Industrie 4.0 Realität und Zukunftsmusik

Kaum ein Thema ist so präsent wie die „vierte industrielle Revolution“, kurz Industrie 4.0. In Vorträgen und Podiumsdiskussionen widmen sich Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft dem voranschreitenden Wandel in der Industrie. Auch die Bundesregierung hat es auf ihre Agenda gesetzt.

Getrieben wird die vierte industrielle Revolution vom Internet der Dinge und Dienste. Dabei sind autonome Embedded-Systeme drahtlos untereinander und mit dem Internet vernetzt. In der produzierenden Industrie entstehen so die Cyber-Physical Production Systems, kurz CPPS, die u.a. mit intelligenten Maschinen und Lagersystemen Informationen selbstständig untereinander austauschen und sich gegenseitig steuern. Durch diese CPPS entstehen die Smart Factories, das „Kernelement der Industrie 4.0“. In diesem Szenario lassen sich Produkte immer und zu jeder Zeit nachverfolgen: Wo befindet sich das Produkt gerade, welche Fertigungsschritte sind bereits erfolgt und welche möglichen Wege gibt es bis zur Fertigstellung. Die Produkte sind zugleich horizontal über Wertschöpfungsnetzwerke und vertikal mit betriebswirtschaftlichen Prozessen im Unternehmen vernetzt. So lässt sich die gesamte Wertschöpfungskette des Bauteils von der Entwicklung bis hin zur Auslieferung nachvollziehen.

Im Januar 2012 wurde ein Arbeitskreis ins Leben gerufen. Die Promotorengruppe Kommunikation der Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft hat im Oktober erste vorläufige Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 vorgelegt. Konzipiert wurde das Zukunftsprojekt aus der High-Tech-Strategie der Bundesregierung aus dem Blickwinkel der Informations- und Kommunikationstechnologien, kurz IKT. Unter Ein­beziehen sowohl der Produktionsforschung als auch der An­wender-Industrien wurde es weiterentwickelt.

Damit Deutschland der Wandel der Produktion hin zur Industrie 4.0 gelingt, empfehlen die Experten aus der Forschungsunion eine duale Strategie. Zum einen soll Deutschland sich weltweit zum Leitanbieter für intelligente Produktionstechnologien entwickeln, zum anderen sollen neue Leitmärkte für Cyber-Physical-Systeme gestaltet und bedient werden. Als kennzeichnende Merkmale für die duale Strategie wurde in dem 72 Seiten starken Empfehlungspapier „Umsetzungsempfehlung für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ Folgendes definiert:

  • Horizontale Integration: Aufbau von Wertschöpfungsketten und Wertschöpfungsnetzwerken über Firmengrenzen hinweg.
  • Vertikale Integration: Aufbau und Realisierung von flexiblen und rekonfigurierbaren Produktionssystemen innerhalb eines Unternehmens.
  • Digitale Durchgängigkeit des Engineering über den gesamten Lebenszyklus des Produkts und des zugehörigen Produktionssystems.

Für die Industrie 4.0 wurde bereits ein allgemeiner Rahmen geschaffen, doch diskutieren Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Verbände und Politik im Moment über die Details und auch über die Auswirkungen dieser vierten industriellen Revolution auf die Produktion, die Wirtschaft und auch auf die Menschen. Dabei hat jeder seine eigene Meinung und die gilt es jetzt unter einen Hut zu bringen. So müssen auch Voraussetzungen geschaffen werden, zum Beispiel der Ausbau der Strom- und Breitband-Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen oder neue Standards für eine reibungslose Kommunikation in der zukünftig stark vernetzten Welt.

Was Vertreter aus Industrie und Wissenschaft zu der vierten industriellen Revolution zu sagen haben, lesen Sie in den Statements.