Kommentar Frauen in technischen Führungspositionen

Nur drei von 100 Top-Level-Positionen in technischen Unternehmen sind von Frauen besetzt. Ein unhaltbarer Zustand, meint Maritza Cataldo vom Personalberatungshaus Selecteam Deutschland, und zeigt mögliche Auswege auf.

Kein Thema hält sich so nachhaltig in den Schlagzeilen wie der Fachkräftemangel. Dabei klagt die Wirtschaft besonders laut, wenn es um die Besetzung einer technischen (Führungs-)Position geht. Für jedes Unternehmen kommt die Besetzung einer Vakanz in diesem Umfeld einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich.

Frauen, die sich für einen technischen Beruf entschieden haben und sich schon auf der Karriereleiter nach oben sehen, haben sich angesichts dieser Arbeitsmarktentwicklung allerdings zu früh gefreut. Denn in der Realität beschränkt sich der Arbeitskräftemangel vor allem auf männliche Führungskräfte.

Sicherlich gibt es auch Frauen, die sich als technische Führungskraft im Mittelmanagement eines produzierenden Unternehmens etablieren konnten. Der Prozentsatz ist allerdings gering. Von 100 Positionen sind vielleicht drei mit Frauen besetzt. Die Top-Level-Positionen erreichen nur ganz wenige. Die meisten schaffen es nicht über eine Sachbearbeiterposition hinaus. Selbst wenn sie mit Bestnoten in einem technischen Studiengang promoviert haben, müssen Frauen ständig erklären und beweisen, dass sie technischen Sachverstand haben.

Klassischen Rollenmustern stark verhaftet

Selbst wenn man einräumt, dass mangelndes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten aufgrund tradierter, soziokultureller Erziehungsmuster eine Rolle spielt, ist der technische Beruf wie kein anderer Berufszweig klassischen Rollenmustern besonders stark verhaftet. Frauen stehen für Mode, Lifestyle und Kreativität, Männer stehen für Technik. Dieses Rollenverständnis lässt den Wunschtraum, dass in unserem Wirtschaftsleben nur die Leistung zählt, schnell zerplatzen. Frauen, die daran festhalten und trotzdem an ihre Karriere glauben, überarbeiten sich irgendwann oder verzweifeln daran, dass ihre männlichen Kollegen auf dem Weg nach oben an ihnen vorbeiziehen.

Darüber hinaus wird für viele der Weg nach oben durch das Problem erschwert, Familie und Job unter einen Hut zu bekommen. Die meist männlich geprägten Unternehmensstrukturen mit unflexiblen Arbeitszeiten ohne Gleitzeit, keine Home-Office-Angebote und fehlende Kita- und Kindergarten-Unterstützung lassen für viele Frauen die Vereinbarung von Familie, Beruf und Karriere zu einer Quadratur des Kreises werden.

Klischees überwinden

Aus Sicht der um technische Fachkräfte buhlenden Wirtschaft ist das eine fatale Situation, da dem Unternehmen wertvolle Ressourcen nicht zur Verfügung stehen oder verlorengehen. Um diese klischeehafte Denkweise zu überwinden brauchen Frauen ein gehöriges Maß an Motivation, eine starke Persönlichkeit, viel Überzeugung und Ausdauer, wenn sie den Weg in die Führungsverantwortung erfolgreich beschreiten wollen.

Trotz der Unterstützung, die Frauen in der Personalabteilung, in der Geschäftsleitung, im Vorstand oder auch im Aufsichtsrat eigentlich haben sollten, schaffen es nur wenige Frauen in technische Führungspositionen. Das wird sich erst ändern, wenn in den Führungsetagen ein Umdenken beginnt, wenn qualifizierte Ingenieure oder Techniker für Führungspositionen ungeachtet äußerer Merkmale und genderspezifischer Attribute eingestellt werden.