Treffen der Generationen Generationskonflikt am Arbeitsplatz vermeiden – aber wie?

Heute arbeiten in vielen Unternehmen bis zu fünf Generationen zuammen und stellen Führungskräfte vor große Herausforderungen.
Heute arbeiten in vielen Unternehmen bis zu fünf Generationen zuammen und stellen Führungskräfte vor große Herausforderungen.

In vielen Betrieben treffen verschiedene Generationen aufeinander. Entsprechend unterschiedlich sind oft die Bedürfnisse und Lebensstile sowie die Art, Aufgaben anzugehen. Was bedeutet das für die Führungskräfte?

»Oh, diese Digital Natives, die lassen sich nur schwer führen, motivieren und ins Team integrieren. Von denen macht jeder sein eigenes Ding«, solche Klagen hören Berater von Führungskräften in Seminaren und Coachings häufig. Doch werden die Führungskräfte gefragt, wen sie mit den sogenannten Digital Natives überhaupt meinen, dann heißt es: Die jungen Mitarbeiter bis Ende 20 – also die Mitarbeiter, die nach 1990 geboren wurden, mit den digitalen Techniken aufwuchsen und deshalb mit ihnen vertraut sind.

Von ihnen werden die Digital Immigrants abgegrenzt, die vor 1990 geboren wurden – also bevor mit den PCs und Handys der Siegeszug der digitalen Technologien auf breiter Front begann. Deshalb mussten sie den Umgang mit dieser Technik oft noch im Erwachsenenalter erlernen, weshalb sie dabei nicht selten unsicher und zuweilen ängstlich sind.

Begriffe werden schnell zur Schublade

Digital Natives wird oft unterstellt, sie sähen in der Work-Life-Balance eine höhere Bedeutung als Digital Immigrants. Es gehe ihnen weniger um Titel und Karriere als um die Erfahrung von Sinn auch bei der Arbeit, denn ein »er-fülltes« statt »ge-fülltes« Leben sei ihnen wichtig. So legten zum Beispiel junge Mütter aus dieser Generation oft mehr Wert auf einen firmeneigenen Kindergarten und flexible Arbeitszeiten als ein höheres Gehalt. Und manch Mitt- oder End-Zwanziger, der zum Beispiel ein passionierter Marathon-Läufer sei? Er bevorzuge es, Teilzeit zu arbeiten, damit er genug Zeit fürs Training habe.

Erschwert wird die Diskussion über die Unterschiede der Digital Natives und Digital Immigrants dadurch, dass sie sich in verschiedenen Lebensphasen befinden und darum automatisch unterschiedliche Bedürfnisse haben. Hinzu kommt: Neben den Begriffen Digital Natives und Immigrants geistern weitere Begriffe durch die Diskussion – nämlich die Begriffe Generation X, Y und Z.

In der öffentlichen Debatte werden die Digital Natives oft mit der Generation Y gleichgesetzt. Dabei zählen die Soziologen hierzu nicht nur die ab 1990, sondern alle ab 1980 geborenen Personen. Doch diese Gleichsetzung ist Unsinn. Das zeigt allein schon die Tatsache, dass zur Generation Y auch die heute 30- bis 38-Jährigen zählen, die nicht selten bereits seit Jahren Schlüsselpositionen in den Unternehmen innehaben und nicht nur leistungsfähig und –bereit sind, sondern auch Karriere machen möchten – wenn eventuell auch nicht um jeden Preis. Entsprechend vorsichtig sollte man die Begriffe Generation X, Y und Z gebrauchen – auch um nicht alle Angehörigen einer Altersgruppe über einen Kamm zu scheren. Denn diese waren schon immer verschieden und sind es auch heute.

Gesellschaftlicher Wandel beeinflusst Haltungen

Seit der Geburt der ersten Digital Natives vor fast 30 Jahren, haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stark verändert. Wir sprechen heute von der globalisierten Welt, der VUKA-Welt und vom digitalen Zeitalter. Diese Rahmenbedingungen prägten die Einstellungen und das Verhalten – ähnlich wie es bei der Kriegsgeneration und der Wirtschaftswunder-Generation der Fall war.

So betonen zum Beispiel viele Forscher, die Digital Natives hätten einen stärkeren Selbstverwirklichungsdrang als die Generationen vor ihnen. Zudem seien sie toleranter und offener für andere Kulturen sowie aufgeschlossener für Innovationen und neue Lebensstile. Das mag für die nach 1990 Geborenen stimmen. Vielleicht sind sie jünger und noch nicht festgefahren und spüren noch nicht die Verantwortung auf ihren Schultern, eine Familie zu ernähren.

Dessen ungeachtet haben die nach 1990 geborenen Angehörigen der Generation Y und Generation Z einen großen Vorteil: Es gibt relativ wenige von ihnen. Entsprechend heiß werden insbesondere die höher Qualifizierten unter ihnen von den Unternehmen in Zeiten eines steigenden Fach- und Führungskräftemangels umworben. Hinzu kommt nicht selten gerade bei den höher Qualifizierten: Sie wuchsen in wohlsituierten Familien mit ein, zwei Kindern auf. Deshalb wissen sie schon heute: Irgendwann werde ich ein nicht unbeträchtliches Vermögen erben. Darum müssen sie weniger berufliche Kompromisse eingehen, um fürs Alter vorzusorgen. Auch das beeinflusst ihre Einstellung zur Arbeit und ihr Verhalten.

Für Führungskräfte ist also folgende Frage wichtig: Wie lassen sich die Digital Natives so ins Unternehmen integrieren, dass sie sich mit ihrer Arbeit identifizieren und eine Generation übergreifende Zusammenarbeit gelingt. Denn in fast allen Unternehmen arbeiten mehrere Generationen unter einem Dach – sieht man von manchen Start-ups ab.

Bis zu fünf Generationen im Team

Das Rentenalter verschiebt sich in unserer Gesellschaft aufgrund der höheren Lebenserwartung schleichend nach hinten. Bereits jetzt arbeiten in vielen Unternehmen Menschen zusammen, deren Altersunterschied bis zu 50 Jahre beträgt. Es prallen bis zu fünf von den Soziologen definierte Generationen aufeinander:

  • die Traditionalisten (vor 1950 geboren), die heute in der Regel nur noch als Senior-Chefs, in den Unternehmen präsent sind,
  • die Babyboomer (ca. 1951 bis 1964 geboren), von denen die älteren Jahrgänge bereits das Rentenalter erreicht haben,
  • die Generation X (1965 bis 1980 geboren), die heute weitgehend das mittlere und obere Führungspersonal in den Unternehmen stellt,
  • die Generation Y (1981 bis 2000 geboren), von denen viele bereits zu den etablierten Leistungsträgern in den Unternehmen zählen, und
  • die Generation Z (ab 2001 geboren), der heute bereits viele Auszubildende in den Betrieben angehören.

Dabei gilt die Faustregel: Je größer der Altersunterschied zwischen den Mitarbeitern, desto unterschiedlicher sind deren Lebens- und Erfahrungshorizonte, was oft zu Reibungsflächen führt. Die veränderte demografische Struktur zeigt sich auch im Bereich Führung: Die alte Hackordnung »Der Chef ist älter als seine Mitarbeiter« ist in den meisten Betrieben schon lange passé.

Heute stehen die Führungskräfte oft vor der Herausforderung, nicht nur erheblich jüngere, sondern auch ältere Mitarbeiter zu führen. Auch das trägt dazu bei, dass das Führen schwieriger wird. Eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter 2.400 Personal- und Finanzmanagern in der Schweiz, Österreich und Deutschland zeigt: Sind drei und mehr Generationen in einem Team vertreten, häufen sich die Schwierigkeiten – nicht nur, weil die Bedürfnisse der Arbeitnehmer altersbedingt unterschiedlich sind, sondern auch ihre Arbeitsmoral oder ihre Art, Aufgaben anzugehen.