel nicht an Fahrt gewinnen, riskieren sie, dass ihnen unter Umständen kleine, wendige Startups das große Geschäft der Zukunft streitig machen.

Innovation entsteht in den Köpfen

Beim Wettlauf Richtung Industrie 4.0 ausschließlich auf Technik zu setzen, ist sicherlich ein Irrweg. Auch wenn künstliche Intelligenz mit gewaltigen Schritten voranschreitet: Innovationen entstehen nicht in den Computern, sondern in den Köpfen. Gerade was den Faktor Mensch angeht, haben selbst die Spitzenunternehmen noch einiges nachzuholen.

Das betrifft allem voran die Unternehmenskultur. Noch mehr als ein Drittel setzt auf das Führungsprinzip Command & Control, dort bestimmen also hierarchisches Denken und Kennzahlen. Der Manager alter Schule dürfte aber bereits jetzt schon an seine Grenzen stoßen. Viel zu schnell verändern sich Märkte, Trends und Technologien, als das einzelne Köpfe noch ihre Informationsmacht ausspielen könnten. Unternehmen, die im zunehmend volatilen Technologiegeschäft vorne mitmischen wollen, müssen ihre Mitarbeiter einbinden, begeistern und in ihren Fähigkeiten weiterentwickeln.

Top-Unternehmenskultur bedeutet Top-Rendite

Verkannt wird dieses Thema in den Unternehmen nicht. Immerhin haben 67 Prozent der Befragten die Unternehmenskultur in den vergangenen drei Jahren spürbar verändert. Klar zurück liegt dahinter noch die Mitarbeiterqualifikation, wo 59 Prozent der Betriebe Fortschritte gemacht haben. Positiv betrachtet sind das aber immerhin schon mehr als die Hälfte, durchaus vielversprechende Ergebnisse also – mit einer Einschränkung: Vielerorts scheint es noch an der echten Überzeugung zu mangeln. Befragt man die Unternehmen, welche Faktoren für ihren Erfolg verantwortlich sind, belegen sowohl Unternehmenskultur wie auch die Personalpolitik die hintersten Plätze.

Vielleicht ändert sich das in naher Zukunft, denn die Betriebe spüren bereits den Marktdruck, der ihnen auch eine neue Identität abfordert. 94 Prozent der Unternehmen sind davon überzeugt, die Qualifizierung von Mitarbeitern wie Führungskräften werde schon bald eine entscheidende Grundlage für weitere Erfolge. 91 Prozent bestätigen dies auch für den Wandel des Führungsverhaltens in Richtung Lean und Agilität. Schon heute legen die Zahlen nahe, dass sie damit richtig liegen. Unter den Unternehmen mit überdurchschnittlicher Rendite sind Firmen, die sich zu ihrer Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor bekennen, deutlich überrepräsentiert (Bild 3).