Digitalisierung Versicherungsbranche ebenfalls betroffen

In der Industrie schreitet die digitale Transformation voran. Andere Branchen dagegen sind noch nicht so weit. Versicherungen etwa hinken bei der Digitalisierung noch hinterher – doch das könnte sich bald ändern.

Zwei Drittel der Bundesbürger rechnen mit dem Entstehen einer großen Online-Plattform – jeder Dritte würde sogar eine Versicherung bei einem großen Digitalunternehmen abschließen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Befragt wurden rund 1.004 Personen in Deutschland ab 18 Jahren zu Entwicklungen in der Versicherungsbranche bezogen auf das Jahr 2030.

So erwarten die deutschen Bürger in den kommenden Jahren gravierende Veränderungen in der Branche. Zwei Drittel (65 Prozent) gehen davon aus, dass bis 2030 eine Online-Plattform für Versicherungen entsteht, die große Marktanteile auf sich vereint. Jeder Zweite (53 Prozent) erwartet, dass Digitalunternehmen aus dem Ausland wie Apple, Google oder Facebook in zehn Jahren eine bedeutende Rolle auf dem Versicherungsmarkt spielen. Ebenso viele erwarten gleichzeitig, dass deutsche Versicherer im Wettbewerb mit ausländischen Konkurrenten an Boden verlieren (53 Prozent) und dass zahlreiche traditionelle Versicherungen sogar ganz verschwinden (52 Prozent).

»Versicherer tun gut daran, sich die Entwicklungen in anderen Bereichen anzusehen, wo sich mit der Digitalisierung Marktanteile stark verschoben haben. Entscheidend ist, sich auf seiner derzeitigen Position nicht auszuruhen, sondern Geschäftsprozesse und Geschäftsmodell konsequent digital zu denken«, kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg das Umfrageergebnis.

Jeder Elfte würde Start-ups vertrauen

Schon heute sagen fast 3 von 10 Personen (29 Prozent), dass sie sich vorstellen können, eine Versicherung bei einem großen internationalen Digitalunternehmen abzuschließen. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist der Anteil mit 42 Prozent sogar noch höher. Immerhin jeder Elfte (9 Prozent) kann sich vorstellen, seine Versicherung bei einem Start-up abzuschließen. Hier ist ebenfalls der Anteil bei den 18- bis 29-Jährigen mit 18 Prozent besonders hoch.

App genauso wichtig wie traditionsreiche Marke

Nach den wichtigsten Kriterien bei der Auswahl einer Versicherung gefragt, stehen umfangreiche Leistungen (99 Prozent), niedrige Prämien (98 Prozent) und individuell anpassbare Produkte (98 Prozent) ganz oben. Allerdings rangieren direkt dahinter bereits eine breite Auswahl an Tarifen (96 Prozent), einfache Angebote (96 Prozent) und kurze und flexible Vertragslaufzeiten (94 Prozent). Für acht von zehn Bundesbürgern spielen gute Bewertungen in Tests (82 Prozent) eine wichtige Rolle.

Die Bedeutung einer bekannten Marke nimmt hingegen ab: Zwar ist für sieben von zehn Befragten (70 Prozent) eine bekannte Marke wichtig, die Möglichkeit, Anfragen komplett digital abzuwickeln und digitale Angebote wie eine App (je 68 Prozent) haben jedoch bereits einen ähnlichen Stellenwert. Eine hohe Digitalkompetenz (62 Prozent) der eigenen Versicherung wird zudem höher bewertet als ausführliche persönliche Beratung (57 Prozent) oder Hausbesuche vom Berater (56 Prozent) sowie Kundenbindungsprogramme (56 Prozent). Niederlassungen vor Ort haben hingegen kaum noch Bedeutung: Lediglich für 39 Prozent der Menschen in Deutschland sind sie wichtig.