Unternehmensstrategie Innovation ja, aber wie?

Wie kann ein Unternehmen Platz für Innovation schaffen?
Wie kann ein Unternehmen Platz für Innovation schaffen?

Der Markt verändert sich ständig und Unternehmen müssen ihre Produkte und Dienstleistungen anpassen können, um zu überleben. Doch wie kann das Thema Innovation und Ideenfindung pragmatisch, effizient und mit vertretbarem Risiko angegangen werden, ohne gleich die ganze Firma umzubauen?

Neue Produkte und Dienstleistungen sind für Unternehmen überlebenswichtig. Wer sich jedoch ausschließlich auf die reine Weiterentwicklung bestehender Produkte fokussiert, kann im schlimmsten Fall disruptiv vom Markt gefegt werden. Denn was nutzt ein noch besseres Gerät, wenn dessen Aufgabe bereits auf völlig neue Weise von der Konkurrenz gelöst wird? Welche Alternativen können noch helfen, wenn sogar das gesamte Geschäftsmodell überflüssig geworden ist und die Firma dadurch unterzugehen droht?

Heute stehen für eine Anpassung an eine sich wandelnde Situation oft nur wenige Monate zur Verfügung. Aus diesem Grund sollten bereits vor dem Eintritt dramatischer Veränderungen Ideen gesucht werden.

Bewährtes beibehalten

Unternehmen im industriellen Umfeld sind mit ihrer technisch geprägten Handlungsweise bisher sehr erfolgreich. Viele Geschäftsführer sind Ingenieure: Sie denken und handeln strukturiert, gradlinig und faktenorientiert. Sie haben ihren Markt und die direkte Konkurrenz im Blick und ihre Entscheidungen und Ideen trugen maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens bei. Doch der Markt verändert sich und Bedrohungen können aus völlig neuen Richtungen kommen.

Darum kann es riskant sein, ausschließlich auf gewohnte Strategien und Vorgehensweisen zu setzen. Technische Kompetenz ist noch immer wichtig, aber sie alleine reicht heute nicht mehr aus. Die besten Ideen entstehen dann, wenn die Grenzen der eigenen Disziplin überschritten werden und Inspiration auf anderen Gebieten geholt wird.

Entscheidungsvorbereitung, die Art der Ideenfindung und der Blick auf den Markt sollten sich genau wie Produkte und Prozesse weiterentwickeln und verbessern. Führungskräfte kennen trotz ihrer Position nicht alle Antworten. Außerdem sind Teams erfolgreicher als Einzelkämpfer. Doch auf welche Kompetenzen können Unternehmen zugreifen, um sich zu verbessern?

Sicht der Dinge

Jedes Unternehmen ist ein komplexes Wertschöpfungssystem. Die Vielfalt der Mitarbeiterpersönlichkeiten – ihre Funktionen, Erfahrungen, Wissen und Kreativität – ist eine oft vernachlässigte Ressource. Jeder sieht die Welt anders und jeder hat aus seinem Blickwinkel eine korrekte Sicht auf die Dinge (Bild 1).

Die gewonnenen Erkenntnisse und der Fokus einzelner Abteilungen können sich dabei direkt widersprechen: Die Buchhaltung hat die Bonität der Kunden im Blick, der Vertrieb die Kundenbeziehung, Einkäufer wollen die preiswertesten Teile beschaffen, der Service würde sich dagegen über die haltbarsten Komponenten freuen. Marketing, Auftragsabwicklung, technische Beratung oder Geschäftsleitung sind an völlig anderen Kontaktpunkten am Marktgeschehen beheimatet. Dadurch entsteht im Idealfall aus den Abteilungsansichten ein perfekter Rundumblick auf den Markt, die Kunden und deren Bedürfnisse (Bild 2).

Leider stehen dem Idealfall eingefahrene Ansichten, Silodenken und Konflikte gegenüber. Oft wird empfohlen, dass Unternehmen agil geführt werden sollen, mit flachen Hierarchien, unternehmerisch denkenden Mitarbeitern und Vorgesetzten, die den nötigen Freiraum geben und eine wertschätzende Fehlerkultur pflegen. All diese Punkte sind für ein erfolgreiches Unternehmen wünschenswert, aber keinesfalls schnell umsetzbar.

Kurzfristiger Ansatz

Menschen wollen sich einbringen. Doch sie tun dies nur, wenn ihre Beiträge auch gehört und berücksichtigt werden. Für Unternehmen ist es wichtig, die Beiträge strukturiert für ihren Innovationsprozess nutzen zu können. Natürlich findet der Austausch zwischen den Abteilungen eines Unternehmens bereits statt. Im Unterschied zu üblichen Meetings gelten bei der Ideenfindung jedoch andere Regeln. Es ist möglich, Ideen mit Methoden und Tools herauszulocken. Das funktioniert allerdings nur in einer ideenfreundlichen Atmosphäre. An dieser Stelle ist eine externe Anschubhilfe gut investiertes Geld. Wer die Macht seiner bislang nicht genutzten Ressourcen erkunden möchte, kann dies beispielsweise in Innovationsworkshops ausprobieren.

Jeder Mensch begreift die Welt auf seine eigene Weise – abhängig von Alter, Erfahrung und Lebensumständen. Was aus der Sicht des einen unsinnig erscheint, enthält möglicherweise den ultimativen Durchbruch. Wertschätzung bedeutet nicht zwangsläufig, mit allem einverstanden zu sein. Aber es bedeutet die Bereitschaft, sich mit dem scheinbar Unsinnigen zu beschäftigen, sich inspirieren zu lassen, damit herumzuspielen, es weiter zu entwickeln und es als Trittstein für tragfähige Ideen zu nutzen. Ein externer Moderator sorgt dafür, dass alle Ideen eine Chance auf Evaluierung bekommen und er verhindert den frühen Tod der Ideen.

Die Vielfalt der Erkenntnisse hat Einfluss auf die Qualität von Entscheidungen. Wer als Unternehmer erfolgreich bleiben möchte, sollte auf all seine Ressourcen zugreifen, möglicherweise auch auf neue Art. Manchmal braucht es einen Lotsen, um an relevante Informationen zu kommen. Ein Workshop mit externer Leitung ist ein Anfang. Das unzensierte Spiel mit Ideen und Fakten kann zu bisher undenkbaren, aber wertvollen Ideen führen. So gelingt der berühmte Blick über den Tellerrand.