Automatisierung Wie bereiten sich Hersteller auf die Fabrik der Zukunft vor?

Für den »Deutschen Industrie 4.0 Index 2017« befragte die Unternehmensberatung Staufen im Juli 2017 insgesamt 394 Unternehmen in Deutschland zum Thema Industrie 4.0.

Die Fabrik der Zukunft ist im Kommen. Unternehmen müssen sich an drei Fronten darauf vorbereiten – wobei zwei erst einmal nichts mit Technologie zu tun haben. Mehr dazu erzählt uns Jasmeet Singh, Head of Manufacturing bei Infosys.

Wie bereiten sich Hersteller auf die Fabrik der Zukunft vor?

Jasmeet Singh: Im ersten Schritt müssen die Arbeitskräfte auf den Wandel vorbereitet werden. Sie benötigen die Gewissheit, in welcher Form die Transformation erfolgt und welche Auswirkungen sie auf die eigenen Aufgaben und vielleicht auch auf den eigenen Arbeitsplatz haben. Studien zeigen, dass viele Arbeitnehmer die Transformation aus Furcht um den eigenen Arbeitsplatz eher skeptisch sehen. Aus diesem Grund müssen Unternehmen transparent sein, ihre Mitarbeiter »abholen« und weiterbilden. Investitionen in Bildung, Trainings und Change Management gehen mit der digitalen Transformation und der Fabrik der Zukunft einher.

Dazu benötigen Organisationen einen unternehmensweiten Ansatz, der alle Abteilungen umfasst. Der Return on Investment der Fabrik der Zukunft ist weit mehr als vernetzte und mit der Cloud verbundene Fertigungsroboter, die synchron arbeiten. Vielmehr sollten bei der Aufstellung der Smart Factory auch Funktionen wie Anlagenwartung, Werkzeugbau, Labor, Lieferkette usw. berücksichtigt werden. Auf diese Weise können alle Abteilungen umfassend von der Transformation profitieren und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. 

Und auch die Technologie muss natürlich Priorität haben – denn sie bildet die Basis der Fabrik der Zukunft. So werden beispielsweise alle Investitionen in die Fabrik der Zukunft zum Erliegen kommen, wenn die Maschine in der Werkstatt nicht einmal über eine SPS verfügt.

Wie werden Mensch und Maschine in der Zukunft der Fertigung zusammenarbeiten?

Die Automatisierung reduziert die wiederholbaren, routinemäßigen Arbeiten in der Fertigung. Mitarbeiter können die so gewonnene Zeit nun für andere Aufgaben nutzen, beispielsweise für Root Cause Analysis, Kaizen und Value Engineering. Künftig werden alle Aktivitäten der Fabrik der Zukunft durch die Analyse von Daten und Informationen begleitet. Zum Beispiel können Mitarbeiter, die bisher Maschinen bedienten, die Daten von autonom operierenden Maschinen nutzen, um den Kundenservice – und somit auch die Servitisierung von Geschäftsmodellen – zu unterstützen.

Dazu wird es eine Reihe von substantiellen Herausforderungen geben, die über die Möglichkeiten von Maschinen hinaus gehen. Auch hierfür gilt es, Lösungen zu finden. Der menschliche Mitarbeiter wird also auch weiterhin eine integrale, wenn auch andere Rolle als bisher, in der Fabrik der Zukunft spielen.