Erneuerbare Energien Siemens setzt auf Meereskraft

Eine Gezeitenturbine besteht aus zwei Rotoren, welche an einem Turm angebracht sind und von der Wasserströmung angetrieben werden. Zweiflügelige Rotoren drehen sich infolge des Gezeitenstroms und richten sich – über die um 180 Grad schwenkbaren Blätter – nach der Strömung aus.

Siemens erhöht seine Beteiligung an dem auf Gezeitenkraftwerke spezialisierten, britischen Unternehmen Marine Current Turbines (MCT) auf 45 Prozent - mit diesem Schritt will der Konzern seine Aktivitäten im Bereich Meereskraft festigen.

Marine Current Turbines (MCT) mit Sitz in Bristol, Großbritannien, wurde im Jahr 2000 gegründet und beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter. Bereits im Februar 2010 war Siemens mit dem Erwerb einer geringen Beteiligung an MCT in den zukunftsträchtigen Bereich der Meeresströmungskraftwerke eingestiegen. Schätzungen zufolge liege das weltweite Potenzial für die Stromerzeugung mithilfe von Gezeitenkraftwerken bei 800 Terawattstunden (TWh) jährlich. Zum Vergleich: Das läge rund ein Viertel über dem Gesamtstrombedarf von Deutschland und entspräche drei bis vier Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

„Wir werden bei den innovativen Gezeitenkraftwerken die Entwicklung zur Marktreife maßgeblich mitgestalten“, kommentiert Michael Axmann, Finanzvorstand der neu gegründeten Division Solar & Hydro im Siemens-Sektor Energy, die Aufstockung der Beteiligung. Andrew Tyler, Geschäftsführer von MCT, ergänzt: „Durch die Unterstützung des Industriekonzerns Siemens können wir die Vermarktung unserer Technologie gezielt weiter vorantreiben. Wir suchen derzeit Investoren, um die Finanzierung unserer beiden ersten Großprojekte im Bereich Gezeitenkraft  - das 8-Megawatt-Projekt Kyle Rhea in Schottland und das 10-Megawatt-Projekt Anglesey Skerries in Wales - sicherzustellen.“Zudem habe MTC die Genehmigung von The Crown Estate - der königlichen Grundbesitzverwaltung - erhalten, um ein 100-MW-Gezeitenkraftwerk bei Brough Ness, an der südlichsten Spitze der Orkney Islands in Schottland, zu bauen.

Mit SeaGen in Strangford Lough in Nordirland hat MTC bereits ein Demonstrationsprojekt in kommerziellem Maßstab umgesetzt. Seit November 2008 erzeugen dort zwei Axial-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 1,2 MW Strom und versorgen damit rund 1500 Haushalte. SeaGen hat bislang bereits mehr als 2,7 Gigawattstunden elektrischer Energie ins Netz eingespeist. Gemessen an der Stromerzeugung sei dies das bis heute größte Gezeitenturbinenprojekt.

Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.