Hannover-Messe 2016 mit Partnerland USA Renaissance der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen

In diesem Jahr steht die weltgrößte Industrieschau ganz im Zeichen der Vereinigten Staaten von Amerika. Nicht viele -- um nicht zu sagen keine anderen -- deutschen Messen werden von einem US-Präsidenten besucht. Bei der Hannover Messe ist das anders.

In diesem Jahr sind die Vereinigten Staaten Partnerland der Hannover-Messe und deshalb wird US-Präsident Barack Obama höchstpersönlich zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die globale Leistungsschau eröffnen. Doch die USA spielen nicht nur als Partnerland eine Rolle, sondern sie sind in diesem Jahr  auch unter den fünf Nominierten des angesehenen Hermes Awards vertreten, neben drei deutschen und einem britischen Unternehmen.

Dieses Bild setzt sich fort, wenn man sich die Exportbilanz der deutschen Maschinenbauer in die USA anschaut, die im vergangenen Jahr um 11,2 % auf 16,8 Mrd. Euro weiter kletterte. Damit sind sie wieder das wichtigste Exportland für den deutschen Maschinenbau und haben China auf den zweiten Rang verdrängt.

Nach dem Spitzenjahr 2006 mit 12,6 Mrd. Euro dauerte es sechs Jahre, bis 2012 die deutschen US-Exporte die alte Rekordmarke einstellen konnten. Seitdem wachsen die Maschinenexporte kontinuierlich und der VDMA erwartet, dass die USA diese starke Stellung als Abnehmer auch 2016 halten werden. Denn während der chinesische Markt wohl wieder leicht schrumpfen wird, erwartet eine deutliche Mehrheit der in den USA engagierten Maschinenbauer steigende Verkaufszahlen.

Eine aktuelle Umfrage des VDMA zur Geschäftsentwicklung in den USA 2016 zeigt zwar viel Licht, aber auch Schatten. Drei Viertel der befragten Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit mehr Geschäften über den Atlantik hinweg und knapp 60 Prozent der Maschinenbauer planen in den nächsten drei Jahren Investitionen in den USA.

Rund die Hälfte davon soll in den Auf- und Ausbau von Produktion und Montage fließen. Treiber der US-Nachfrage sind vor allem der Maschinenbau sowie die Automobil- und Zulieferindustrie, während die Ausrüstung für den Fracking-Sektor drastisch einbrach. Rund ein Drittel der Befragten führt die steigende Nachfrage aus den USA einerseits auf einen Investitionsstau zurück, sieht aber auch einen Trend zur Re-Industrialisierung der amerikanischen Volkswirtschaft. Dies spiegelt sich allerdings noch nicht im Anteil des verarbeitenden Gewerbes am US-Bruttoinlandsprodukt wider, das sich auf 12 % eingependelt hat. So kommentiert Dr. Ralph Wiechers, VDMA-Chefvolkswirt, die Situation vorsichtig: "Die De-Industrialisierung Amerikas ist zu Ende. Und vielerorts werden in Amerika Fabriken modernisiert, wovon der deutsche Maschinenbau profitiert."

Allerdings ist die starke Stellung der deutschen Unternehmen in den Vereinigten Staaten nicht unangefochten. China ist bereits 2013 zum wichtigsten ausländischen Maschinenlieferanten in den USA aufgestiegen (2015: 17,8 %) und hat Japan mit seit 2012 rückläufigen Zahlen auf Rang 2 verdrängt (2015: 13,7 %). Doch auch Deutschland ist im Marktanteil zurückgefallen und liegt nun mit 11,8 % knapp hinter Mexiko auf Platz vier.

Die Marktanteilsverschiebungen sollten zwar zur Vorsicht mahnen, dennoch haben die stark expandierenden US-Maschineneinfuhren von 119 (2014) auf 141 Mrd. Euro (2015) gerade bei Deutschland unter dem Strich zu einem Plus von 1,7 Mrd. Euro geführt. Da darf man schon von einer Renaissance der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen sprechen.